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Reisereporter Willkommen bei Tukan und Tapir
Reisereporter Willkommen bei Tukan und Tapir
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00:50 05.03.2011
Quelle: dpa
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Die weite Graspiste im Zentrum des Dorfes Belen ist Weide, Fußballplatz und Landebahn. Kühe und Kinder räumen das Feld. Gekonnt setzt der Pilot die Cessna mit fünf Passagieren zwischen Kuhfladen und Grasbüscheln auf den Boden. Der einstündige Flug von der Großstadt La Ceiba führt über Inseln, begrünte Berge, Lagunen und Urwald bis nach Belen, am Rand der Moskitia-Region in Honduras.

Jeden Tag eine Landung – sie zählt zu den Höhepunkten in Belen, das auf einer Landzunge zwischen Karibiksee und Lagune liegt. „Hier ist sonst nichts los, wir haben nicht mal Polizei oder Überfälle“, sagt Kapitän Lindolfo Guillen und hilft einer Schweizerin beim Tragen ihres Rucksacks. Auf je zwei Dörfer an der Laguna de Ibans kommt ein Auto. Im nahen Palacios und in Brus Laguna gibt es ähnliche Landepisten. Die Region ist ein Schmelztiegel: Viele Indigenas, ein paar Mestizen sowie Garifunas, zu deren Vorfahren entflohene Sklaven ebenso wie Angehörige des karibischen Urvolks gehören, leben hier.

Fünf Stunden benötigt das lange, schlanke Boot auf dem Rio Plátano nach Las Marias. Der Kapitän drosselt den Motor. Die Flusswindung ist sehr flach, die Crew stakt nun. Ein farbenprächtiger Tukan beobachtet das Treiben auf dem Wasser, zwei Schildkröten dösen auf einem toten Baumstamm. Zwei Grüne Aras überfliegen kreischend die Urwaldwipfel.

Weltnaturerbe der Unesco

Die Moskitia-Region ist ein wichtiges Refugium für diese Großpapageien, ebenso für Tapir, Jaguar und Königsgeier. Das Biosphärenreservat Rio Plátano ist Weltnaturerbe der Unesco.

Es ist eine andere Welt hier in den Weiten der Natur von Honduras; eine ohne Auto, Elektrizität, Anmache und Übergriffe, eine, in der viel Platz ist für Vertrauen und Gastfreundschaft. Garten, Wald, Fluss und Bäche sind die Speisekammer. In Las Marias und anderen Siedlungen haben die meisten Grundstücke keine Zäune. Pferde, Ziegen, Schweine und Kühe futtern zwischen schlichten Holzhäuschen mit Naturfaserdach, Palmen, Papayabäumen und Büschen, wo sie mögen.

In Moskitia leben die Miskito, die sowohl ihre eigene Sprache als auch Spanisch beherrschen und die der Region ihren Namen gaben. Auch Moskitos fühlen sich hier wohl. Über den Gästebetten in den Holzhäuschen hängen entsprechenden Netze. Und die Touristen hier sind vorbereitet, haben wirksame Tabletten, Öle oder Cremes im Gepäck. Doch es gibt schlimmere Moskitogegenden auf der Welt.

Die Moskitia-Region gilt als die größte noch zusammenhängende Regenwaldzone in Zentralamerika. Sie reicht im Osten bis nach Nicaragua. Hügelige, dichte Regenwälder grenzen an Kiefern- und Grassavannen. Hier im Schutzreservat Rio Plátano leben auch andere Völker wie Pech sowie Tawakha, die in Krausirpe und Krautara am Patuca-Fluss ihre Heimat haben. Figuren und Gesichter, vor etwa 2000 Jahren in Felsbrocken im Plátano gemeißelt, sind Zeugnis alter Kulturen.

Zurück nach Las Marias: Schweine grunzen, und Hühner gackern zwischen Stelzenhäuschen. Im Küchenhaus kocht Suppe auf dem Steinofen mit Holzfeuer. „Was wollt ihr abends essen?“, fragen Mariano und seine Frau Doña Justa. Er ist seit 25 Jahren im Geschäft und damit ein Tourismuspionier der Region. Die Gäste aus der Schweiz und aus Hessen möchten Pommes aus Brotfrucht, frischen Fisch und Yucca, auch Maniok genannt. Alle gehen nun wandern und „einkaufen“. Unten am Fluss schwimmt ein Einbaum mit einer Großfamilie und ihrer Bananenernte.

Ein paar Yuccas gibt es drei Kilometer weiter von einer Frau geschenkt, die Kakao anbaut und gerade mit ihren Enkeln und Papageien plaudert. Bei deren Nachbarin pflückt der 50-jährige Mariano drei Früchte vom Brotfruchtbaum und zahlt sechs Lempira, etwa 25 Cent. „Wir sind arm, aber niemand hungert“, sagt er. Sieben mittelgroße Fische hat er in einer Stunde aus dem Fluss geangelt.

Die Hausherrin ist zu Recht stolz auf ihre Kochküste und ihren Garten, in dem sich auch Helikonien und Flamboyant-Bäumchen um die Häuschen ranken. Für eine Nacht in ihrem Gästehaus mit drei Mahlzeiten berechnet sie 16 Euro. So sind auch die Preise in der nahen Pension Doña Diana direkt am Fluss. Bei Doña Rutilla kostet das Bett ein wenig mehr, denn Rutilla und Ehemann Eliseo gehören zu den ganz wenigen, die für ein paar Stunden am Tag Strom aus dem Generator erzeugen. Deshalb nächtigen hier auch Pflanzen- und Fledermausforscher aus den USA und Costa Rica.

Wieso funktioniert der sanfte Tourismus in einer abgelegenen Gegend wie dieser so gut? „Miskito und Pech haben pfiffige Menschen und arbeiten gut mit sozial engagierten Partnern zusammen“, sagt Reiseführer Salvador Sanchez. Sonia Baumgartner, Chefin von Mesoamerica Travel in San Pedro Sula, ist Honduranerin und Schweizerin. „Nachhaltiger Tourismus bringt Einheimischen Lohn und Brot“, sagt sie. „Aber er bewahrt auch soziale und kulturelle Strukturen.“

dpa

Anreise
Beim Flug nach San Pedro Sula über die USA oder Madrid sind meist zwei Stopps nötig, nach La Ceiba drei. Von dort fliegen Kleinflugzeuge in die Moskitia-Region. Für Hin- und Rückflug sind mindestens 1000 Euro anzusetzen. Bundesbürger benötigen einen gültigen Reisepass für die Einreise.

Gesundheit
Vor der Abreise sollte man sich über Malaria und andere Tropengefahren informieren.

Währung
Ein Euro entspricht 26,17 Lempira.

Beste Reisezeit
In den Höhenlagen wird es bis zu 20 Grad warm, an der Küste bis zu 35 Grad. Trocken ist es von November bis April. Die Regenzeit dauert von Mai bis Oktober. Von Juni bis September muss mit Hurrikans gerechnet werden.

Weitere Informationen
Arbeitsgemeinschaft Lateinamerika, An der Ruhbank 26, 61138 Niederdorffelden, Tel. (0 61 01) 98 77 12.
www.lateinamerika.org