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Reisereporter Zauberhafte Kreuzfahrt durch den Orient
Reisereporter Zauberhafte Kreuzfahrt durch den Orient
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00:27 02.03.2013
Von Ronald Meyer-Arlt
Faszinierende Akrobatik vor traumhafter Urlaubskulisse auf dem Kreuzfahrtschiff „Mein Schiff 2“.
Faszinierende Akrobatik vor traumhafter Urlaubskulisse auf dem Kreuzfahrtschiff „Mein Schiff 2“. Quelle: Privat
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Dubai

Paul hat einen Bauch. Einen Bauch, der seinem bunten Kurzarmhemd sichtbar Spannung verleiht und der sich wohl nicht einfach so mit einem Fingerschnips wegzaubern lässt. Paul hat fast eine Glatze. Und einen Bart wie Jürgen von der Lippe. Paul trägt hellbraune Slipper und schwarze Kurzsocken unter der knielangen, senffarbenen Hose. Paul sieht ein bisschen aus wie die Karikatur des deutschen Urlaubers auf einem Kreuzfahrtschiff. Aber das passt schon, schließlich ist er ja auch auf einem Kreuzfahrtschiff unterwegs. Paul ist Künstler. Er ist Komiker und Zauberer und in beiden Disziplinen so gut, dass er auch das ist, was im Grunde jeder Zauberer gern wäre: ein Zuschauerverzauberer.

Paul Nathan aus San Francisco ist einer der neun Varietékünstler, die für eine Woche mit dem Kreuzfahrtschiff „Mein Schiff 2“ im Persischen Golf (mit einem Abstecher in den Golf von Oman) unterwegs sind und den Kreuzfahrern ein ganz besonderes Varietéprogramm präsentieren - die GOP-Show, benannt nach den Varietétheatern in fünf deutschen Städten. Es gibt zwei Abendshows im großen Theatersaal des Schiffes und viele kleine Auftritte am Pool, an einer der Bars oder in einem der Restaurants.

Neben Paul Nathan sind die Sprungseilartistin Adrienn Banhegyi, der Diabolovirtuose Martin Mall, ein Tanzduo, Antipodenkünstler und der Äquilibrist Ernest Palchykov mit von der Partie. Einige der Künstlerinnen scheinen ganz federleicht und extrem biegsam zu sein, einige der Künstler sehen aus, als bestünden sie vorrangig aus Oberarmmuskulatur. Und einer ist besonders witzig: der Moderator Martin Quilitz, der höchst schlagfertig mit dem Publikum spielt. Das normale künstlerische Begleitprogramm solch einer Kreuzfahrt findet während der Reise durch den Golf auch weiterhin statt. Die 16 Sänger, Tänzer und Schauspieler der Unterhaltungscrew sind bei der Reise durch den Golf wie üblich mit ihrem Showprogramm dabei. Es bietet neben vielem anderen aus dem Bereich der maritim angehauchten Unterhaltungskunst auch eine Musicalshow mit dem Titel „Volldampf voraus!“.

Die GOP-Shows sind ein Extra, kosten aber nichts extra. Das Ganze dient der Kundenbinding. Von der Kooperation erhoffen sowohl die Varietémacher des GOP als auch die Kreuzfahrtanbieter zu profitieren. TUI-Cruises spekuliert darauf, neue Kreuzfahrtgäste zu gewinnen, und beim GOP wünscht man sich, dass die Appetitanregung an Bord funktioniert und die Gäste nach der Kreuzfahrt in eines der GOP-Varietétheater kommen. Zurzeit gibt es fünf in Deutschland; und zwar in Hannover, wo das Haus mit der längsten Tradition steht, in Essen, Bad Oeynhausen, Münster und München. Man expandiert weiter, im Herbst dieses Jahres kommt auch ein Theater in Bremen dazu.

Die Reise auf „Mein Schiff 2“ ist nicht die erste Varietétour, die Kooperation gibt es schon seit drei Jahren. Und wahrscheinlich wird das GOP sein Engagement im Kreuzfahrtsektor noch verstärken, denn gerade wird auf einer finnischen Werft der dritte Liner der „Mein Schiff“-Flotte zusammengeschweißt. Dieser wird noch ein bisschen länger sein als seine beiden Vorgänger und deutlich mehr Balkonkabinen haben, aber eines wird genauso sein wie bei den beiden älteren Schwesterschiffen: Im Zentrum des Schiffes, das im Mai 2014 in Dienst gestellt wird, soll wieder ein Theater sein.

Theater sind wichtig für Kreuzfahrtschiffe. Sie helfen dabei, den Tagen auf See Struktur zu geben. Und sie lenken Besucherströme. Wenn es im Theater voll ist, gibt es mehr freie Plätze in den Bars und Restaurants. Insofern profitieren auch diejenigen Gäste vom Theater, denen die Kunst eher schnurz ist. Auf den meisten Kreuzfahrtschiffen gibt es keinen Raum, der größer ist als das Theater. Das muss bespielt werden. Und zwar mit Shows, die viele Leute ziehen.

Die klassischen Tanzshows mit sahnigen Musicalmelodien und reichlich Federfächergefuchtel tun das zwar, die Frage ist nur: Wie lange noch? Sie sind professionell gemacht, doch womöglich ist ihre Zeit bald vorbei. Junge Leute erreicht man mit Federfächern und Formationstanz nicht so recht. Hier liegt eine Chance für das moderne Varieté. Das wirkt nicht angestaubt, erreicht Zuschauer aller Altersklassen und setzt null Vorkenntnisse voraus. Staunen über körperliche Schnelligkeit, Witz und Mut und Anmut kann schließlich jeder.

Und zwar nicht allein im großen Theatersaal. Das Schöne an so einer Varieté-Fahrt ist auch die permanente Anwesenheit der Künstler an Bord. Paul Nathan, der Zauberer mit Bauch und Bart, etwa zaubert auf der großen Bühne mit Seidentüchern und Seilen und einem Wilhelm aus dem Publikum. Wilhelm durchschneidet mit der Schere ein Seil, einmal, zweimal, dreimal, und am Ende ist es selbstverständlich wieder ganz. Wilhelm ist verblüfft, das Publikum auch. Dass dieser Seiltrick mit Schere und Wilhelm nicht gerade zum Innovativsten gehört, was in der Zauberkunst möglich ist, macht nichts. Charme und Witz bei der Präsentation sind wichtiger. Und darin ist Paul Nathan ein Meister.

Und überhaupt kommt sein Meisterstück ja noch. Diesen absolut verblüffenden, noch nie gesehenen Zaubertrick zeigt er jedoch nicht auf der großen Bühne, sondern am kleinen Tisch in einer der vielen Bars auf dem Schiff. Da setzt sich der gefragte Zauberer aus San Francisco mal eben zu irgendwelchen Urlaubern und zaubert. „Hammer, das ist ja Hammer!“ oder „Nein, nein, nein!“, hört man die Bezauberten rufen, wenn sie wieder mal nicht verstanden haben, wie was funktioniert. Und das ist selbst dann der Fall, wenn Paul Nathan zwischendurch mal einen Trick erklärt. In Wirklichkeit erklärt er natürlich gar nichts. Er verwirrt den Zuschauer nur noch mehr.

So kann es passieren, dass der Zauberer einem Zuschauer den Stapel mit Spielkarten reicht, ihn bittet, zehn davon abzuzählen und sich dann auf die abgezählten Karten zu setzen. Der macht das alles sehr gewissenhaft - und am Ende hat der Zauberer den Spielkartenstapel, auf dem der Zuschauer saß, um fünf Karten anwachsen lassen. Einfach so. Ohne die Karten zu berühren. Aber auch, ohne den Gast von seinem Stuhl zu schubsen. Der Zuschauer, der auf dem Kartenstapel saß, redet noch am nächsten Tag davon. Und Paul Nathan freut sich. Einen Einzigen aus der Fassung zu bringen, sei genauso schön wie ein großer Saal voll mit Zuschauern, sagt er.

Die Orientreise auf „Mein Schiff 2“ mit Landgängen in Dubai, Muscat, Abu Dhabi und Bahrain ist ohnehin schon eine zauberhafte Angelegenheit. Aber mit einem Künstler wie Paul Nathan wird sie noch etwas zauberhafter.

Michael Pohl 23.02.2013