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Reisereporter Warth-Schröcken ist ein Geheimtipp für Skifahrer
Reisereporter Warth-Schröcken ist ein Geheimtipp für Skifahrer
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00:39 16.03.2013
Von Sven Holle
Nichts für Anfänger: Die Abfahrt im Tiefschnee – Freeride genannt – ist nicht ungefährlich.
Nichts für Anfänger: Die Abfahrt im Tiefschnee – Freeride genannt – ist nicht ungefährlich. Quelle: Warth-Schröcken Tourismus/ Holle/ iStockphoto.com
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Warth-Schröcken

Als durchschnittlicher Alpin-Skiläufer hat man ziemlich sicher schon einmal etwas vom Arlberg gehört. Man kennt Lech, Zürs, Sankt Anton - oder war sogar schon einmal da. In Warth-Schröcken eher noch nicht. Aber von dem sperrigen Namen sollte man sich nicht abschrecken lassen: Denn das kleine Skigebiet (68 Pistenkilometer) zwischen Arlberg, Lechtal und Bregenzer Wald hat so einiges zu bieten.

Stärkstes Argument ist wahrscheinlich der Schnee. Elf Meter davon fallen hier trotz nur einer mittelmäßigen Höhe von 1500 bis 2050 Metern im Durchschnitt pro Saison. Das ist europaweit Spitze. „Nordweststaulage“ nennt Fritz Schlierenzauer diesen geografisch-meteorologischen Glücksfall. Und der Mann muss es wissen: Seit mehr als 30 Jahren stapft er jeden Morgen mit Hund die gut 50 Meter von seinem Berghotel hoch zur Wetterstation Körbersee und meldet „bis spätestens viertel nach sieben“ aus 1675Metern die aktuellen Schneedaten an die Zentrale in Bregenz. Na gut, nicht jeden Morgen: „So alle drei, vier Jahre fällt der Bericht auch mal aus“, sagt Schlierenzauer lachend. Aber dann hatte es in der Nacht davor auch auf keinen Fall geschneit.

Als wir in Warth sind, kann Schlierenzauer am Sonnabendmorgen mal wieder nicht liegen bleiben - feinster Neuschnee macht das Testwochenende zum Free-ride-Vergnügen.

Und in dem kleinen Gebiet unterm 2416 Meter hohen Karhorn tut man so einiges dafür, dass das Fahren abseits der Piste mit größtmöglicher Sicherheit ein Vergnügen wird: Auf einer modernen Übungsanlage kann man täglich den Umgang mit Lawinenverschüttetensuchgeräten (LVS) lernen. In Zusammenarbeit mit dem „Snow Avalanche Awareness Camp“ (SAAC), einem 1998 von einem Bergführer und einem Snowboarder gegründeten Verein, gibt es in Warth-Schröcken außerdem mehrtägige Spezialkurse. Das Camp, eines von 25 in ganz Österreich, hat es sich zur Aufgabe gemacht, Snowboarder und Skifahrer für die (Lawinen-)Gefahren zu sensibilisieren, die ein Freeride jenseits der Pisten in sich birgt. Das Erste, was der Franz von der Skischule Schröcken kontrolliert, als wir in den Tiefschneehang queren, ist dann auch, ob jeder einen funktionierenden Piepser unter seiner Thermojacke trägt - und ob jeder auch weiß, wie man damit umgeht.

Wie man mit den Skiern im Gelände umgeht, weiß der Franz auch: „Nicht zu viel Rücklage! Oberkörper ruhiger! Hopp, hopp!“ Aber die Expertenbegleitung lohnt sich nicht nur, weil sie einen kritisch-konstruktiven Blick auf die Technik der Hinterherfahrer hat - es ist einfach auch sehr angenehm, sich keine Sorgen um die Auswahl der richtigen Hänge zu machen. Man genießt die Abfahrt im Tiefschnee - und kommt am Ende immer wieder in Liftnähe auf die Piste.

So vorbereitet wagen wir uns am nächsten Tag auf die Pfarrer-Müller-Tour: Der Geistliche Johann Müller, nach dem die Strecke benannt ist, war 1894 der erste Skifahrer der Region. Im wieder einmal schneereichen Winter rutschte er mit dortzulande noch unbekannten, merkwürdigen Brettern von Warth nach Lech und zurück. Müller hatte in einer Zeitung von dieser skandinavischen Art der Fortbewegung gelesen, sich dann ein Paar „Schwedische“ bestellt und mit den Brettern erst einmal heimlich im Pfarrhof geübt. Im Hier und Jetzt gibt es ihm zu Ehren seit dieser Saison eine anspruchsvolle, geführte Tagestiefschneerundfahrt.

Unser Skilehrer heißt bei dieser Tour nun Hubert - und mit Nachnamen Strolz. Das macht ihn nicht nur zum Vize der Skischule Warth, sondern ganz nebenbei auch noch zum Olympiasieger in der Kombination und zum Silbermedaillengewinner im Riesenslalom der Winterspiele von Calgary 1988. Vom damaligen Fitnesszustand scheint der 50-Jährige nur wenig eingebüßt zu haben: Ziemlich zügig führt er uns durch die tief verschneite Traverse am Warther Horn. Bei der original Müller-Tour geht es anfangs statt horizontal sogar noch steil bergauf bis zum Sattel auf 2200 Meter. „In einer halben Stunde ist man auch da ganz leicht oben“, sagt der Hubert. Ich schnaufe erst einmal tief durch, mache den Reißverschluss der Jacke ein bisschen weiter auf - und bin ganz froh, dass wir aus Zeitgründen „nur“ den unteren Einstieg gewählt haben.

Aber die schweißtreibende Langlaufarbeit wird bald belohnt: vor uns ein Überfluss an unberührtem Tiefschnee, kein Lift und keine Piste weit und breit, unten im Tal ganz klein liegt Lech. Und als der Ruhepuls langsam wieder zurückkehrt, stört nicht mal mehr mein lautes Atmen diese wunderbare Stille. Jetzt noch ein paar Spuren in den Hang zeichnen, die mit viel gutem Willen denen von Hubert ein bisschen ähneln - viel besser geht es nicht, zumindest für einen durchschnittlichen norddeutschen Skiläufer.

Da stört es kaum, dass im Tal wieder ein bisschen Stapfen angesagt ist, bis die erste Skibushaltestelle von Lech erreicht ist. Schließlich geht es dann in dem Nobel-Skiort noch einmal mit den Bergbahnen aufwärts - um zum Abschluss weitere rund 1000 traumhafte Tiefschnee-Höhenmeter hinab vom Mohnenfluhsattel zurück nach Warth-Schröcken geschenkt zu bekommen.

Ein Freeride-Erlebnis zum Weitererzählen - da stört der sperrige Name Warth-Schröcken eigentlich kaum. Falls doch: Man war ja schließlich auch zwischendurch mal in Lech … Und wem das alles immer noch zu beschwerlich ist, dem wird bald geholfen: Warth-Schröcken und Lech haben zwölf Millionen Euro in eine neue Liftanlage investiert. Ab der kommenden Saison verbindet der „Auenfeldjet“ die beiden Gebiete mit dem ganzen Komfort des modernen Skitourismus. Den alten Pfarrer Müller und seinen Umweg durch den Tiefschnee sollte man dabei aber auf keinen Fall vergessen.

Hin und Weg

Anreise
Mit dem Auto (ohne Vignette) über die A 95 via München. Über Oberau und Linderhof führt der Weg nach Reutte in Tirol – und dann weiter durch das Lechtal nach Warth und Schröcken.

Via Stuttgart führt die Route mit dem Auto entweder über A8 und A7 bis Oy und dann über Oberjoch, Tannheim nach Weißenbach ins Lechtal. Möglich ist aber auch eine Anreise über Memmingen und die A96 bis Lindau, Dornbirn-Nord, dann durch den Achraintunnel und über die Bregenzerwaldstraße nach Schröcken. Mit dem Zug reist man nach Bregenz, Dornbirn oder Reutte. Von dort gibt es Busverbindungen nach Warth-Schröcken.

Unterkunft
Direkt am Lift liegt das Sporthotel Steffisalp: Vier Sterne mit modernen Zimmern, stylischem Spa-Bereich und Kaminbar mit Panoramafenster. Auf der anderen Seite der Straße im Warther Hof ist alles etwas traditioneller, aber auch mit vier Sternen, guter Küche und einem großen Wohlfühl-Wellnessbereich.

Im Tiefschnee
Hike-&-Ride-Kurse: Angebote für das Freeriden mit Skischul-Profis, Sicherheits- und Tiefschneetechniktraining inklusive vier Übernachtungen und Drei-Tage-Skipass sind ab 428 Euro pro Person erhältlich. Pfarrer-Müller-Tour: Das Tagespaket inklusive zwei spektakulären Freeride-Abfahrten mit erfahrenen Bergführern (vier bis maximal acht Teilnehmer) gibt es für 79 Euro pro Person.

Weitere Informationen
www.warth-schroecken.com
www.skischule-warth.com
www.skischule-schroecken.com
www.steffisalp.at
www.wartherhof.com

Ronald Meyer-Arlt 02.03.2013
Michael Pohl 23.02.2013