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Hannover 96 Neuzugang Oliver Sorg hat das 96-Gefühl
Sportbuzzer Hannover 96 Neuzugang Oliver Sorg hat das 96-Gefühl
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14:09 20.06.2015
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Herr Sorg, an welchem Strand erwischen wir Sie gerade?

(lacht) An gar keinem. Ich ziehe gerade nach Hannover um. Davor galt es den Wechsel abzuwickeln, und direkt nach dem Ende der Saison hatte ich geheiratet. Einen richtigen Urlaub gab es diesmal nicht. Ich habe ein paar Tage bei meiner Familie genossen.

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Dann sind sogar die Flitterwochen ausgefallen?

Wir haben vorgeflittert. Im Winter waren wir auf den Malediven. Da haben wir übrigens Joselu und seine Freundin getroffen. Schade, dass er jetzt nicht mehr da ist. So kenne ich nur Ron-Robert Zieler aus dem aktuellen Kader. Wir haben uns bei der Nationalmannschaft kennengelernt.

Aber Sie brennen dennoch jetzt auf den Trainingsstart bei 96?

Ja, ich bin jemand, der schnell An-schluss findet und Freundschaften schließt. Da mache ich mir keine Sorgen. Und ich hatte es gar nicht für möglich gehalten, dass ich noch alles schaffe, bevor es am Mittwoch bei 96 losgeht. Aber das ist mir wichtig: Wenn die Vorbereitung läuft, möchte ich nach dem Training nur noch nach Hause aufs Sofa ...

Sie sind in der Nähe des Bodensees aufgewachsen und haben lange in Freiburg gespielt – kommen Sie im Norden zurecht?

Ich habe gehört, dass das Wetter deutlich schlechter sein soll als in Freiburg. Dabei war es supersonnig, als ich zum Medizincheck in Hannover war. Aber im Ernst: Ich habe keine Probleme mit Menschen – egal, woher sie kommen. Die Hauptsache ist, dass mich alle dort verstehen. Das ist wegen meines Dialekts manchmal schwierig. Aber ich gebe mir Mühe.

Sie haben eine enge Bindung an Ihre Familie. Für die wird es jetzt schwieriger, Ihre Spiele zu sehen.

Das stimmt, meine Eltern waren bei jedem Heimspiel auf der Tribüne. Es war ja auch praktisch, weil sie in der Nähe gewohnt haben. Jetzt müssen sie eben Wochenendausflüge nach Hannover machen. Dafür haben wir ein Gästezimmer.

Apropos Heimspiel, das erste mit Hannover findet in dem Stadion statt, in dem Sie Ihre bitterste sportliche Erfahrung hatten ...

Bitte nicht weiterreden. Das Schlimmste am letzten Spieltag der vergangenen Saison war, dass ich der Mannschaft nicht mal helfen konnte. Ich saß verletzt auf der Tribüne in Hannover und musste zusehen, wie Freiburg absteigt. Daran will ich so wenig wie möglich denken.

Denken Sie lieber an die Zukunft: Was haben Sie mit 96 vor?

Als ich das Angebot aus Hannover bekam, hatte ich sofort ein gutes Bauchgefühl. Ich habe den Eindruck, dass ich bei 96 gebraucht werde. Ich möchte einfach Fußball spielen. Das ist auch eine Lehre aus einer Zeit in Freiburg, in der es für mich nicht so gut lief. Wenn ich nicht in der Mannschaft bin, habe ich schlechte Laune – und die lasse ich an meiner Frau aus. Damit das nicht passiert, gebe ich alles, um immer zu spielen. Und sonst sehe ich viel Potenzial bei 96. Ich denke, sie standen zu Unrecht unten.

Wenn es richtig gut läuft, wollen Sie auch wieder zur Nationalelf?

Na ja, ich will erst mal ankommen und Fuß fassen. Natürlich würde ich mich über eine Einladung vom Bundestrainer freuen. Aber da es ja dessen Entscheidung ist, möchte ich ihn mit meinen Leistungen dazu zwingen, dass er keine andere Wahl hat.

Welche Rolle hat Manager Dirk Dufner beim Wechsel gespielt?

Wir kennen uns ja aus Freiburg. Er weiß, wie ich ticke, das war wohl schon ein Vorteil für mich. Er wusste, was er kriegt, wenn er mich holt.

Sie haben Ihre Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann bei ihm gemacht ...

Stimmt! In meinen ersten Profijahren wollte ich ein zweites Standbein, falls es mit der Karriere nicht klappt. Also habe ich beim Sport-Club die Ausbildung gemacht. Dirk Dufner hat an Tagen, an denen ich nicht viel zu tun hatte, schon mal gesagt, ich solle Sportdirektor spielen.

Und dann?

Wir haben zusammen schon mal DVDs von möglichen Neuzugängen geschaut. Oder er meinte, ich solle mal interessante Spieler raussuchen. Und er wird es nicht anders sehen: Ich habe ihm ein paar richtig gute Vorschläge auf den Schreibtisch gelegt.

Von Robert Schreier