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Fussball Per Mertesacker begeistert von 96-Leistung
Sportbuzzer Fussball Per Mertesacker begeistert von 96-Leistung
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06:16 08.09.2012
Von Andreas Willeke
HEIMSPIEL: Der Pattenser Per Mertesacker ist froh, mal wieder in der Region zu sein. Quelle: MARKUS GILLIAR
Hannover

Herr Mertesacker, wie haben Sie als Londoner Olympia erlebt?
Die Stimmung war unglaublich. Ich war im Leichtathletik-Stadion und beim Beachvolleyball vor dem Buckingham-Palast, das war sensationell. London hat das super gemacht, und die Briten sind wirklich total verrückt, es war ein großes Wir-Gefühl.

Sie werden doch nicht etwa die Briten angefeuert haben?
Man lässt sich von Stimmungen leiten, aber so weit ist es noch nicht. Ich war ja auch im Deutschen Haus, habe zum Beispiel die Schwimmer der 4x200-Freistil-Staffel kennengelernt. Puh, unglaublich, was die leisten, das könnte ich nicht. Schön, dass der Fokus auch mal auf solche Sportler gerichtet wird.

Hat Ihr Verein Arsenal geholfen, Karten zu bekommen?
Nein, gar nicht. Mo Farah hat allerdings mal bei uns mittrainiert, den hat man gar nicht so richtig wahrgenommen, und dann geht er ab wie Schmidts Katze und gewinnt Gold über 5000 und 10?000 Meter.

Sie sind bei Arsenal nach der für Sie weniger guten EM auch wieder gut reingekommen. Drei Spiele, kein Gegentor. Es passt?
Ich wusste anfangs nicht so recht, woran ich bin. Bis zum Tag vorm ersten Punktspiel war unklar, ob ich spiele. Ich war dann überrascht, dass ich so gut Fuß gefasst habe.

Bei der EM enttäuscht, danach die Unsicherheit bei Arsenal – war das die schwierigste Situation Ihrer Karriere?
Klar war es eine Enttäuschung, nicht bei der EM zu spielen, das hat man auch mitgenommen. Es war eine bittere Erfahrung.

Aber man muss dann nach dem Turnier auch schnell abschalten können. Konnten Sie es?
Ich war froh, als es vorbei war, ganz ehrlich. Aber aus der Zeit ziehe ich viel Motivation. Ich möchte im Verein dabei sein, um auch künftig wieder für die Nationalmannschaft spielen zu können.

Die Zukunft sollte am besten schon am Freitag beginnen?
Das sind Fragen, die mich direkt beschäftigen. Der Bundestrainer hat aber mehrere Optionen. Ich gehe da trotzdem noch entspannt ran. Ich bin nicht so verbissen zu sagen, ich muss jetzt spielen, davon hängt meine Karriere ab. Die Zeit hat mich gelehrt, dass man nicht immer davon ausgehen kann, das alles für einen persönlich super läuft.

Die EM war für Sie schwierig, jetzt haben Sie die geforderte Spielpraxis. Sind Sie denn jetzt nicht einfach dran zu spielen?
Das war vor der EM auch so. Ich war auf der Pressekonferenz vier Tage vor dem ersten Spiel, wurde viel gelobt. Das ist aber kein Indikator. Man muss das alles immer mit Vorsicht genießen. Ihr Anspruch mit 81 Länderspielen und dem Stammplatz bei einem europäischen Topverein kann nicht sein, nur auf der Ersatzbank in der Nationalelf zu sitzen. Klar, aber darum gehts jetzt nicht. Ich spiele bei einem Topverein, fühle mich superwohl. Die Voraussetzungen für mich sind nach dem guten Start mit Arsenal jetzt andere. Ich möchte die so ausbauen, dass man nicht mehr an mir vorbeikommt.

Ihre Konkurrenten sind sehr gelobt worden bei der EM. In den entscheidenden Momenten im Halbfinale haben sie aber gepatzt.
Wir haben gegen Italien als Mannschaft entscheidende Fehler gemacht, die uns den Finaleinzug gekostet haben. Im Turnier ist es immer gefährlich, wenn man zu früh gelobt wird. Wenn zu früh zu viele Leute, die ein, zwei gute Spiele gemacht haben, in den Himmel gelobt werden. Wir sollten künftig aufpassen, Leute nicht zu schnell in Situationen zu bringen, in denen sie für die Presse Giganten darstellen. Wenn man das erste Spiel gewinnt oder als einzelner Spieler eine Topleistung bringt, heißt das gar nichts. Man muss in den K.o.-Spielen in Topform sein. Das haben wir nicht geschafft.

Wie ist es, mal wieder zurück in Ihrer Heimat zu sein?
Ich bin froh, wieder in Hannover zu sein. Ich kann mich mit Leuten unterhalten, die ich länger nicht gesehen habe, das ist für mich ein schönes Erlebnis.

Und wie ist das nun mit Poldi bei Arsenal, sind Sie noch näher zusammengerückt?
Ja, schon. Früher war es auf die Nationalmannschaft beschränkt, jetzt sehen wir uns im täglichen Leben. Bei Poldi möchte ich helfen, Fehler zu verhindern, die man selbst gemacht hat.

Zum Beispiel?
Das geht schon bei der Häusersuche los. Bei mir ist er in guten Händen, was Tipps angeht. Er hat sich in der Mannschaft auch gut zurechtgefunden. Mit seinem Tor am Sonntag hat er jetzt noch bessere Voraussetzungen.

Verfolgen Sie die tolle 96-Entwicklung?
Ich bin total überrascht. Da muss man sich fragen, wo das noch hinführen soll. Ich bin selbst in England auf Kabel?1 im Fernsehen live dabei. Man hat erwartet, dass das zweite Jahr Europa?League mit der Belastung grenzwertig wird. Total krass, wie so eine Mannschaft sich zusammengefunden hat über die vergangenen Jahre. Es kamen Spieler, die Potenzial hatten, aber alles war so unreif. Und wenn man jetzt in den Sturm guckt, ist das Potenzial unglaublich. 96 hat vier, fünf Stürmer, die alle für zehn, 15 Tore allein in der Bundesliga gut sind. Beim 4:0 in Wolfsburg, da waren Züge dabei, die hatte es noch nie gegeben. Man kann nur gratulieren zu Spielern, die irgendwann einmal abgeschrieben waren und jetzt grandiose Leistungen bringen. Man muss aufpassen, um nicht in Superlativen von 96 zu sprechen. Sie wollten ja immer zurückkommen.

Wie lange gilt noch gleich Ihr Vertrag bei Arsenal?
Noch drei Jahre. Ich bin schon auf dem Sprung (lacht).