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NP-Anstoß Vor Saisonende: Es rappelt in der 96-Kiste
Sportbuzzer NP-Anstoß Vor Saisonende: Es rappelt in der 96-Kiste
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10:53 17.05.2013
Von Toni Lieto
Anstoss Talk (von links): Dieter Schatzschneider, Martin Kind, Andreas Willeke, Michael Schütz, Dirk Tietenberg.
Anstoss Talk (von links): Dieter Schatzschneider, Martin Kind, Andreas Willeke, Michael Schütz, Dirk Tietenberg. Quelle: Nigel Treblin
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Der Umbruch bei 96 ist eingeleitet. Die langjährigen Spieler Sergio da Silva Pinto, Mario Eggimann, Sofian Chahed und allen voran Eigengewächs Konstantin Rausch bekommen morgen vor dem Saisonfinale gegen Düsseldorf Abschiedsblumen – andererseits ist ein Sommer-Zugang fast fix: Mit Leonardo Bittencourt „sind wir uns zu 99 Prozent einig“, sagte Klubchef Martin Kind gestern beim NP-Talk. Jetzt ist Bittencourts Verein Borussia Dortmund am Zug.

96 braucht den Umbruch dringend. Kind will sich die Saison nicht schlechtreden lassen – 96 kämpft morgen um einen einstelligen Tabellenplatz in der finalen Bundesliga-Rangliste, „auch Platz neun ist ein gutes Ergebnis“, findet der Klubchef. Aber dass es bei 96 an vielen Stellen hakt, ist ihm nicht verborgen geblieben: „Wir müssen und werden die Analyse aller Bereiche durchführen“, stellte Kind in der „Nordkurve“ klar, „das wird nicht immer nur freundlich sein.“

In der Sommerpause wird es intern rappeln in der Kiste bei 96, es muss zwingend Klartext gesprochen werden, um Dinge zu bereinigen. Beteiligt an den Gesprächen: Dirk Dufner. Der ist zwar erst seit wenigen Wochen Manager bei 96, aber „eine starke Persönlichkeit“, sagte Kind. Dufner sei „sehr kommunikativ, er kann zuhören, hat seine eigene Meinung, ist konstruktiv kritisch, entscheidungswillig und -stark“. Trainer Mirko Slomka brauche „einen starken Partner“ – offenbar genau einen wie Dufner.

Auch über Dufners Vorgänger Jörg Schmadtke wurde gestern gesprochen – mit der Quintessenz, dass „viel liegengeblieben ist“, meinte Klartext-Redner Dieter Schatzschneider, der Schmadtkes Transferhändchen lobte, aber dennoch findet: „Er hätte sich mehr durchsetzen müssen.“ Im Dauerkonflikt mit Slomka ist das dem Ex-Manager nicht immer gelungen.

Die Frage, ob Kind – wie Anfang Dezember geschehen – den Vertrag von Slomka heute noch einmal um drei Jahre verlängern würde, beantwortete der Boss weder mit Ja noch mit Nein: In der damaligen Phase „gab es Erfolg und darum kein tragfähiges Argument, nicht zu verlängern“. Inzwischen fehlen die Erfolge, Kind bezeichnet das Europa-Aus gegen Anschi Machatschkala kurz nach Slomkas Vertragsverlängerung als „Bruch“. Slomkas Fähigkeiten als Kitt-Meister sind nun geforderter denn je, bislang musste der Trainer sie bei 96 noch nicht anwenden, dafür jetzt um so mehr.

Von einer „Großbaustelle 96“ wollte Kind nichts wissen: „Dem widerspreche ich ausdrücklich“, sagte er bei seinem Saisonfazit. Kind bezeichnete die 96-Entwicklung der letzten drei Jahre als „toll“ und geht davon aus, dass Kapitän Steven Cherundolo heute seinen Einjahresvertrag unterschreibt. Der Amerikaner sei „zum Hannoveraner geworden“. Im Poker um Torjäger Mame Diouf mischt ein weiterer Klub mit – „ein Verein aus dem Norden, der viel Geld hat“, sagte Kind. Also Wolfsburg.

Das 4:0 in Wolfsburg in der Hinserie ist für Schatzschneider eines der herausragenden Erlebnisse der Saison, „da waren wir ausgezeichnet in Form und bissig mit einer guten Raumaufteilung“. Warum das 96 alles abhanden gekommen ist, wird zu klären sein – in der großen internen Rappel-Analyse. Die wirds geben, egal wie das Spiel morgen gegen die Fortuna endet.