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Hannover 96 Schmadtke kocht in der Gerüchteküche
Sportbuzzer Hannover 96 Schmadtke kocht in der Gerüchteküche
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22:58 23.04.2012
96-Sportchef Jörg Schmadkte dementiert Wechselgerüchte.
96-Sportchef Jörg Schmadkte dementiert Wechselgerüchte. Quelle: dpa
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Hannover

Auch bei Sportdirektoren entscheidet die Tagesform. Jörg Schmadtke kann je nach Stimmungslage charmant plaudern oder ins Mikrofon knurren, dass der Moderator ängstlich zurückweicht. Dabei gilt aber auch ein Gesetz: Schmadtke wird umso bissiger, je mehr er bestimmten, aus seiner Sicht unsinnigen Erwartungen der Medien gerecht werden soll.

Nach 30 Jahren im Geschäft weiß Schmadtke, wie Fußball geht. Er hat klare Vorstellungen und eine Linie, die er nicht überschreitet, selbst wenn es sinnvoll und richtig wäre.
Ein Beispiel sind die Kölner Gerüchte um Schmadtke als möglichen Manager beim Krisenklub FC. Der 96-Sportchef war auf Spielersuche in Norwegen, als Trainer Mirko Slomka im sonntäglichen TV-Debattierklub bei Sky 90 zu den Gerüchten befragt wurde. Nein, er habe nicht mit dem Kollegen Schmadtke darüber gesprochen, sagte Slomka, aber er mache sich große Sorgen, dass da etwas dran sein könnte.
Wahrscheinlich war es nur eine unbedachte Äußerung, sicher in bester Absicht. Doch wer weiß, wie die Branche funktioniert, wusste – letztlich war damit das Thema befeuert.Schmadtke registriert so etwas genau. Er hätte umgekehrt zu möglichen Slomka-wird-Trainer-in-Gerüchten geantwortet: Da kann und will ich nichts zu sagen. Punkt. So aber brachte es ihn noch mehr in die Position, die er nicht leiden kann: auf Gerüchte reagieren zu müssen.

Das kann man noch unter 96-Folklore abhaken, aber dann gings erst richtig los: Im Wahlkampf um die Kölner Klubspitze machten Kandidaten mit Schmadtke Politik.
„Dennoch muss ich mich permanent dazu äußern“, schimpfte Schmadtke. Diesem Dementi-Reflex verweigert sich der 48-Jährige, obwohl es die einfachste Lösung wäre. „So tickt er halt“, pflegt 96-Chef Martin Kind dann zu sagen.

Und so spielten „Express“ und „Bild“ immer weiter die Kölner Schmadtke-Karte. Er kochte in der Gerüchteküche. Zitat: „Express erfuhr: Kommt der Verwaltungsrat mit seinem designierten Vorstand um Werner Spinner durch, steht der neue Fußball-Chef fest. Es ist – trotz aller Dementis – Schmadtke. Ihn zieht es aus familiären Gründen zurück ins Rheinland.“ Hintergrund sollen sichere Infos aus Vereinskreisen sein.
Schmadtkes Frau und Tochter wohnen in Düsseldorf. Nach dem Freiburg-Spiel wurde es dem 96-Sportchef zu heftig. Es kochte in ihm, beim Sky-Konkurrenten „Liga total“ biss er zurück: „Ich möchte klarstellen: Ich habe keinen Kontakt zum 1. FC Köln. Ich weiß auch nicht, wer da immer mit meiner Person Politik macht. Das ist total unlauter.“

In Schmadtke brodelte es: „Ich bin jetzt seit 30 Jahren im Profi-Fußball zu Hause, aber solch eine Situation habe ich noch nie durchlebt. Das ist eine ganz komische Geschichte.“ Natürlich werde er bei 96 bleiben.
Dass es im Klub aber nicht so läuft, wie er sich das vorstellt, ist eine andere Geschichte. „Slomka und Schmadtke könnten besser zusammenarbeiten“, hatte Martin Kind erklärt. Auch der 96-
Chef muss aufpassen, das Verhältnis so zu moderieren, dass die Machtbalance gewahrt bleibt. Bisher schien gerade die Reibung zwischen den 96-Größen Schmadtke und Slomka ein Erfolgsgeheimnis zu sein. Es besteht aber immer die Gefahr, dass einer entnervt aussteigt. Bei schlechter Tagesform etwa.