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10:25 16.09.2013
Von Michael Pohl
Gratis und draußen: Im botanischen Garten es abends kostenlose Freiluftkonzerte.
Gratis und draußen: Im botanischen Garten es abends kostenlose Freiluftkonzerte. Quelle: STB
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Singapur

Visionen sind in Singapur wohl geplant. Es war im Jahr 2005, als Premierminister Lee Hsien Loong seine Idee einer „Stadt im Garten“ publik machte. Die von hohen Bankentürmen geprägte City des südasiatischen Stadtstaates sollte grüner werden. Nun ist es im tropisch-feuchten Klima Singapurs grundsätzlich nicht sonderlich schwer, etwas zu begrünen. Doch was Singapur architektonisch zu Weltruhm verhalf, sollte auch bei der Begrünung nicht zu kurz kommen: neue Maßstäbe. Denn mit ein paar neuen Bäumen hat sich der Stadtstaat nicht begnügt.

Gärten an der Bucht

Die „Gardens by the Bay“, die Gärten an der Bucht, sind so etwas wie die Krone der „Stadt im Garten“. Sie breiten sich unweit des alten Hafens aus. Vor 15 Jahren existierte hier nichts als Meer, dann schüttete Singapur großflächig Land auf. Nun erstreckt sich auf 101 Hektar ein Park, der ähnlich ausgefeilt geplant ist wie die ganze Stadt. In zwei riesigen gewölbten Gewächshäusern zeichnen die Gärten die Klimazonen der Welt nach. Während unter einer Kuppel Pflanzen aus mediterranem und gemäßigtem Klima wachsen, steht die andere für die Pflanzenwelt der feuchten Bergregionen in den Tropen. Von einem künstlichen Hang aus prasselt ein Wasserfall herab, davor können Besucher auf geschwungenen Wegen in die Welt der Orchideen eintauchen. Im Bay South Garden vor den Gewächshäusern sucht man hingegen seltene Pflanzen eher vergebens – stattdessen prägen mehrere 20 bis 50 Meter hohe Baumkonstrukte aus Metall das Areal. „Supertrees“, Superbäume, nennen die Singapurer diesen künstlichen Wald, wobei die teilweise bewachsenen Skelette sogar von Nutzen sind: Kühl- und Solarsysteme sind auf ihnen untergebracht, einer beinhaltet sogar ein beliebtes Restaurant mit einer Dachbar.

Meist besuchter Garten der Welt

Manfred Weber zieht den alten botanischen Garten vor. Hier schalte er ab, sagt der Hoteldirektor. Bereits Sir Stamford Raffles, der Gründer des heutigen Singapurs, ließ im 19. Jahrhundert einen botanischen Garten errichten. Der heutige an der Holland Road unweit der geschäftigen Einkaufsstraße Orchard Road umfasst inzwischen eine Fläche von 74 Hektar und ist mit jährlich 4,2 Millionen Besuchern weltweit der meistbesuchte seiner Art. Der botanische Garten ist von frühmorgens bis Mitternacht geöffnet, er kostet bis auf den Orchideengarten keinen Eintritt – und abends gibt es hier kostenlose Freiluftkonzerte.

Weber lebt seit dem vergangenen Jahr in Singapur. Zuvor arbeitete er über mehrere Jahre in China – ein Unterschied, wie er festgestellt hat. „In Singapur ist alles wohlorganisiert“, sagt der gebürtige Österreicher und gibt gleich ein Beispiel: Kürzlich sei seine Frau zum Einkaufen gegangen und habe eine Straße mit einer defekten Ampel überqueren müssen. Wie überall hing dort ein Schild mit Hinweisen, was zu tun sei, wenn etwas nicht funktioniere – unter anderem eine Telefonnummer. Sie habe angerufen, und auf dem Rückweg habe bereits ein Techniker die Ampel repariert.

Nahezu perfekte Organisation

Singapur ist nahezu perfekt organisiert, auch was den Nahverkehr angeht. Die Zahl der Autos wird auf der 5,4-Millionen-Einwohner-Insel durch eine abstrus hohe Luxussteuer künstlich gering gehalten. Ein ausgeklügeltes Mautsystem sorgt dafür, dass man das Fahrzeug lieber stehen lässt. Das ohnehin relativ dichte U-Bahn-Netz wird immer weiter ausgebaut. Der Inselstaat ist so gut wie porentief rein, unter anderem wegen einer ungewöhnlich hohen Anzahl an Putzleuten. Mücken gibt es trotz tropischen Klimas kaum, potenzielle Brutstätten werden Tag für Tag mit Insektenvernichter besprüht – zu groß ist die Angst vor Krankheiten wie Malaria oder Denguefieber.

Flucht vor der Struktur

Wer diesem Organisationswahn entgehen möchte, muss auf eine andere Insel flüchten: Pulau Ubin ist nur 10,2 Quadratkilometer groß und liegt vor der Nordostküste Singapurs. Früher gab es hier eine Granitmine, woher sich auch der Name ableitet – Pulau Ubin bedeutet so viel wie Granitinsel. Seit der Stilllegung in den siebziger Jahren aber ist es hier ruhig geworden. Nur noch rund 100 Bewohner leben auf dem tropischen Eiland, und das in einfachsten Verhältnissen. Luxusresorts oder gar Hochhäuser gibt es hier nicht. „Auf Pulau Ubin ist das Leben noch so, wie es in ganz Singapur früher einmal war“, sagt Danny Lorenzo, der seit vielen Jahren Besucher durch das Land führt. „Hier wird viel übers Essen geredet, aber nie über Religion.“ Ganz gleich, welcher Hautfarbe oder welcher Konfession jemand angehöre. Nicht ganz unwichtig in einem Vielvölkerstaat wie diesem: Unter den knapp 5,4 Millionen Einwohnern leben mehr als eine Million Gastarbeiter. Viele der Singapurer stammen aus Malaysia oder Indien, die weitaus meisten aus China. Und das Zusammenleben funktioniert: Kriminalität ist in Singapur mehr oder weniger ein Fremdwort. Der Stadtstaat gilt als eines der sichersten Länder der Welt. Was freilich auch wieder an einer peniblen Organisation liegt: Selbst für das Austreten einer Zigarette auf der Straße werden horrende Strafen verhängt. Stockhiebe zählen hier im Strafrecht nach wie vor als normale Sanktionsmethode, für Drogendelikte droht gar die Todesstrafe. Selbst Kaugummi gibt es nur für Kunden, die schriftlich darlegen, dass sie Raucher sind und das Kaugummi zur Entwöhnung benötigen. So kommt niemand auf die Idee, sein Kaugummi auf die Straße zu spucken. Und damit wiederum spart die Finanzmetropole lästige Reinigungskosten – das Geld investiert sie in andere Dinge.

Visionen werden Realität

Zum Beispiel in die Begrünung und weitere Baugebiete, schließlich geht die Landgewinnung weiter: Bis zum Jahr 2030 soll Singapur auf rund 800 Quadratkilometer angewachsen sein – damit wäre die Tropeninsel ungefähr 50 Prozent größer, als sie ursprünglich einmal war. Visionen werden hier früher oder später Realität. Typisch Singapur.

Hin und weg

Anreise

Mit zahlreichen großen Linienfluggesellschaften ab Europa. Swiss fliegt beispielsweise täglich, unter anderem ab Hannover, Hamburg und Berlin via Zürich nach Singapur.

Beste Reisezeit

Singapur liegt am Äquator in den Tropen, daher bewegen sich die Temperaturen das ganze Jahr über um 30 Grad. Es herrscht eine hohe Luftfeuchtigkeit, während der Monsunzeit von November bis Januar gibt es oft kurze und warme Regenfälle.

Unterkunft

Luxuriös, zentral und mit wunderschönem Garten ist das Shangri-La-Hotel an der 22 Orange Grove Road. Übernachtungen auf Pulau Ubin sind in einem einfachen Resort möglich.

Einreise

Bundesbürger benötigen für die Einreise bei einem Aufenthalt bis zu 90 Tagen lediglich einen noch sechs Monate gültigen Reisepass.

Weitere Informationen

www.your-singapore.de

www.swiss.com

www.shangri-la.com/Singapore

http://ubinbeach.celestialresort.com

Philipp Lackner 09.09.2013
Gabriele Schulte 02.09.2013
Wiebke Ramm 19.08.2013