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Sportmix DFB hofft bei Rassismus auf Selbstregulierung
Sportbuzzer Sportmix DFB hofft bei Rassismus auf Selbstregulierung
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14:29 20.03.2012
Trotz Ausschreitungen: Der DFB zieht positive Bilanz aus Fan-Projekten gegen Rassismus. Quelle: dpa (Symbolfoto)
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Frankfurt/Main

 „Es ist beeindruckend, wie sich die Situation gerade bei ehemaligen Problemvereinen in den letzten Jahren verbessert hat. An vielen Standorten ist es gelungen, die antirassistischen Kräfte in den Kurven zu stärken“, sagte der KOS-Leiter Michael Gabriel bei einer Pressekonferenz anlässlich der internationalen Wochen gegen Rassismus am Dienstag in Frankfurt/Main.

Gerade bei den ostdeutschen Clubs hätte es durch die Initiativen der örtlichen Fan-Projekte positive Veränderungen gegeben. Gabriel nannte Jena und Dresden als Paradebeispiele. „Das Dresdner Stadion war erst vor kurzem Treffpunkt für einen Demonstrationszug gegen Rechts. Außerdem gibt es eine Kommission, die dafür sorgt, dass Stadionverbote gerecht und transparent umgesetzt werden“, sagte Gabriel. Dynamo stand jüngst im Fokus, als der Zweitligist nach Ausschreitungen im DFB-Pokal in Dortmund zu einem Geisterspiel und einer Auswärtsspielsperre verurteilt worden war.

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Zuletzt hatten antisemitische Schmährufe gegen Kaiserslauterns israelischen Profi Itay Shechter für Schlagzeilen gesorgt. Bei 1860 München waren Rechtsradikale mit „Heil-Hitler!“-Rufen aufgefallen und in Dortmund hatten Fans ein homophobes Plakat während des letzten Heimspiels gezeigt. „Wir wissen nicht richtig einzuschätzen, ob das eine neue Welle ist“, meinte Gabriel.

Die neueste Initiative von Eintracht Frankfurt, die ebenfalls mit Krawall-Fans zu kämpfen hat, bewertete der KOS-Leiter jedoch negativ. „Geldstrafen für Fan-Vergehen von Spendengeldern abzuziehen, hilft niemandem weiter. Das ist absolut kontraproduktiv“, sagte Gabriel. Der hessische Zweitligist hatte in der Vorwoche angekündigt, 50 000 Euro an die Deutsche Knochenmarkspenderdatei zu stiften und bis Saisonende jedes verhängte Bußgeld davon abzuziehen.

Der Sicherheitsbeauftragte des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Hendrik Große Lefert, betonte, dass klar getrennt werden müsse zwischen Rassismus und der zunehmenden Gewaltbereitschaft in der Ultraszene. „Diesem Dilemma müssen wir in Zukunft verstärkt Rechnung tragen. Hier ist besonders die Selbstregulierung innerhalb der Fangruppen wichtig, wenn wir keine italienischen Verhältnisse in unseren Stadien wollen“, appellierte Lefert an die Fußballanhänger und hob die Bedeutung der Fan-Projekte hervor. „Sie sind für die Vereine, den DFB und die DFL ein wichtiger Seismograph für die Stimmung unter den Fans.“

dpa/sag

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