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00:14 01.08.2009
Brüssel: Der Flohmarkt im Marollenviertel blickt auf eine lange Tradition zurück – es gibt ihn dort seit 1873.
Brüssel: Der Flohmarkt im Marollenviertel blickt auf eine lange Tradition zurück – es gibt ihn dort seit 1873. Quelle: OPT
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Links hinten im Wohnzimmer von Vanessa Damm ist Paris, in der Küche findet man sich in Barcelona wieder, und im Bad gleich rechts spürt man den Charme des alten Budapests. Die 38-jährige Grafikerin hat eine Leidenschaft: Flohmärkte. Daher verbindet die Lüneburgerin Städtereisen stets mit einem frühmorgendlichen Bummel über die Märkte – und wurde so nach und nach zu einer Expertin für feinen Trödel.

Schatzsuche in Paris

Ihr Lieblingsflohmarkt ist der Marché aux puces de Clignancourt in Paris. Von dort hat sie nicht nur das schlichte Sideboard, sondern auch das elegante Vorlegebesteck und die rustikalen Weingläser. „Wenn ich in Paris bin, plane ich extra viel Zeit für meine Schatzsuche ein“, erzählt Vanessa Damm. Und das nicht nur, weil der Markt in Clignancourt zu den größten Europas zählt, sondern auch, weil sie noch einen Abstecher zu Les Puces de la Porte de Montreuil machen kann. Dort stehen die Händler nur sonnabends und sonntags und bieten vor allem Gebrauchsartikel günstig an.

Feilschen in Rom

Die bunte Glaslampe, die im Kinderbad hängt, hat sie in Rom erstanden. Der Mercato delle Pulci zieht sich von der Porta Portese bis zum Viale Trastevere. Die Händler kommen aus ganz Italien und bieten von Antiquitäten bis zu Markenimitaten die ganze Palette. Fast dreißig Prozent weniger bezahlte sie dort, erzählt sie. „Ich feilsche leidenschaftlich gern.“

Die Wohnzimmerleuchte stammt aus Perugia. Dort findet an jedem vierten Sonntag im Monat auf dem Platz vor dem Hotel Buffani ein Flohmarkt statt – hinterher lockt ein Bummel durch die engen Gassen der Altstadt.

Den Markt in Arezzo hat Vanessa noch auf ihrer Wunschliste stehen: Unter den mittelalterlichen Kolonnaden der toskanischen Stadt soll es günstig feines Tafelgeschirr und Gemälde geben.

Hörnchen in Madrid

Vergangenen Herbst war erst einmal der Campo de Santa Clara in Lissabon dran. Ein Wochenende Sonne tanken und am Sonnabend im Altstadtviertel Alfama auf der Feira da Ladra – dem Markt der Diebin – spazieren. Seinen Namen bekam er, weil dort einst Diebesgut verhökert wurde. Heute sollte man, wie übrigens auf allen Flohmärkten, eher aufpassen, dass man selbst nicht bestohlen wird.

In Madrid ist Vanessa tatsächlich schon einmal der Geldbeutel abhandengekommen. Seitdem geht sie nur noch mit gut gesichertem Bargeld auf Streifzug. Allerdings nicht ohne Frühstück.

In der spanischen Hauptstadt etwa beginnt sie den Tag an der Plaza Mayor mit einem Kaffee und einem Hörnchen, bevor sie sich ins Getümmel des Rastro, des größten Flohmarktes Spaniens, stürzt.

Glück in Brüssel

Während des Sommers reist Vanessa Damm nicht ganz so weit. Im Juli vor zwei Jahren hatte sie besonders viel Glück – sie ergatterte ein bemaltes Harmonium auf dem Flohmarkt Place du Jeu de Balle im Brüsseler Marollenviertel. Jeden Vormittag legen die Händler dort zwischen den Patrizier- und Jugendstilhäusern ihre Waren aus, „und mittags gibt’s belgische Pommes und ein Bier“.

Originelles in Amsterdam

Auch originelle Klamotten ersteht Vanessa gern, das aber am liebsten auf einem der größten Flohmärkte Amsterdams: Auf dem Waterlooplein findet sich wirklich alles. Er begann als jüdischer Markt im 18. Jahrhundert. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wandelte er sich mehr und mehr zum Flohmarkt.

Kleidung in London

Die besten Klamotten aber finden sich in London, weiß die Sammlerin. Natürlich auf dem Portobello Road Market in Notting Hill, dort tummeln sich sonnabends und sonntags unzählige Menschen und durchwühlen die Kleiderberge nach den besten Stücken. Besonders beliebt ist Originalbekleidung aus vergangenen Jahrzehnten. Auch jede Menge Antiquitäten findet man hier.

Skurriles in Wien

Ein weiteres Paradies für Trödelfans ist der Flohmarkt neben dem Wiener Naschmarkt, an dem Sonnabend für Sonnabend die sogenannten Fetzentandler Bücher, Porzellan und Möbel verkaufen und Ramsch und Müll verticken. Das Gelände ist vor allem Anziehungspunkt für Liebhaber alter und skurriler Dinge – herrlich umgeben von prachtvollen Jugendstilbauten.

Von dort kommt übrigens der prächtige Kristalllüster, der bei Vanessa Damm in der Gästetoilette hängt.

Alt und neu in Budapest

Und das breite Steinwaschbecken im Bad? „Das stand mir vor drei Jahren auf dem Budapester Ecseri-Flohmarkt im Weg“, sagt Vanessa und lacht. Kein Wunder: Der Markt ist so groß wie zwei Fußballfelder. Wer etwas zu verkaufen hat, reiht sich dicht gedrängt mit der Konkurrenz in die schmalen Gassen aus Tapeziertischen und Ständen. Es gibt außerdem viele professionelle Händler, die täglich Altes und Neues, Schmuck, Militaria und Möbel verkaufen.

Schräges in Berlin

Und in Deutschland? „Sonntags geht’s hin und wieder nach Bremen auf die Bürgerweide“, sagt Vanessa. „Hier diesen Kerzenständer und den Füllfederhalter habe ich von dort. Am liebsten gehe ich hin, wenn es regnet – dann ist nicht so viel los, und der Verkauf findet im überdachten Hansa Carée statt.“

Sehenswert sei auch der Flohmarkt in Hannover. Er prägt das Stadtbild – so wie die drei Nanas, die sonnabends mitten im Getummel stehen. Besonders im Sommer lässt es sich hier entlang dem Leineufer gut auf Schnäppchenjagd gehen.

Landschaftlich findet Vanessa Damme den Dresdener Flohmarkt an der Albertbrücke am schönsten: Der bietet – wenn man denn noch einen Blick dafür findet – eine herrlichen Aussicht auf die Schiffe, die auf der Elbe vorüberziehen.

Und ein absolutes Muss ist natürlich der Kiez-Flohmarkt auf dem Arkonaplatz in Berlin. „Ich pflege zwar keinen Ossi-Kult“, so Vanessa, „aber da findet man viele Sachen aus der DDR-Zeit, die sind einfach witzig oder schräg.“

Von Monika Reisner