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NP-Anstoß Martin Kind: "Der liebe Gott hat uns geholfen"
Sportbuzzer NP-Anstoß Martin Kind: "Der liebe Gott hat uns geholfen"
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20:20 31.01.2019
Ex-Stürmer Dieter Schatzschneider, 96-Chef Martin Kind und Kult-Coach Volker Finke. Quelle: Petrow
Hannover

Hat der neue 96-Trainer Thomas Doll Freitag die richtige Taktik – und hatte sein Vorgänger André Breitenreiter die falsche? Die richtige Taktik ist: „Wenn du den Arsch deines Gegenspielers nicht siehst, stehst du falsch.“ Hat gestern Dieter Schatzschneider beim NP-Talk gesagt. Schatzschneider war aber so ehrlich zu sagen, dass diese einfachste aller Taktiken ein ehemaliger 96-Trainer mal nach einem großartigen Sieg in Wolfsburg gepredigt hatte – Tayfun Korkut.

Das Thema gestern in der „Nordkurve“ war natürlich der Trainerwechsel bei 96: Breitenreiter ist weg – und Thomas Doll da. Boss Martin Kind bedankte sich erst mal an höchster Stelle: „Der liebe Gott hat uns geholfen, dass unsere Mitbewerber da unten auch nicht punkten.“ Deshalb habe man sich zur „schmerzhaften Trennung“ von Breitenreiter entschieden. Heißt wohl umgekehrt: Bei aussichtsloser Lage im Abstiegskampf wäre Breitenreiter geblieben. Kind war es wichtig, „dass die Trennung sauber abläuft“. Deshalb habe er Breitenreiter einen „persönlichen Brief geschrieben“.
Freiburgs Trainerikone Volker Finke, aus seiner Zeit beim TSV Havelse in Hannover bestens bekannt und vernetzt, schätzt Breitenreiter als „guten Typ“. Er sagte aber auch: „Es ist wichtig, wie die Kabine funktioniert.“ Und: „Der Mannschaft fehlt offensichtlich die Stabilität, mit solch schwierigen Situationen umzugehen.“ Die Lösung kann laut Finke dann nur so aussehen: „Entweder geht der Trainer – oder du baust eine neue Mannschaft mit dem Trainer auf, der schon erfolgreich gearbeitet hat.“

Foto: Petrow

Finke findet es im Übrigen nicht wichtig, ob ein Trainer früher auch ein begnadeter Kicker war: „Es ist nicht wichtig, dass die Spieler mich dafür bewundern, wie gut ich früher Fußball gespielt habe, sondern dass sie merken, dass ich sehe, was in der Mannschaft passiert.“

Schatzschneider hätte sich gefreut, wenn 96 „nicht über Kagawa nachgedacht, sondern Herr Kind gesagt hätte: Wir holen den Hinteregger aus Augsburg.“ 96 müsse „das Problem hinten lösen. Mit Spielern vom Typ Felipe, der auch mal einen umbürstet. Es fehlt nur ein Platz, ich glaube, dass wir in der Relegation jeden schlagen könnten.“

"Er strahlt Kraft und Energie aus"

Das wäre dann die Aufgabe des neuen Trainers Thomas Doll. Boss Kind hat ihn bei einem Pasta-Abend kennen- und schätzen gelernt: „Er strahlt Kraft und Energie aus, ist sehr kommunikativ.“ Dass Doll nicht nur einen Vertrag für ein halbes Jahr bekommen habe, sei ein Ausdruck des Vertrauens und „eine Entscheidung der Vernunft“.

Finke erklärte, was ein Trainerwechsel bewirken kann: „Es befreit sich etwas, viele Spieler wittern eine neue Chance. Da kann in den ersten Wochen viel Positives passieren.“ Kind erhofft sich schon heute gegen Leipzig „ein anderes Auftreten als zuletzt“ und „mindestens ein Unentschieden“. Eine kühne Rechnung wie zu Saisonbeginn, als sich Kind elf Punkte aus den ersten fünf Spielen gewünscht hatte, will er nicht mehr wagen: „ Ich habe mich da auf die Aussagen von Herrn Heldt und Herrn Breitenreiter verlassen.“ Aber dennoch: „Wir brauchen noch 24 Punkte – mindestens.“ Kind kämpferisch: „Wir wollen und werden die Klasse halten.“ Mit welcher Taktik auch immer. Von Jonas Freier