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Hannover 96 Hannover 96: Das sagt die Polizei zum Achim-Einsatz
Sportbuzzer Hannover 96 Hannover 96: Das sagt die Polizei zum Achim-Einsatz
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20:40 04.02.2013
Von Philipp Schaper

Herr Jördening, Augenzeugen berichten, auf dem Bahnsteig sei es von Fanseite her ruhig gewesen.

Es war in den zwei Stunden bis der Regionalexpress kam, der die Fans zurückbringen sollte, verhältnismäßig ruhig, abgesehen von den bahnbetrieblichen Störungen. Gewalttätige Auseinandersetzungen gab es nicht, die Lage war gemäßigt. Als der Zug nach Hannover im Bahnhof stand, ist es zu Eskalationen gekommen. Ein großer Teil ist freiwillig in den Zug gestiegen. Ungefähr 100 bis 130 Personen, die auch zuerst ausgestiegen sind, haben das verweigert. Daher kam es zu Zwangsanwendungen.

Warum wurde dann überhaupt ein Einreiseverbot für Bremen ausgesprochen?

Es wurde zweimal Pyrotechnik gezündet, einer ist im Gleis gelandet, einer direkt in der Gruppe - was nicht auf besondere Gegenliebe gestoßen ist. Teilweise ist eine größere Anzahl von Leuten auf die Gleise gelaufen. Das hat dazu geführt, dass die Strecke gesperrt wurde. Umstand war auch, dass wir mehr als 400 Menschen auf einem viel zu kleinen Bahnhof hatten. Da hat der Polizeiführer des Landes Bremen gesagt hat, die Sicherheit sei nicht mehr zu gewährleisten.

Einige behaupten, Polizisten hätten erlaubt, auf den Gleisen zu urinieren.

Das höre ich jetzt zum ersten Mal. Ehrlich gesagt kann ein Beamter nicht gestatten, dass über Gleise gelaufen wird. In Bremen hätte alles bereit gestanden, auch Toiletten. Ich frage mich auch, welche Motivation es gab, in Achim auszusteigen. Die Polizei Bremen hat vorab in einem offenen Brief die Regeln für die Anreise festgelegt und einen Shuttle-Service zum Stadion eingerichtet. Die Fans wussten also, dass sie zum Hauptbahnhof sollten. Einige sind offensichtlich bewusst ausgestiegen, um das Angebot zu umgehen und nach Sebaldsbrück zu fahren. Es gibt konkrete Hinweise, dass es sich um eine vorbereitete Aktion handelte.

Es soll aber auch Gerüchte gegeben haben, dass Bremer Randalierer am Hauptbahnhof warteten.

Für das erfahrene Klientel halte ich diese Argumentation für fragwürdig. Es gab keinen Grund, auszusteigen. Aber wir waren auch sehr überrascht, wie viele und welche Personen im Zug nach Hannover saßen. Das ist ein Fingerzeig dafür, dass mehr Fans mit hineingezogen wurden, als die, die es darauf angelegt hatten, nach Sebaldsbrück zu kommen. Ich denke, dass viele von einem Teil der Gruppe, die zuerst ausgestiegen sind, instrumentalisiert wurden. Wir müssen zu Absprachen kommen, damit jeder weiß, dass er eventuell das Stadion nicht erreicht, wenn er sich nicht an die Regeln hält. Das macht es auch einfacher, bei solchen Aktionen nur Personen anzutreffen, die es bewusst darauf angelegt haben.

Eltern beschweren sich, dass Minderjährige erst auf dem Bahnsteig separiert und dann wieder in den Pulk gedrängt wurden.

Das ist mir bisher nicht bekannt. Allerdings wussten wir, dass viele Jugendliche an Bord des Zuges sind. Uns war daran gelegen, sie als erste in die Maßnahme zur Identitätsfeststellung zu bringen. Das Jugendliche sich bei den mitreisenden Beamten melden sollten, wurde im Zug durchgesagt. Es stellte sich heraus, dass es mehr als 70 Jugendliche waren.

Was heißt das für die jungen Leute?

Ich kann den Ermittlungsergebnissen nicht vorgreifen. Wir sitzen mit sehr, sehr vielen Beamte daran, um diejenigen herauszupicken, denen individuell ein Tatvorwurf gemacht werden kann. Es ist wichtig schnell zu wissen, wen es betrifft und wen nicht, damit wir dann mit den Fans in einen Dialog treten können. Das sollte etwa in einer Woche der Fall sein. 

Lesen Sie mehr zu diesem Thema in der Dienstagsausgabe der NP.

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