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Reisereporter Ein Zoo ohne Zäune
Reisereporter Ein Zoo ohne Zäune
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00:18 01.03.2014
Von Sonja Fröhlich
Der Name ist Programm: Auf Kangaroo Island leben mehr als 50 Arten von Kängurus und ihrer kleineren Verwandten, der Wallabys.
Der Name ist Programm: Auf Kangaroo Island leben mehr als 50 Arten von Kängurus und ihrer kleineren Verwandten, der Wallabys. Quelle: iStockphoto.com
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Adelaide

In der griechischen Mythologie steht ihr Name für ein grausiges Scheusal, noch schlimmer: für die Mutter aller Ungeheuer. Doch die Echidna (ausgesprochen: Ekidna), die uns hier in der australischen Wildnis scheinbar unerschrocken vor die Füße tapst, sieht mit ihrer langen schmalen Nase, den gelben Stacheln und ihren schleppenden Schrittchen eher anrührend drollig aus.

Unsere Objektive folgen dem kleinen Nasenigel, während wir auf der Stelle treten - tun wir das nicht, sind wir aggressiven Fleischameisen ausgeliefert. Und doch verharren wir, als in der Ferne unvermittelt ein Känguru von rechts nach links durchs Bild hüpft, gefolgt von seiner ebenso hüpfenden Miniatur. Es ist ein fast ergreifender Moment. Es sind die ersten Kängurus, die wir in freier Wildbahn sehen. Aber längst nicht alle auf dieser Reise. Schon bald werden wir sie in unseren vom Jetlag geplagten Nächten wie Schafe vor unserem geistigen Auge zählen.

Der Name unseres ersten Ziels in Südaustralien ist Programm: Wir sind auf Kangaroo Island, 16 Kilometer von der Küste entfernt. Auf der drittgrößten Insel des Kontinents lassen sich all die hüpfenden und - tatsächlich! - boxenden Tiere und ihre kleineren Verwandten, die Wallabys, kaum zählen. Auf dem kleinen Eiland gibt es mehr als 50 Arten. In dem Naturschutzpark und an seinen Küsten leben zudem Koalas und Emus, Robben und Seelöwen - nicht umsonst wird Kangaroo Island als „Zoo ohne Zäune“ beworben. Vor allem die Kängurus haben es uns angetan, auch deshalb, weil ihre Geschichten von einer phänomenalen Überlebensstrategie erzählen: Känguru-Weibchen können etwa den Geburtstermin ihrer Jungen - „Joeys“ genannt - so lange herauszögern, bis das alte Jungtier den Beutel verlassen hat. Leider gibt es so auch eine regelrechte Känguruplage, berichtet Reiseleiterin Marina Curth. Die Wildhüter kämen kaum nach, den Bestand auf ein für die Natur erträgliches Maß zu reduzieren. „Wenn ihr Fleisch esst, dann esst Kängurus“, lautet so auch der Appell der Reiseleiterin, die sich die Insel mit Millionen von Wildtieren, aber nur 4.500 Einwohnern teilt.

Zurück in Adelaide, der Hauptstadt des Bundesstaats South Australia, hat uns das städtische Leben wieder - allerdings befindet sich die 1,4-Millionen-Einwohner-Stadt im ständigen Kampf gegen ihre Bedeutungslosigkeit. Denn wer an Australien denkt, hat zunächst Sydney oder Melbourne, den Ayers Rock oder das Great Barrier Reef im Sinn. Südaustralien gilt dagegen als Geheimtipp. Hier kann man kilometerlange Strände für sich allein haben, das Outback erforschen, das gleich hinter Port Augusta beginnt, oder auf Weinreise gehen.

Nach einem gut eineinhalbstündigen Flug gleicht die Ankunft in Melbourne der Landung auf einem anderen Planeten. Melbourne ist bunt, quirlig, mondän, eine Stadt mit hippen Restaurants und Klubs, angesagten Modelabels, einer lebendigen Kunst- und Musikszene, Sport am Stadtstrand - und 1.700 Zuzüglern in der Woche. Mehr als 167.000 deutsche Besucher zieht es laut Tourismuszentrale im Bundesstaat Victoria jährlich in die Metropole am Meer.

Aufgetankt mit urbanen Eindrücken geht es mit dem Bus auf die Great Southern Touring Route, die man ohne Stopps in elf Stunden fahren könnte - aber einiges verpassen würde. Etwa den Goldort Ballarat, der, nachdem 1851 erste Nuggets gefunden worden waren, als reichste Stadt der Welt berühmt wurde. Heute erinnern prachtvolle viktorianische Gebäude an das Leben in Saus und Braus. Oder die zweistündige Wanderung durch den Naturschutzpark Grampians, die uns nicht nur sportliche Herausforderungen, sondern spektakuläre Aussichten beschert. Die werden entlang der Great Ocean Road noch getoppt, allerdings trifft man an den Aussichtspunkten viele andere Schaulustige, die die von Wind und Wellen geformten Felsformation bewundern. Am Strand von Bells Beach, an dem sich jährlich zu Ostern die besten Surfer der Welt treffen, ist dagegen wenig los. Keine Welle! Und überhaupt war der durch den Kinoklassiker „Gefährliche Brandung“ mit Patrick Swayze und Keanu Reeves berühmt gewordene Strand nie wirklich Drehort, wie uns Craig Baird, Kurator des Surfmuseums im Ort Torquay, später erklärt. „Gedreht wurde in Kalifornien - von hier kamen nur die Neoprenanzüge.“

Ein Abstecher in den Küstenort Apollo Bay belohnt schließlich mit einem weiteren tierischen Höhepunkt. Auf den Eukalyptusbäumen rund um das örtliche Umwelt- und Forschungszentrum wimmelt es nur so von Koalas. Kaum einer rührt sich - Koalas schlafen 20 Stunden am Tag. Die restlichen vier verbringen sie damit, die besten Triebe von den Bäumen zu fressen, erklären uns die Zoologen Shayne Neal und Lizzie Corke. Einige Nachbarfarmen haben deshalb die Stämme mit Metall verkleidet - damit die kleinen Bären nicht hochkommen. Die Wissenschaftler erforschen den vom Aussterben bedrohten „tiger quoll“ - auf Deutsch Fleckschwanzbeutelmarder -, von dem es in ganz Australien und Tasmanien nur noch 1.500 geben soll. Die Zoologen ziehen Koalakinder auf, deren Eltern von Autos oder Hunden getötet wurden. Und sie beherbergen auf ihrer Great Ocean Eco Lodge eine kleine Anzahl Urlauber.

Naturschutzarbeit gehört zum Programm: Am Abend dürfen wir die Kurzkopfgleitbeutler, eine nur in Ozeanien lebende Tierart, mit Honig füttern. Am Morgen zählen wir auf Bäumen schlafende Koalas. Dafür müssen wir, ungeachtet der vielen heimischen Schlangen, durchs dichte Gestrüpp. Am Ende zählen wir 25 auf 1.000 Metern Baumbestand - eine Dunkelziffer ist garantiert.

Wo hier kein Wald ist, ist Wiese - und wo Wiese ist, hüpfen wieder einmal Kängurus um uns herum. Wir können ihre Boxkämpfe sogar vom Speisesaal der Lodge aus beobachten - und sind dabei doch froh, keines auf dem Teller zu haben.

Australien

Klima

■ Südaustralien gilt als gemäßigte Klimazone. Eine Reise empfiehlt sich in unserem Winter, dann ist es dort angenehm warm bis heiß. In unserem Sommer können die Temperaturen bis 10 Grad sinken.

Anreise

■ Singapore Airlines fliegt täglich ab Frankfurt und München nach Singapur. Für einen Stopover-Aufenthalt bietet die Fluggesellschaft ein Übernachtungspaket ab 13 Euro pro Person im DZ an. Von Singapur aus fliegt Singapore Airlines täglich mehrmals nach Adelaide und Melbourne. Ein Kombi-Flug retour kostet ab 1.197 Euro.

Infos unter www.singaporeair.de

Reisebeispiel

Meiers Weltreisen bietet eine 13-tägige Busrundreise „Tierische Erlebnisse in New South Wales und Victoria“ für 7.503 Euro pro Person an.
■ Die sechstägige Selbstfahrerreise von Melbourne bis Adelaide inklusive eines Ausflugs nach Kangaroo Island, Kurztrips zur Great Ocean Eco Lodge und Stopover-Programm in Singapur oder Melbourne ist ab 2.531 Euro buchbar.

Weitere Informationen

www.visitmelbourne.com/de

■ http://de.southaustralia.com

■ www.singaporeair.de

■ www.meiers-weltreisen.de

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