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Reisereporter Und machmal winkt der König
Reisereporter Und machmal winkt der König
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00:49 12.09.2009
Alles ist möglich: Im Vorbeigehen eine gebrauchte Millionen-Jacht kaufen oder einfach nur das Menü an Bord servieren lassen.
Alles ist möglich: Im Vorbeigehen eine gebrauchte Millionen-Jacht kaufen oder einfach nur das Menü an Bord servieren lassen. Quelle: Sobik
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Manchmal müssen Gerhard Schwaigers Kellner ein paar Schritte mehr machen, Tische außerhalb des Restaurants eindecken und auf ihren Tabletts Seewolf in Salzkruste mit Blattspinat und Ravioli mit Sóller-Gamba über die Promenade balancieren: weil wieder jemand mit seiner 30-Meter-Jacht am Liegeplatz direkt vorm „Tristan“ im Luxushafen Puerto Portals festgemacht hat, der direkt an Bord auftragen lässt.

Für Schwaiger, mit zwei Michelin-Sternen der höchst dekorierte Koch der Insel, und sein Team ist das normal – für alle anderen auch. Sie kennen das schon – und manche ringen um den Liegeplatz direkt vor der Edel-Gaststätte mit dem hohen Promi-Faktor und dem besonderen Außer-Haus-Service für Jachteigner aus der ersten Reihe. Wegen des Seewolfs, der Gamba-Ravioli, wegen Rebhuhn im Kartoffelmantel und Felsenrotbarbe mit Champagner-Fenchel. Und natürlich, weil alle schauen – sogar die im eigentlichen Restaurant.

Erste Wahl für Schaulustige

Macht nichts, dass das achtgängige Gourmet-Tapa-Menü 129 Euro kostet, die mit Svarowski-Kristallen besetzte Dreiviertelliter-Flasche Mineralwasser mit 82 Euro zu Buche schlägt. Und dass Hafenkapitän José Eraso in der Saison rund 350 Euro pro Nacht für den Liegeplatz eines Dreißig-Meter-Bootes berechnet – plus Mehrwertsteuer. All das ist egal, Peanuts sozusagen, wenn das Schiff zehn Millionen gekostet hat – und wenn man es endlich geschafft hat, einen der 670 begehrten Liegeplätze in Puerto Portals zu ergattern. Der edelste von Mallorcas 41 Jachthäfen, ungefähr auf halbem Weg zwischen Palma und Andratx an der Südküste gelegen, rangiert auf einer Ebene mit Marbella und Monte Carlo, mit St.Tropez und Puerto Cervo.

Dass einer gezielt nach dem Liegeplatz vorm „Tristan“ fragt, kommt immer wieder vor. Hafenkapitän José Eraso zuckt in solchen Momenten mit den Schultern, als wollte er sagen: „Lasst sie doch alle machen.“ Er schaut dann, was er tun kann. Selber fährt er nie mit dem Boot zum Abendessen, will lieber nicht von Passanten bestaunt werden. Sein eigenes liegt weit abseits. Zehnmal hat er den Atlantik überquert, einmal die Welt auf einem Segelboot umrundet. Den Mann kann so leicht nichts aus der Bahn werfen.

Dabei ist Puerto Portals längst auch erste Wahl für Schaulustige, für Flaneure, sogar für Leute, die Steuerbord und Backbord nicht unterscheiden können, aber einen halben Urlaubstag lang maritime Atmosphäre aufsaugen und ein paar tolle Boote fotografieren möchten. Sie hoffen darauf, wenigstens ganz kurz auf irgendeinem Deck Antonio Banderas und Melanie Griffith zu entdecken, Michael Douglas und Catherine Zeta-Jones zu erspähen, Boris Becker oder Claudia Schiffer beim Small Talk zu bestaunen oder auf der Landseite ein paar Fernsehansagerinnen und Musiksternchen auf dem Laufsteg der Eitelkeiten zu entdecken.

Einen übersehen die Paparazzi häufig: den älteren Herren mit Polohemd und Schirmmütze, der im „Flanigan“ gleich gegenüber vom „Tristan“ im Freien frühstückt, ehe er segeln geht. Erst beim genaueren Hinschauen fällt er auf.

Attila Dénes grüßt ihn jeden Morgen – und der ältere Herr grüßt zurück. Mal winkt er fröhlich, mal nickt er bloß mit dem Kopf. König Juan Carlos ist Stammgast in Puerto Portals und stets umgeben von Bodyguards. Er gibt sich ganz ungezwungen – und zählt zu den Frühaufstehern. Wenn die meisten Flaneure kommen, wenn die übernächtigten Paparazzi endlich aus dem Bett steigen, ist er längst wieder auf dem Wasser unterwegs.

Dénes unterdessen macht dann seine Geschäfte. Neulich erst hat er eine maßgefertigte 27-Meter-Jacht mit edelstem Fendi-Interieur verkauft – Übergabe an den deutschen Eigner im Januar 2008. Im Sommer saß der Mann bereits wieder im Büro von Dénes in Puerto Portals – und hat vor lauter Begeisterung das nächste Schiff bestellt. Wieder alles maßgefertigt, mit edelstem Interieur, ergänzt um eigene Designideen – nur zehn Meter länger als der Vorgänger. Weil irgendwie Platz fehlte. Das gerade mal ein Jahr alte 27-Meter-Prachtstück nimmt Dénes in Zahlung und verkauft es gebraucht – Kostenpunkt irgendetwas zwischen sechs und sieben Millionen Euro. Solche Geschäfte sind normal in Puerto Portals.

Anzahlung mit zehn Cent

Neulich saß ein Ire bei ihm im Büro, der sich in eine gebrauchte Jacht unten am Kai verliebt hatte, die zum Verkauf stand, und der nun gleich Nägeln mit Köpfen machen wollte. Die beiden besiegelten die Option per Handschlag. Der Ire wollte ganz sicher gehen und unbedingt eine Anzahlung leisten: alles Bargeld, das er bei sich hatte. Er fand ein Zehn-Cent-Stück in der Hosentasche. Das genügte. Den Rest hat er am folgenden Tag überwiesen. Demnächst werden die beiden Männer mal essen gehen – wenn gerade nicht ganz so viele Schaulustige da sind. Es soll Seeteufel in Salzkruste geben.

Von Helge Sobik

Anreise
Flug zum Beispiel mit Air Berlin von zahlreichen deutschen Flughäfen ab rund 100 Euro pro Strecke.

Weitere Informationen
Spanisches Fremdenverkehrsamt,
Myliusstr.14 in 60323 Frankfurt/M., Tel. (0 69) 72 50 33.
www.spain.info
www.puertoportals.com