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Sport-Regional Karriere-Aus mit 20 Jahren
Sportbuzzer Sport-Regional Karriere-Aus mit 20 Jahren
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19:05 13.10.2017
Sein wohl letztes Derby: Jonas Reinhart (links, White Sharks) in der vergangenen Saison im Duell mit Waspo-Star Pedrag Jokic.
Sein wohl letztes Derby: Jonas Reinhart (links, White Sharks) in der vergangenen Saison im Duell mit Waspo-Star Pedrag Jokic. Quelle: Petrow
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Hannover

Er zählte zu den größten Talenten im deutschen Wasserball. Jonas Reinhart hat schon mehrere Meistertitel im Nachwuchsbereich ge­wonnen und galt dabei immer als einer der Besten. Der 20-Jährige war gerade zum Nationalspieler aufgestiegen. Beim Bundesligisten White Sharks Hannover war er sofort nach dem Wechsel aus der Jugend zum Leistungsträger geworden. Doch nun der Schock! Am vergangenen Mittwoch hat der gebürtige Zwickauer seine Karriere, die so verheißungsvoll begonnen hatte, beendet. Schmerzhafte Rückenprobleme, die immer wieder auftraten, haben ihn dazu gezwungen. Am Sonnabend im Stadtderby gegen Waspo 98 (18 Uhr, Stadionbad) wird er seinem Club erstmals fehlen.

„Es ging einfach nicht mehr“, sagte Sharks-Clubchef Jörg Deike, „Jonas hat alles versucht, aber es gab keinen Ausweg mehr für ihn.“ Es ist sogar möglich, dass Reinhart nie wieder Wasserball spielen wird. „An Leistungssport ist zumindest derzeit überhaupt nicht zu denken“, sagte Deike, „die Schmerzen schränken ihn einfach zu sehr ein.“

Reinhart hat eine wahre Tour der Leiden hinter sich. Er ist von Arzt zu Arzt gerannt und war bei etlichen Physiotherapeuten in Behandlung. Linderung aber gab es immer nur kurz, seine Verletzungspausen wurden immer länger.

In der vergangenen Saison musste er mehrfach passen. In der Vorbereitung auf dieses Spieljahr hat er einige Einheiten mitgemacht und war auch jüngst im Europapokal im Einsatz. Aber halt immer mit Schmerzen. In dieser Woche hat Reinhart jetzt die Reißleine gezogen. Die Gesundheit hat Vorrang, der Sachse will sich jetzt ganz auf seine berufliche Ausbildung konzentrieren.

Der gezwungene Ausstieg ist ein Schlag für den verheißungsvollen Spieler, aber auch für die White Sharks und den an Talenten nicht gerade gesegneten deutschen Wasserball. Auch der Kooperationspartner, Titelanwärter und Champions-League-Teilnehmer Waspo 08 hatte ein Auge auf Reinhart geworfen. „Der Jonas kann ein richtig Guter werden“, hatte Bernd Seidensticker unlängst gesagt – und jetzt angeführt: „Es ist wirklich schade, dass er aufhören muss.“ Es war im Sinne des Kooperationsvertrags geplant, den Linkshänder wie einige andere Sharks-Talente künftig immer mal ins Trainingsprogramm mit den Waspo-Stars wie Darko Brguljan, Aleksandar Radovic oder Julian Real einzubinden. Die Nachwuchsspieler sollen an das erhöhte Niveau herangeführt werden.

Die Sharks verlieren mit Reinhart einen ihrer wichtigsten Spieler – und das so kurz vor dem Saisonstart. „Jonas wird uns sportlich, aber auch menschlich sehr fehlen“, sagte Clubchef Deike, „wir konnten leider auch nicht mehr auf seinen plötzlichen Ausfall reagieren. Es ist uns nicht mehr gestattet, neue Spieler zu holen.“ Es sei aber auch dahingestellt, ob man Reinhart überhaupt halbwegs adäquat hätte ersetzen können, sagte Deike weiter. Bei den bescheidenen finanziellen Mitteln der Sharks wäre es wohl ein eher unmögliches Unterfangen gewesen.

Am Sonnabendabend wird er im Derby gegen Waspo 98 seine (ehemaligen) Mitspieler vom Beckenrand aus anfeuern. Viel helfen dürfte es nicht, denn es geht nur um die Höhe des Waspo-Sieges. Der dürfte in jedem Fall zweistellig ausfallen – fraglich ist wohl nur, wie viele Tore die Sharks werfen werden. Mit Reinhart wäre vielleicht der eine oder andere Treffer mehr gefallen.

Von Jörg Grussendorf