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Reisereporter Sechs Neue für die Weltmeere
Reisereporter Sechs Neue für die Weltmeere
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15:55 22.10.2012
Im kommenden Jahr gehen sechs nagelneue Kreuzfahrtschiffe an den Start. Quelle: Norwegian Cruise Line
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Hannover

Größer, bunter, besser: Getreu diesem Motto bauen die Reedereien jedes Jahr immer extravagantere Kreuzfahrtschiffe, die jeweils Hunderte von Millionen Euro kosten. Auch im kommenden Jahr soll die Party weitergehen. Die Anbieter hoffen, dass bis dahin die Havarie der „Costa Concordia“ Anfang 2012 wieder vergessen ist. Wir stellen die neuen schwimmenden Hotels vor.

Bewegte Geschichte

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Den Anfang macht MSC Kreuzfahrten. Am 14. März startet der jüngste Spross der italienischen Familienreederei, die „MSC Preziosa“, zur Jungfernfahrt von der Werft in St. Nazaire/Frankreich zum Heimathafen Genua. Nahezu baugleich mit ihren Schwestern „MSC Fantasia“, „MSC Splendida“ und „MSC Divina“ hat der Neuzugang bereits eine bewegte Geschichte hinter sich. Ursprünglich wollte Libyens Machthaber Gaddafi mit dem Neubau ins Kreuzfahrtgeschäft einsteigen. Nach der arabischen Revolution war damit allerdings Schluss, MSC schnappte sich den Auftrag. Die „MSC Preziosa“ wird im Mittelmeer unterwegs sein und Routen zu den griechischen Inseln fahren. Eine Besonderheit ist der schicke „Yacht Club“: 69 Suiten kommen in den Genuss einer privaten Bar, eines eigenen Pools und eines persönlichen Butlerservices. Ob das Aquarium mit den sechs lebenden Haien, das noch Gaddafi bestellt hatte, realisiert wird, hat MSC nicht verraten.

Echter Birkenwald

Kluburlaub mal nordisch: Am 17. März schickt die deutsche Erfolgsreederei Aida mit der „Aida Stella“ bereits ihr zehntes Schiff auf Jungfernfahrt. Start ist in Rostock/Warnemünde, das Ziel heißt Nordeuropa. Und das nicht zufällig: Die Besonderheit dieses Neubaus ist das nordische Design, das nicht nur den 2600 Quadratmeter großen Wellnessbereich in einem besonders klaren Licht erstrahlen lassen will.

Die ganz große Attraktion soll der echte Birkenwald an Bord des Schiffes werden. Ansonsten werden sich Stammgäste auf der „Aida Stella“ gleich wohlfühlen: Das Animations- und Kinderbetreuungskonzept wird eins zu eins übernommen. Und wie ihre beiden jüngsten Schwestern wird auch diese Aida ein Brauhaus an Bord haben - prost!

Freier Fall

Von Mai 2013 an will der Neubau „Norwegian Breakaway“ neue Maßstäbe in Sachen Abenteuer an Bord setzen. Dazu bekommt er einen riesigen Wasserpark mit insgesamt fünf Rutschen, darunter die ersten beiden Free Falls auf See. Dabei fällt der Rutschende nach dem Öffnen einer Falltür zunächst in die senkrechte Röhre und wird erst nach einigen Metern in einer steilen Kurve „aufgefangen“. Wem das noch nicht Thrill genug ist, der darf seinen Mut im Hochseilgarten beweisen, der teilweise über die Reling hinaus aufs freie Meer ragt. Im Vergleich dazu wirken die Neun-Loch-Golfanlage, der Basketballplatz und die Kletterwand fast langweilig. Am 8. Mai 2013 wird das 4000-Passagiere-Schiff getauft und startet danach im Wochenrhythmus ab Manhattan Richtung Bermuda, Florida und Karibik. Das Motiv „New York“ zieht sich durch das Schiffsdesign bis zum Rumpf, auf den knapp 20 Meter hoch Freiheitsstatue und Skyline von Manhattan gemalt sind.

Superluxus ganz leger

„Das beste Kreuzfahrtschiff der Welt“ (laut Berlitz Cruise Guide) bekommt Konkurrenz - und die stammt noch dazu aus dem eigenen Haus: Ab Mai 2013 wird die legendäre „MS Europa“ eine nicht weniger schicke, aber deutlich flottere Schwester bekommen. Auch die „MS Europa 2“ nimmt Kurs aufs Ultra-Luxussegment, ihre Reederei Hapag-Lloyd Kreuzfahrten will sie als legere, internationale Alternative positionieren. Aber man bleibt unter sich: Im Vergleich zu den Riesenschiffen werden sich die maximal 516 Passagiere wie auf einer großen Jacht fühlen. Mehr Platz heißt die Devise: Alle Kabinen, die hier natürlich Suiten heißen, haben mindestens 28 Quadratmeter und eine eigene Veranda. WLAN, Tablet-PC und tragbare Telefone gehören in dieser Klasse ebenfalls dazu.

Und weil auch Millionäre Kinder haben, besitzt das Schiff drei Kidsclubs , die ein Alter von zwei bis 15 Jahren abdecken. Dazu wird ein eigenes Landausflugprogramm für die kleinen Kreuzfahrer organisiert, damit sie sich nicht langweilen. Getauft wird die „MS Europa 2“ am 10. Mai in Hamburg.

Bar über Bord

Einmal übers Wasser gehen: Auf der „Royal Princess“ wird das möglich sein. SeaWalk heißt die neue Topattraktion auf dem neuesten Schiff der US-Reederei. So nennt sich eine Promenade, die 38 Meter hoch über den Steuerbordrand des Schiffs hinausragt; aufs offene Meer sieht man durch gläserne Bodenplatten direkt hinab. Auf der Backbordseite gibt es das Gleiche zum Sitzen: Die Sea View Bar ist die erste frei ragende Bar auf hoher See. Auf einem Glasboden und bei unverbaubarem Meerblick kann der Gast75 unterschiedliche Martinicocktails genießen. Ruhebedürftige lockt am Oberdeck namens Sanctuary das erste Rückzugsrevier nur für Erwachsene auf einem Hochseeschiff. Abends tanzen bunte Springbrunnen, und Kinofans dürfen sich auf das „Princess“-typische Freiluftkino „Movies under the Stars“ freuen. Die Jungfernfahrt geht von Southampton nach Barcelona, es folgen zwölftägige Mittelmeertörns zwischen Barcelona und Venedig.

Superjacht im Packeis

Kreuzen wie Roman Abramowitsch: Die neueste Kreation der französischen Reederei Compagnie du Ponant tut nicht wie eine Superjacht - sie ist eine. Mit gerade 132 Kabinen und 140 Metern Länge würde sie in Monte Carlo zwischen den Spielzeugen der Oligarchen kaum auffallen. Wie die Schwesterschiffe „Le Boréal“ und „L’Austral“ hat auch die „Le Soléal“ fünf Sterne, eine schlanke Silhouette und will mit sportlichem Schick auf hohem Niveau punkten.

Die neidischen Blicke werden bei der vorgesehenen Route allerdings nicht zu häufig sein: Die Reederei plant, das Schiff von Juli 2013 an bei sogenannten Soft Expeditions in der Arktis einzusetzen. Ab 26. August macht sichdie „Soléal“ gar auf die mythische Nordwestpassage, die 22 Tage von Grönland über Nordkanada, Alaska und die Beringstraße bis Anadyr inSibirien führt. Ein Schnäppchen ist die Fahrt mit dem neuen Luxusschiff allerdings nicht: Die Reisen kosten ab 10591 Euro.

Hans-Werner Rodrian

Mirjana Cvjetkovic 15.10.2012