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NP-Anstoß 96-Talk: Warum Schröder nicht an Abstieg glaubt
Sportbuzzer NP-Anstoß 96-Talk: Warum Schröder nicht an Abstieg glaubt
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20:06 12.12.2018
Expertenrunde (v.l.): Dieter Schatzschneider, Horst Heldt, Christoph Dannowski, Gerhard Schröder und Andreas Willeke. Quelle: Dröse
Hannover

 Die SPD-Ikone Schröder, mittlerweile 74 Jahre alt und nebenbei Aufsichtsrats-Chef der 96-Profigesellschaft, glaubt nicht an Hannovers Abstieg, ist für den Einstieg von Investoren im Profigeschäft und hält den Videobeweis für renovierungsbedürftig.

Im falschen Film hatte sich ja gerade Horst Heldt gefühlt. Der 96-Manager, nach seiner Anti-Video-Wutrede in Mainz zur Kultfigur geworden, hatte sich auch gestern noch nicht beruhigt. „In der Sache bleibt es dabei, das ist der Wahnsinn.“ Der nicht korrigierte Schwalben-Elfmeter hatte 96 den Sieg gekostet, Heldt hat Hannovers gefährliche Verluste zusammengerechnet. „Fünf bis sechs Punkte haben uns die falschen Entscheidungen in dieser Saison gekostet.“ Der Manager kann den Videobeweis zwar leider nicht abschaffen, aber er fordert zumindest, die „Graubereiche“ bei Hand- und Foulspiel auszublenden – also am liebsten nur Abseits-Situationen zu überprüfen. Das hat 96 ja am Ende in Mainz den Punkt gerettet. Etwas diplomatischer sieht Schröder die Video-Sache, er wünscht sich als Lösung, dass künftig nur noch die Entscheidungen gecheckt werden, die „nichts mit Absicht oder Nicht-Absicht“ zu tun haben, also auch vor allem Abseits. „Falsch“ fände der Ex-Kanzler, wie von Experten vorgeschlagen, Ex-Profi an die Kontrollschirme zu setzen. „Soll der Schatzschneider etwa am Samstag über die Bayern urteilen?“ 96-Sturmlegende Schatzschneider hat indes eine klare Video-Meinung: „Tut dem Fußball nicht gut.“

96-Talk am Mittwochabend mit 96-Aufsichtsratschef Gerhard Schröder und Sportdirektor Horst Heldt. Riesenstimmung in der Nordkurve.

Martin Kind war nicht beim „Anstoß“, seine Pläne zur Änderung der 50+1-Regelung waren trotzdem präsent. Auch hier hat Schröder eine staatsmännisch klare Meinung. „Wir können nicht mehr so tun, als würde der Profifußball unter den Bedingungen von 1954 stattfinden.“ Damit liegt der Altkanzler, früher als „Acker“ Stürmer beim TuS Talle, genau auf der Linie des streitbaren Klubchefs. Und verteidigt Kind: „Es geht hier nicht um Machtansprüche von Einzelnen.“ Auch nicht für Kind, glaubt er, aber „als Teamplayer ist er mindestens so schwierig wie ich“. Schröder kann verstehen, dass Investoren nicht wollen, dass Amateure in einem Breitensportverein über das große Geld bestimmen – und unterstützt das Kind-Modell bei 50+1. Die Vereins-Opposition will er trotzdem mitnehmen, dafür möchte Schröder gerne eine Art Agenda 96 ausrufen. „Wir müssen alle zusammen dafür sorgen, dass keine Zwischenräume entstehen.“ Er wünscht sich, dass „sich alle zusammensetzen und rational bleiben.“ Ein bisschen Droh-Horror gab’s aber auch bei der Gerd-Show: „… oder wir gehen den Weg von Eintracht Braunschweig.“

An den Abstieg glauben indes weder Heldt noch Schröder: „Ich habe in Mainz das klare Bewusstsein bei der Mannschaft gesehen, gewinnen zu wollen“, das mache Hoffnung. Für Aktionismus hielte Schröder eine Trainerdiskussion. „Die Vergangenheit hat gezeigt, dass das meistens nichts bringt.“ Andre Breitenreiter sei weiter der Richtige, das findet auch Schatzschneider („zu 100 Prozent“) und natürlich der Manager. Heldt weiß, „der Trainer erreicht die Mannschaft und ist auch der Chef in der Kabine“. Und bald kommt auch Verstärkung: Am Nachmittag hatten Kind, Heldt und Breitenreiter über Wintertransfers gesprochen, Schatzschneider hat dahingehend einen bescheidenen Wunsch: „Zwei Neue, vor allem für hinten.“ Und einen Tipp hatte „Schatz“ auch: „Wir spielen 4:4 gegen die Bayern.“ Da lachte auch Schröder. Sein Bier hat er auch geschafft.

Von Uwe von Holt

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