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Sportmix "Der FC Bayern ist ein geiler Verein"
Sportbuzzer Sportmix "Der FC Bayern ist ein geiler Verein"
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20:59 27.01.2011
SIEGER-TYP BEIM SIEGER-KLUB: Bayern-Trainer Dirk Bauermann.
SIEGER-TYP BEIM SIEGER-KLUB: Bayern-Trainer Dirk Bauermann. Quelle: dpa
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Herr Bauermann, erst eine Niederlage in siebzehn Spielen, elf Siege in Folge, vier Punkte Vorsprung auf den dritten Rang. Darf man Ihnen schon zum Aufstieg gratulieren?

Natürlich nicht. Wir haben zwar einen relativ komfortablen Vorsprung auf einen Nichtaufstiegsplatz. Im Augenblick ist das Schiff FC Bayern auf Kurs, aber längst nicht im Heimathafen.

Trotzdem, der Aufstieg scheint nur noch Formsache. Eine andere lästige Formalie ist zurzeit ein heißes Thema: Ihre Doppelfunktion als Bundestrainer und Coach beim FC Bayern. Die BBL stellt sich quer. Eine Regel verbietet ihnen in der ersten Liga diese Doppelfunktion. Können Sie das nachvollziehen?

Um ehrlich zu sein: Ich finde diese Diskussion langweilig. Wir sind noch nicht aufgestiegen. Das Präsidum des FC Bayern hat noch nicht entscheiden, dass es weitergeht mit dem Projekt …

Uli Hoeneß hat gesagt, es fällt und steht mit Ihnen …

… Also warten wir weiter ab, dass die Bedingungen, um so eine Diskussion ernsthaft zu führen, eintreten. Dann bin ich sicher, dass eine Lösung gefunden wird, die der Sportart dient.

Aber es gibt Vorbehalte...

Es gab oder gibt Vereine in der BBL, die glauben, dass der Bundestrainer, wenn er gleichzeitig Klubtrainer ist, dem Verein dadurch einen Vorteil verschafft. Zum Beispiel, wenn es um die Rekrutierung deutscher Nationalspieler geht. Ich halte diese Argumentation für unzutreffend. Aber die Liga hat sich für ein Verbot der Doppelfunktion entschieden.

Zurück zum FC Bayern. Wie ist das, wenn regelmäßig Legenden wie Uli Hoeneß, Paul Breitner Katsche Schwarzenbeck oder aktuelle Stars wie Bastian Schweinsteiger und Thomas Müller und sogar das Ehepaar Stoiber am Spielfeldrand sitzen?

Man ist stolz drauf und freut sich natürlich sehr, dass das, wofür man Verantwortung trägt, Unterstützung erfährt. Unserer Sportart kann nichts Besseres passieren, als wenn sich solche Persönlichkeiten, die einen hohen Status haben, ein Basketballspiel anschauen. Dazu noch ein Pro-A-Spiel. Das ist eine großartige Aufwertung unserer Sportart, die man kaum beschreiben kann.

Wie oft sprechen sie mit Präsident Hoeneß?

Im Vierwochen-Rhythmus. Wir unterhalten uns darüber, wie es weitergehen soll und tauschen Gedanken aus. Ich kann nur sagen, der Mann ist ein Glücksfall für den deutschen Sport. Und dass er auch noch ein Herz für Basketball hat, ist ein Glücksfall für unsere Sportart.

Er lädt sogar das Team in ein Restaurant am Tegernsee ein...

Das ist außergewöhnlich. Er führt eben stark. Und setzt Zeichen. Ein Zeichen war, die Mannschaft einzuladen. Der FC Bayern ist nicht nur Erfolgsverein und eine Riesenmarke im Weltsport. Es gehört auch zu den Kernwerten, eine große Familie zu sein. So etwas muss man oben beginnen. Hoeneß steht dafür wie kein anderer.

Wie war es früher als kleiner Junge, Bayern-Fan oder Bayern-Hasser?

Wie fast jeder Junge in Deutschland habe ich, bis ich zwölf war, Fußball gespielt. Mein Herz schlug für Bayer Uerdingen, dem Klub in meiner Heimatstadt. Da bin ich mit meinem Vater immer hin samstags. Insofern müsste ich lügen, wenn ich sagen würde, ich habe als Kind in FC-Bayern-Bettwäsche geschlafen (lacht). Aber natürlich: Als Sportbegeisterter hat man zu diesem Verein eine Affinität: Man mag ihn oder eben nicht. Mich hat immer fasziniert, wie langfristig und mit welcher starken Energie der Erfolg dort gestaltet wird. Es hat immer eine positive Bindung gegeben. Seitdem ich hier bin, bin ich nicht für eine Sekunde enttäuscht worden. Ich muss sagen, der FC Bayern ist ein geiler Verein. Es macht Spaß, hier zu arbeiten.

Die ganze Nummer scheint ein Selbstläufer zu sein. War es für Sie nie so leicht und komfortabel, in einem Verein zu arbeiten, wie es jetzt der Fall ist?

Im Gegenteil: Das ist eine besondere Konstellation, zum Erfolg verdammt zu sein. Basketball beim FC Bayern hat ein Zeitfenster von einem Jahr, zu zeigen dass es funktioniert, sportlich und auf anderen Ebenen. Das ist eine Situation, die du so nie hast. Zu wissen, es gibt kein zweites Mal, entweder jetzt oder nie. Auch für die Spieler ist es eine schwierige Situation. Wir sind sicher am stärksten besetzt. Aber wenn du auch nur fünf Prozent deiner Leistungsmöglichkeit nicht aufs Parkett bringst, kannst du immer verlieren. Mir war immer klar, dass das alles andere als ein Selbstläufer wird.

Am Freitag spielen Sie gegen die UBC Tigers. Wann haben Sie erstmals den Klub wahrgenommen?

David Arigbabu hat für mich in Bamberg gespielt. Sein Bruder Stephen in der Nationalmannschaft. Ich kenne die Familie und verfolge immer, was meine Ex-Spieler machen. Insofern habe ich auch immer auf die Tigers geguckt, seitdem David da ist. Ich freue mich, ihn Freitag zu sehen.

Wann hat es Sie zuletzt wegen Basketball nach Hannover verschlagen?

Mit Leverkusen in den 90er-Jahren. Ich habe aber keine Erinnerungen an das Spiel. Ich hoffe, dass wir gewonnen haben. Wenn man Hannover hört, denkt man natürlich zu allererst an 96. Und erst in zweiter Linie an die Tigers. Aber vielleicht wird sich das auch irgendwann noch ändern (lacht laut).

Zuletzt taten sie sich schwer gegen Teams wie Freiburg und Jena. Das kann ja den Fans etwas Hoffnungen auf ein halbwegs spannendes Spiel machen.

Wir sind sicher gut besetzt für eine Zweitliga-Mannschaft. Eine Überflieger-Mannschaft sind wir aber nicht. Wir erwarten ein spannendes Spiel, ein hannoversches Team, das absolut am Limit spielt. Aber wir glauben auch, dass wir uns über 40 Minuten durchsetzen.

Sagen sie ihrem Team, auf welchen UBC-Spieler besonders acht zu geben ist?

Nein. Es gibt immer einen Moment von Unberechenbarkeit. Plötzlich machen Spieler riesen Spiele, die sonst still waren und nicht aufgefallen sind. In der Pro A muss man mit dem Unerwarteten rechnen.
Wie schätzen sie das Niveau der 2. Liga Pro A ein?

Eine sehr attraktive Liga. Ich finde es gibt tolle junge deutsche Spieler, sehr talentierte Amerikaner. Die Mischung ist gut. Ich finde, es ist eine sehr professionell denkende Liga ist. Es ist gibt weniger Spielerwechsel als in der BBL. Das zeigt, dass sehr seriös gearbeitet wird, dass die Verantwortlichen ihre Hausaufgaben machen. Geringe Fluktuation ist ein Zeichen von Qualität und Seriosität. Eine spannende Liga. Guter Unterbau.

Anfang nächster Saison droht ein Lockout, ein Spielerstreik in der NBA. Spielt Dirk Nowitzki dann für die Bayern?

Das müssen Sie mir nachsehen. Was soll ich dazu sagen? Wir sind noch in der Pro A. Dirk Nowitzki ist einer der fünf besten Basketballer, die wir auf der Erde haben. Wir sollten uns auf unsere Arbeit konzentrieren, als über Nowitzki zu philosophieren.

In seiner ersten NBA-Saison 1998/99 gabs die gleiche Situation. Da hat er dann für Würzburg gespielt.

Ja. Das müssen wir unbedingt verhindern (lacht).