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Die Recken Keine Zeit zum Nachdenken
Sportbuzzer Die Recken Keine Zeit zum Nachdenken
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07:54 05.10.2017
Bedient: Recken-Trainer Carlos Ortega schaut ratlos drein bei der Pleite bei den Rhein-Neckar Löwen.  Quelle: imago
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Hannover

 Die Recken haben bei der MT Melsungen Wiedergutmachung im Fokus. Und das, obwohl sie noch weit über den Erwartungen stehen. Tabellenführung verloren an die dominante Löwen, aber immer noch auf Platz zwei. Das hätten auch die kühnsten Optimisten vor der Saison nicht erwartet. Der Ortega-Effekt hat’s möglich gemacht. Bissigere, aggressivere Abwehr. Mehr Tempo im Angriff. Doch von den neuen Stärken, die Siege gegen Flensburg und Kiel möglich machten, war am Dienstag bei der Klatsche in Mannheim absolut nichts zu spüren.

Gegen ein Weltklasseteam allerdings, das obendrein einen richtig guten Tag erwischt hatte. „Das war nahe dran am perfekten Spiel“, gestand sogar Löwen-Trainer Nikolaj Jacobsen. Doch der neue Recken-Lenker Ortega ist Perfektionist. Ihm reicht es lange nicht, nur auf die Stärke des Gegners zu verweisen: „Es ist natürlich schwer, hier zu gewinnen. Und natürlich kann man gegen sie das Spiel verlieren. Aber wir haben nicht gekämpft. Das finde ich traurig“, kritisierte Ortega deutlich. „Aber die Löwen wirkten auch unaufhaltsam, wie Maschinen.“

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Seine Recken machten es Mannheim allerdings leicht. Vorne behäbig und in den ersten zwölf Angriffen mit nur einem Torerfolg. Hinten zahnlos gegen bissige Löwen. „Wir waren deutlich schlechter als in den Spielen zuvor“, fand Führungsspieler Fabian Böhm: „Wir haben überhaupt nicht zur normalen Leistung gefunden.“ Der Doppelmeister zeigte dem Überraschungsteam eiskalt die Grenzen auf. Ob’s nach dem Mini-Schock in Mannheim am Donnerstag besser wird gegen das nächste Topteam Melsungen, das sich mit Stars wie den Nationalspielern Finn Lemke und Julius Kühn verstärkt hat? „Wir müssen das halt wegstecken“, sagt Böhm.

Die Englische Woche mit zwei Spielen innerhalb von 50 Stunden könnte dabei zum großen Vorteil werden. Findet zumindest Co-Trainer Iker Romero. „Das Gute ist doch, dass wir sofort alles besser machen können als gegen die Rhein-Neckar Löwen. Wenn du nach so einer Niederlage zehn Tage bis zum nächsten Spiel warten musst, ist das zu viel Zeit. Dann fängst du an, dir den Kopf zu zerbrechen“, sagt der spanische Weltmeister von 2005. Er will der Niederlage ohnehin nicht allzu viel Bedeutung zumessen. „Wir haben da nicht mit gerechnet, aber das kann passieren“, findet Romero: „Diese eine Niederlage führt nicht dazu, dass wir alles ändern müssen. Kopf hoch, weiterkämpfen. Mal hast du Tage, da klappt gar nichts, und an anderen Tagen klappt alles. Gegen Melsungen werden wir alles geben, dass wieder alles klappt.“

Viel Zeit zur Vorbereitung bleibt nicht. Erst in der Nacht zu Mittwoch kamen die Recken mit dem Zug aus Mannheim an. Am Tag dann einmal Videotraining, einmal in der Halle. Die Willensstärke der ersten Spiele ist also mehr denn je gefragt. Zumindest Romero ist absolut zuversichtlich, dass es klappt: „Ich vertraue der Mannschaft zu 120 Prozent!“

Von Jonas Szemkus