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Reisereporter Wanderung mit Badehose
Reisereporter Wanderung mit Badehose
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12:58 24.10.2011
Die Dominikanische Republik ist ein grünes Paradies. Quelle: Dominikanisches Fremdenverkehrsamt
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Irgendwann kommen sie alle wieder nach Hause. Auch Tino Peralta ist wieder hier. „Ein Mann muss dorthin zurückgehen, wo er herkommt“, sagt er mit hartem Lachen, und zeigt auf die Landschaft, die vor ihm liegt. Dieses fruchtbare Land, diese Obstbäume, diese Erde – all dies habe er von der Familie geerbt. Und deshalb sei er zurückgekehrt nach Salcero im Nordosten der Dominikanischen Republik.

Tino war einmal so etwas wie ein Star, er war Bodybuilder und hat es damit in den USA zu manchem Erfolg gebracht. 1985 war er sogar „Mr. New York“. Gut vier Jahrzehnte lebte Tino am Hudson River – wie so viele seiner Landsleute. Rudencio Ferdinand vom Ministerium für Tourismus der Karibikinsel kommentiert das auf seine Weise: New York sei nach Santo Domingo und Santiago de los Cabelleros die drittgrößte Stadt der Dominikanischen Republik, sagt der 43-Jährige. Gut eine Million Dominikaner lebten und arbeiteten dort, um sich und ihre Familien durchzubringen. Zum Teil illegal. Doch sie verdienten dort viel Geld – viel mehr, als sie zu Hause bekämen.

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Dabei ist die Dominikanische Republik gemessen an ihrem Nachbarn Haiti ein reiches Land. Landwirtschaft, ein bisschen Industrie und vor allem der Tourismus – das sind die Standbeine, die den Ostteil der Insel Hispaniola tragen.

Doch die „DomRep“ leidet unter dem Ruf, ein „Karibikstaat für den kleinen Geldbeutel“ zu sein. Der Makel vom touristischen Ramschladen, vom Sonderangebot der Strandurlaube, lässt sich nicht so leicht ablegen. Gerade im Norden der Insel wurden riesige Hotelanlagen mit 500 und mehr Betten an die Strände gesetzt – vor allem für Urlauber aus den USA, Kanada, Westeuropa – oder neuerdings auch aus Russland.

Das kann nicht jeder nachvollziehen. „Wir haben hier alles, was man sich wünschen kann“, schwärmt etwa Jan Becker, der als Tauchlehrer in Cabarete arbeitet, einem Örtchen, das so schön ist, dass man es erfinden müsste, wenn es nicht schon existieren würde. „Es gibt Traumstrände, ein Meer mit allen tropischen Fischen, es gibt die Berge, und es gibt die Wildnis.“ Und trotzdem, so schimpft der junge Mann, der seinerzeit aus Frankfurt am Main hierher kam, würden die Urlauber immer noch in den umzäunten All-inclusive-Bettenburgen herumhängen und Land und Leute links liegen lassen.

„El Choco“, die Schokolade

„Vielleicht, weil sie es nicht besser wissen“, sagt Carlos, der Touristen zu Fuß oder auf dem Pferderücken durch eine Landschaft führt, die er ein wenig euphorisch Nationalpark nennt. „El Choco“, die Schokolade, heißt das Gelände in der Nähe von Cabarete, weil der Boden hier überall jene rotbraune Farbe trägt, die man sich auch gut im Süßigkeitenregal vorstellen kann.

Nach westlichem Standart ist „El Choco“ weit davon entfernt, ein Nationalpark zu sein; überall leben hier noch Menschen in armseligen Behausungen, überall findet man Abfall, und überall sieht man noch die Spuren der Vergangenheit, als jeder so viel Holz schlug, wie er gerade benötigte. Aber „El Choco“ sei ein Anfang, sagt Carlos, der auf seinen Touren auch fremden Müll einsammelt, als ob er das Problem damit lösen könnte.

Wilde Kräuter, dichtes Gestrüpp, tiefe Höhlen mit Stalaktiten, immer wieder Mahagonibäume – ein Gang durch „El Choco“ ist wie eine Wanderung durch vergangene Zeiten. Im kalten Wasser der Höhlen könne man sogar baden, erklärt Carlos.

Manchmal glaubt man, die Dominicanos tanzten sich durchs Leben. Merengue und Salsa halten den Puls in Wallung, es wird viel gesungen und gelacht, es ist selten, dass man nicht in ein freundliches Gesicht blickt. Und: Die Dominikanische Republik ist ein grünes Paradies mit zahlreichen Naturspektakeln. Da sind zum Beispiel die „27 Charcos de la Damajagua“, 27 Wasserfälle im Norden der Insel. Wer sich auf diese Wanderung begibt, zieht am besten gleich Badesachen an, zusätzlich wird man mit Gummischuhen, Schwimmweste und Schutzhelm ausgestattet – denn es geht durch eine Wasserlandschaft.

Manchmal reicht das Wasser nur bis zum Knöchel, dann wieder muss man durch das kühle, klare Gebirgswasser schwimmen. Und wer wieder ins Basiscamp will, der muss nicht nur schwimmen, sondern auch springen – von bis zu acht Meter hohen Felsen in den Wasserlauf hinein, dann die kleinen Wasserfälle auf dem Hosenboden hinunter. Ein feuchtfröhliches Abenteuer, das man verpasst, wenn man den ganzen Tag lang nur am Stand liegt.

Uwe Nesemann

Weitere Informationen
www.godominicanrepublic.
com

08.10.2011
Nicola Zellmer 04.10.2011