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17:40 25.06.2009
Nach dem Unterricht können die Sprachschüler die Dubliner Innenstadt erkunden.
Nach dem Unterricht können die Sprachschüler die Dubliner Innenstadt erkunden. Quelle: Dublin Image Library
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Fahad hat einen Riesenfehler begangen. Eigentlich will der 21-jährige Kuwaiter bei Geraldine „Gery“ Doyle nach wiederholtem Zuspätkommen gut Wetter machen und bezeichnet die 61-Jährige lobend als „typical British teacher“. Da hat er aber nicht mit dem (nord-)irischen Stolz gerechnet. Was dann letztlich alle in der Klasse zum Lachen bringt – und auch die gebürtige Belfasterin Geraldine beweist typisch englischen, sorry: irischen, Humor. So sind sie eben, die kleinen, feinen Fallen, die sich auftun, wenn man in Irland Englisch lernen will.

In Dublin gibt es mehr als 25 Sprachschulen, manche nennen sich auch nur so. Nicht aber das Language Centre of Ireland, kurz LCI. Es wird zu Recht als eine der besten Sprachschulen der Stadt bezeichnet, was auch die immer wiederkehrende internationale, teils gut betuchte Schülerschaft beweist.

Die Sprachschüler haben unterschiedliche Gründe zu kommen. Da sind die jungen Studierenden aus Südkorea, Kuwait, der Schweiz oder Russland, die für ein paar Monate oder sogar ein Jahr ihre Sprachkenntnisse schleifen wollen. Italienerinnen wie die Mittdreißigerin Antoinella, die ihrer Liebe von Florenz nach Dublin gefolgt ist und sich im LCI das sprachliche Rüstzeug erarbeitet. Oder arbeitslose Frauen wie Imma (42) und Gisela (18) aus der Nähe Barcelonas, denen der spanische Staat einen einmonatigen Sprachaufenthalt spendiert, um sie für den Arbeitsmarkt zu qualifizieren.

Wenn diese Schüler sich unterhalten, haben sie nur eine gemeinsame Sprache: Englisch. Da sind kulturelle oder religiöse Unterschiede höchstens ein Gewinn, fürs Fremdeln gibt es keinen Platz und keinen Grund. „Eine internationale Sprachschule zu besuchen ist die beste Möglichkeit, Vorurteile und Intoleranz abzubauen“, meint Lehrer Andrew Kenny.

So offen zeigt sich auch Kennys Dublin. Erfrischend normal ist es hier in der irischen Hauptstadt, die vielen Sprachschüler bringen eine Internationalität hinein, neben schönen georgianischen Gebäuden wurde in der Boomzeit viel Neues erschaffen wie die gläsernen Büromeilen entlang dem östlichen Liffey. Überall liegt Musik in der Luft, meist typische irische Songs, gespielt von Fiedel, Bochrán und Flöte, die per Verstärker in die Fußgängerzonen getragen werden. Oder die aus den zahlreichen Pubs in Temple Bar, dem Kneipenviertel am Liffey, schallen.

Dass Dubliner und ihre Besucher recht feierfreudig sind, liegt sicher auch am Altersdurchschnitt. Die Stadt ist sehr jung, die irische Bevölkerung ist die jüngste Europas (40 Prozent sind unter 25 Jahre) – wohl einer der Gründe, warum Irland für junge Sprachreisende aus aller Welt so attraktiv ist.

Am Essen wird es wohl eher nicht liegen. Der ursprüngliche Ire mag es gern kohlenhydratig, kalorienreich, großportioniert und möglichst ungewürzt – und das Ganze ist nicht billig. Wer das nicht so mag, sollte zu einem der zahlreichen Asiaten gehen. In diesen Restaurants kann man sich dann abseits der Hauptstraßen auch mal für acht Euro satt essen und muss nicht durchschnittlich 15 bis 25 Euro für ein Hauptgericht hinlegen.

Fällt Dublin ansonsten durch gesalzene Preise auf, sind die Fahrten mit den Straßenbahnen von der Innenstadt in die Vororte und an die Küste wirklich günstig. Zum südlich gelegenen Bray kurz vor den Wicklow Mountains kostet ein Ticket 2,75 Euro, ins pittoreske Sunnycove 2,30 Euro, ins nördliche Howth ebenfalls 2,30 Euro. Dieser Ausflug lohnt sich besonders. Der Hafen von Howth mit Promenade, Schiffsanleger, Leuchtturm, netten Bistros und dem bezaubernden Blick auf ein nur von Vögeln bewohntes Stück Felsen („Irelands Eye“) ist auch für den kurzen Trip zu empfehlen.

Wer mehr Zeit hat und Natur und Ruhe sucht, macht sich auf den Weg durchs alte Villenviertel mit Howth Castle hoch zu den mit gelb blühendem Ginster bewachsenen Klippen. Hier und da Steinhausruinen, ein einzelnes Pferd auf der Weide, Möwen und bei Glück beständig blauer Himmel samt Sonnenschein – solch einen Ausflug zu beschreiben ist am nächsten Tag die erste Aufgabe in der Schule. Wo Morning-Class-Teacher Geraldine mit echtem Entzücken auf euphorische, wenn auch grammatikalisch nicht immer korrekte Berichte reagiert.

Das LCI kümmert sich übrigens nicht nur darum, dass seine Studenten mit der britischen Grammatik klarkommen und auch außergewöhnliche Vokabeln erlernen, sondern es bietet nebenbei ein umfangreiches Begleitprogramm an.

Dazu gehört etwa der Ausflug „celtic experiences“ an Orte wie die geheimnisvolle Klosterruine Mellifont Abbey, die mythischen Hills of Tara oder den Hill of Slane. Bis heute marschieren St.-Patrick-Fans zu Ostern den Hügel hinauf, berichtet Reiseführer Sean – auf Wunsch auch in irischer Sprache, wobei ungeübte Ohren aber außer fauchenden Lauten kaum etwas verstehen. Das Wort „Dublin“ ist ja auch leichter auszusprechen als der irische Name „Baile Atha Cliath“, was mit „Furt an der Schilfhürde“ übersetzt wird. Wer das noch lernen will, könnte an der Aussprache verzweifeln. Oder wie Geraldine sagen würde: „It drives me bananas.“

Petra Rückerl