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Reisereporter Scheichreich auf der Palme
Reisereporter Scheichreich auf der Palme
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00:14 21.02.2009
Luxuriös: Rund 1,2 Milliarden Euro kostete das Inselresort, das der sagenumwobenen versunkenen Stadt Atlantis nachempfunden sein soll.
Luxuriös: Rund 1,2 Milliarden Euro kostete das Inselresort, das der sagenumwobenen versunkenen Stadt Atlantis nachempfunden sein soll. Quelle: Altmann
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Es gibt verschiedene Möglichkeiten, für 3500 Euro Urlaub zu machen. Ein Rucksackreisender kommt dafür drei Monate durch Thailand, Laos und Kambodscha. Pauschalreisende bezahlen so viel für drei Wochen in einem Alles-inklusive-Klub in Spanien oder für eine zweiwöchige Studienreise nach Peru. Man kann das Geld auch für einen Wochenendtrip ausgeben – zum Beispiel nach Dubai ins Prunkhotel Atlantis.

Bereits am Frankfurter Flughafen merke ich, dass man als Luxusreisender anders unterwegs ist. Am Check-in-Schalter ist für mich ein roter Teppich ausgerollt. Weil ich ein mehr als dreimal so teures Flugticket besitze als Economy-Class-Kunden, brauche ich mich in keine lange Schlange anstellen, komme schneller durch die Sicherheitskontrollen und darf mir in einer Lounge bei Schnittchen und Getränken die Zeit bis zum Abflug vertreiben.

Der sechsstündige Flug ist fast wie ein DVD-Abend auf meinem Sofa. Nur das bei mir zu Hause niemand Wein, warmes Brot, Lachs mit „Baby“-Kartoffeln und Spinat serviert. Meinen Sitz habe ich per Knopfdruck zu einem Bett umfunktioniert, die Rückenlehne hochgefahren und schaue Kinofilme. So könnte ich ein paar Mal um die Welt fliegen...

Neues Vorzeigeobjekt

In Dubai geht es mit dem Shuttle-Bus zur künstlichen Insel The Palm Jumeirah – an ihrer Spitze ist auch schon das rostrosafarbene Gebäude des Atlantis zu sehen. Die zwei Flügel mit Türmchen werden von einer Brücke miteinander verbunden, in der Mitte ein Torbogen in Form eines Zwiebelturms. Ein Kleinflugzeug könnte wohl problemlos hindurchfliegen.

Das ist es also, das neue Vorzeigeobjekt der Scheichmetropole. Dubai – das Emirat, das immer noch was draufsetzen muss. Das den höchsten Turm der Welt, den „Burj Dubai“, besitzt. Das eine Insel in Form einer Weltkugel baut. Das eine Stadt aus Eis in der Wüste plant. Und das mit einer Luxusherberge wie dem Atlantis protzen kann.
Das Hotel hat mehr als 1500 Zimmer, das teuerste, die fast 1000 Quadratmeter große Suite in der Brücke über dem Torbogen kostet um die 20.000 Euro. Kylie Minogue, Boris Becker und Modedesignerin Donna Karan waren schon hier. Ob sich diese Promis an der Rezeption melden mussten?
Von mir wird Pass, Kreditkarte und ein ausgefülltes Formular verlangt. Um mich herum geschäftige Mitarbeiter in orientalisch anmutender Kleidung. Viele sind vermutlich Inder oder Südostasiaten. 3000 Mitarbeiter aus 46 Nationen sind dort beschäftigt.
In der Lobby vermischt sich Stimmengewirr mit Musik und dem Plätschern von Wasser. Es ist voll im Foyer, denn nicht nur Hotelgäste, auch Auswärtige dürfen in das Hotel kommen, um den Prunk zu bewundern, den braun gemusterten Marmorfußboden, die Wandgemälde und die zehn Meter hohe Skulptur umrahmt von Säulen in Form von Fischflossen. 3000 Glasröhrchen in Blau- und Rottönen hat der Künstler Dale Chihuly zusammengesetzt. Die meisten pilgern wohl zum Elf-Millionen-Liter-Aquarium mit 65.000 Fischen. Auf dem Grund des Beckens sind Steine wie Trümmer angeordnet, die das untergegangene Atlantis nachempfinden sollen.
Ich bin erst einmal geschockt, besser gesagt schockgefrostet, als ich meine etwa 90 Quadratmeter kleine Suite betrete. In Dubai ist es auch nachts 30 Grad warm, doch meine Unterkunft ist auf gefühlte 15 Grad runtergekühlt. Am Persischen Golf gehört Kälte eben auch zum Luxus.

Damit es schneller warm wird, reiße ich die Terrassentür auf und blicke auf die künstliche Insel mit ihren unfertigen Einfamilienhäusern. Auf dem Festland ragen unzählige Kräne in den Himmel. Schön ist was anderes. Zum Beispiel mein Badezimmer aus Marmor hinter einer Holzschiebetür, auf der Wellen geschnitzt sind. Handtücher gibt es mehr als bei mir zu Hause. Mit Shampoo und Badesalz wird auch nicht gegeizt – alles von Floris, einer der ältesten Parfümhersteller der Welt und Lieferant der Queen. Ich lasse mir die ovale frei stehende Wanne ein, aber nur halb voll. Schließlich will ich nicht schwimmen gehen.

Als normaler Tourist wirkt man oft in der Luxuswelt verloren wie meine kleine Reisetasche in dem großen Ankleidezimmer oder wie manche im Kaleidoscope, einem der 17 Restaurants des Hotels. Da wird der Teller voll geschaufelt mit Rührei und Würstchen, kleinen Pfannkuchen, gefüllten Teigtaschen, Meeresspezialitäten, Reisnudelsuppe und Südfrüchten – und man findet nicht mehr zurück zum Tisch, weil man sich in dem Labyrinth aus Büfetttischen und Garküchen verlaufen hat.

Im Reifen treiben

Ich halte mich zurück, schließlich will ich im Wasserpark von Atlantis nicht untergehen wie ein Klops. Ich schnappe mir einen Schwimmreifen und steige auf einen etwa 30 Meter hohen Turm, der an das alte Mesopotamien erinnern soll. Dann rutsche ich in den künstlich angelegten Fluss hinein, treibe im Reifen mal langsam, mal schnell auf den künstlichen Stromschnellen dahin.

Da kaum ein Besucher einen wasserdichten Fotoapparat dabei hat, stehen Angestellte im Wasser und lichten Touristen ab. Für jedes Foto gibt es ein Bändchen ums Handgelenk. Mit dem vom Eintritt und dem vom Schließfach ist mein Arm nach einer Stunde so schön geschmückt wie der von Wolle Petry.
Als ich die künstliche Welt hinter mir lasse, treffe ich Shama, Habibi und Helal. Endlich ein Stück Orient angesichts der Kamele. Ihr Führer Naite erlaubt mir, sie zu streicheln. Er gehört zum Hotel wie auch das Sonnensegel, unter dem es sich die Gäste auf handgewebten Teppichen bei Tee gemütlich machen können. Viel mehr scheint vom Gestern des Übermorgenlandes nicht übrig geblieben zu sein.

Eines muss ich mir noch gönnen: ein Essen im Nobelrestaurant Nobu, die Sushi-Kette von Meister Nobuyuki Matsuhisa, an der auch Robert De Niro beteiligt ist. Wie im Rausch gehen zartes Filet in würziger Marinade, frittierte Krabben, feinstes Sushi und fruchtige Törtchen über meinen Tisch. Auf der Hotelterrasse genieße ich anschließend eine Schischa, eine Wasserpfeife. Ich schmecke den kühlen Rauch mit Apfelaroma, puste ihn genüsslich wieder aus – und fühle mich reich wie ein Scheich.

Anreise
Die Fluggesellschaften wie zum Beispiel Etihad, Emirates und Condor bedienen die Strecke nach Dubai regelmäßig.

Einreise
Deutsche bekommen bei der Einreise ein Besuchervisum, das 60 Tage gültig ist. Der Pass muss noch mindestens sechs Tage gültig sein. Wer einen israelischen Reisestempel im Pass hat, darf nicht einreisen. Deshalb sollte man sich vorher einen neuen Ausweis in Deutschland ausstellen lassen.

Reisezeit
Die beste Reisezeit ist von Oktober bis April, dann ist es nicht so heiß wie etwa im Juli und August, wenn die Durchschnittstemperaturen bei über 40 Grad liegen.

Unterkunft
Eine Reise nach Dubai bucht man am bequemsten pauschal. Die Luxusversion mit einem Business-Class-Flug und drei Übernachtungen in der Terrace-Suite des Hotels Atlantis, The Palm gibt es beim Veranstalter EWTC ab etwa 3500 Euro (Frühstück inklusive). Wer im Burj Al Arab absteigen will, muss mit mehr als 4200 Euro für Flug und drei Übernachtungen rechnen. Sieben Nächte im kleinerem Zimmer im Atlantis und Economy-Class-Flug gibt es ab etwa 1800 Euro.

Weitere Informationen
Dubai Tourismus, P.O. Box 594,
Dubai, United Arab Emirates,
Tel. (97 14) 223 00 00.
www.dubaitourism.ae