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Sportmix Bayern München bangt weiter um Einsatz von Arjen Robben
Sportbuzzer Sportmix Bayern München bangt weiter um Einsatz von Arjen Robben
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07:59 30.03.2010
Sein Einsatz ist fraglich: Bayern-Star Arjen Robben.
Sein Einsatz ist fraglich: Bayern-Star Arjen Robben. Quelle: dpa
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Nach Rückschlägen wie der Niederlage des FC Bayern gegen den VfB Stuttgart am Sonnabend ist gerne von einer „wegweisenden Partie“ die Rede, wenn das nächste Fußballspiel ansteht; nichts anderes meinte Philipp Lahm, als er vor dem Viertelfinalhinspiel der Münchener in der Champions League gegen Manchester United (Diensatg 20.45 Uhr, live bei SAT.1) sagte: „Jetzt muss die Mannschaft zeigen, wie weit sie ist.“

Heute gegen „ManU“, am Sonnabend in der Bundesliga bei Schalke 04, kommenden Mittwoch das Rückspiel in Manchester, dann in der Bundesliga bei Bayer Leverkusen – auf die Münchener wartet ein anspruchsvolles Programm, für das sich das Team heute Abend ein bisschen Schwung holen will. „Ich denke, dass wir jede Mannschaft überraschen können“, sagte Trainer Louis van Gaal. „Bayern ist noch nicht eine Spitzenmannschaft vom Niveau 1, aber während eines Spiels können wir dieses Niveau erreichen. Wir sind froh, unter den letzten acht zu sein. Aber ich will mehr, und meine Spieler wollen auch mehr. Das müssen wir zeigen in einem Spiel gegen Niveau 1.“

Manchester gilt neben Titelverteidiger FC Barcelona als großer Favorit in der „Königsklasse“ – nicht nur, weil Stürmer Wayne Rooney derzeit in überragender Form ist. „Manchester ist nicht allein abhängig von Rooney, so wie wir es nicht von Arjen Robben und Franck Ribery sind“, sagte Bayerns Kapitän Mark van Bommel und stellte damit eine These auf, die seine Mannschaft schon mehrfach in dieser Saison widerlegt hat. Ohne Ribery und Robben lief bei den Münchenern oft nur wenig zusammen – und ausgerechnet um den Einsatz des Niederländers, der im Spiel gegen Stuttgart eine Blessur an der linken Wade erlitten hatte, bangen die Bayern. „Wir werden alles versuchen“, sagte van Gaal zu Robbens Chancen auf einen Einsatz gegen den englischen Meister. „Er ist nicht verletzt, aber sein Muskel ist müde, und ich muss sicher sein, dass ein Spieler 100 Prozent fit ist.“ Ob mit oder ohne Robben – als Außenseiter sieht der Münchener Trainer seine Mannschaft nicht. „Ich denke, dass Bayern immer auch als Favorit gesehen wird“, sagte van Gaal. „Wir können zu Hause viel machen, obwohl wir das letzte Spiel zu Hause verloren haben.“ Allerdings ist Manchester seit 16 Auswärtsspielen in der Champions League ohne Niederlage. Ein Spiel ohne Gegentor forderte Torwart Jörg Butt und ist sich in diesem Punkt mit seinem Kapitän einig: „Ein 0:0 ist auch nicht schlecht“, sagte van Bommel. Dann würde im Rückspiel nächste Woche schon ein 1:1 für das Halbfinale reichen.

Es gab nicht wenige, die Wayne Rooney eine vergleichsweise begrenzte Karriere vorausgesagt hatten. Der Fußballprofi galt als jähzornig und sorgte mit Prügeleien und Trinkgelagen für Schlagzeilen; ein moderner Paul Gascoigne, kein Mustersportler; doch in den vergangenen Monaten ist aus dem Rüpel aus dem Liverpooler Stadtteil Croxteth ein vergleichsweise seriöser Stürmer geworden. 33 Pflichtspieltore hat er in der laufenden Saison bis zum heutigen Viertelfinalhinspiel gegen den FC Bayern München für Manchester United geschossen, sein Jahreseinkommen wird auf 20 Millionen Euro geschätzt, sein Marktwert auf 65 Millionen.

Manchesters Trainer Alex Ferguson hält ihn für den derzeit „besten Spieler der Welt“. Was ihre eigenen Profis angeht, neigen Trainer gern zu Übertreibungen, doch für „ManU“ ist Rooney derzeit kaum zu ersetzen. Viermal traf er bislang in dieser Champions-League-Saison, alle vier Tore gelangen dem 24-Jährigen im Achtelfinale gegen den AC Mailand, den er damit quasi im Alleingang aus dem Wettbewerb beförderte. Seine Souveränität im Abschluss bringt darum nicht nur Ferguson ins Schwärmen: „Wayne ist magisch zurzeit“, lobt Englands Nationaltrainer Fabio Capello, und Bayern Münchens Ehrenpräsident Franz Beckenbauer traut Rooney zu, „in dieser Form England zum WM-Titel führen zu können“.

Rooneys Leistungsexplosion ist eng verbunden mit dem Wechsel Cristiano Ronaldos zu Real Madrid nach der vergangenen Saison. Seit der Portugiese United verlassen hat, muss Rooney seine Kraft nicht mehr als hängende Spitze auf den Flügeln vergeuden, sondern kann seine Dynamik und seinen direkten Zug zum Tor im Sturmzentrum ausspielen. Schon im Jugendinternat des FC Everton machte Rooney durch seinen Einsatzwillen, seine Laufbereitschaft und Leidenschaft auf sich aufmerksam, inzwischen sind noch Siegeswillen, Torinstinkt und ein stark verbessertes Kopfballspiel hinzugekommen.

Im Alter von 16 Jahren gab Rooney sein Debüt in Evertons Profimannschaft, kurz vor seinem 17. Geburtstag erzielte er sein erstes Tor in der Premier League und wurde damit zum jüngsten Torschützen der Ligageschichte. Mit 17 Jahren feierte er seine Premiere in der englischen Nationalmannschaft, ein Jahr darauf wurde er zum besten Spieler der Europameisterschaft 2004 gewählt. Eine außergewöhnliche Karriere – doch seine Eskapaden außerhalb des Platzes zeigten das zweite Gesicht des Wayne Rooney. Den Zorn, den er neben dem Fußball in seiner Kindheit in den Hinterhöfen von Croxteth gelernt hatte, konnte er lange nicht ablegen.

Ein Psychologe half dem bulligen Rotschopf, seine Aggressivität zu kanalisieren. Inzwischen gelingt Rooney das besser; 2009 wurde er Vater und hat gelernt, neue Verantwortung zu übernehmen. Inzwischen hat er vier eigene Werbepartner, seine Frau, eine frühere Supermarktkassiererin, hat eine eigene Fernsehsendung und schreibt eine Kolumne für ein Klatschmagazin. „Ich bin ruhiger geworden“, sagt Rooney über sich, doch das gilt nicht für die 90 Minuten auf dem Platz. „Bayern ist stark“, sagt er, „aber wir haben vor keinem Team Angst.“ Er schon gar nicht.

dpa/r