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Reisereporter Universum mit Herrgottswinkel
Reisereporter Universum mit Herrgottswinkel
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11:29 09.09.2013
Von Philipp Lackner
Das Thaler Museum „Arnies Life“ widmet Schwarzeneggers Erfolge einigen Platz.
Das Thaler Museum „Arnies Life“ widmet Schwarzeneggers Erfolge einigen Platz. Quelle: Harry Schiffer
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Thal

Die Figur strotzt vor Kraft. Nur ein schmales Höschen verdeckt die Männlichkeit, Bizeps und Oberschenkel sind mächtig angespannt, Adern zeichnen sich wie Starkstromkabel unter der Haut ab. Das überlebensgroße Werk des Künstlers Ralph Crawford mag man für großartig halten oder für entbehrlich, fest steht: Seit gut zwei Jahren markiert die pompöse Bronzestatue den Eingang zu einem Haus im kleinen Thal bei Graz, Steiermark, Österreich. Hier wird deutlich: Es muss um etwas Großes gehen, um etwas Starkes.

Pilgerstätte für Fans

Es ist das Museum des Arnold Schwarzenegger, 65, Ex-Bodybuilder und mehrfacher Mr. Universum, Ex-Gouverneur von Kalifornien, Filmschauspieler, lebendes Denkmal für die Österreicher. Und hier, im beschaulichen Örtchen Thal, hat er jetzt auch seine Pilgerstätte. Dass ihm seine Filme keinen Oscar beschert haben, kümmert die Leute hier genauso wenig wie Schwarzeneggers Zeit als Politiker, in der er sich eher abmühte als glänzte. Und auch die familiären Probleme des Stars – seine Frau hatte wegen eines unehelichen Kindes die Scheidung eingereicht – scheint man auszublenden. Das sogenannte „Boot des Versprechens“, auf dem er Kennedy-Nichte Maria Shriver seinerzeit einen Antrag machte, trotzt als senkrecht aufgestelltes Schaustück am Ufer des Thalersees Skandalen im fernen Hollywood. Hier steht man zu Arnie, passiere, was wolle.

„Der Arnold, der hat schon mit 13 g’sogt, dass er Mister Universum werden will. Und später Filmschauspieler“, sagt Peter Urdl in breitem Steirisch. Er ist der Leiter des Arnold-Schwarzenegger-Museums und, klar, ein glühender Fan. Als er noch Bürgermeister der Gemeinde war, hat er rund um den Thalersee sogar einen 3,5 Kilometer langen „Arnold-Schwarzenegger-Wanderweg“ anlegen lassen. Urdl erinnert sich: Mit dem Arnie hat er seinerzeit die Grundschule besucht. Aber die Schulkollegen hätten Arnold wegen seiner Träume nur belächelt, sagt er. Heute lacht keiner mehr.

Urdl zeigt im ersten Stock des Hauses auf ein schlichtes Stahlrohrbett: „Hier hat der Arnold ebendiese Träume geboren.“ Es ist jenes Bett, in dem der Hollywoodstar als Kind geschlafen hat. Ein Originalstück, das Urdl und seine Kollegen der Betreibergesellschaft „Arnies Life“ bei einem Förster auf einer Almhütte wiederentdeckt haben.

Das meiste in Arnies einstigem Domizil sollte wieder so hergestellt werden, wie es vor mehr als einem halben Jahrhundert war. Rustikal, spartanisch, bescheiden. Man sieht ein Plumpsklo, ein kitschiges Jagdfresko beim Aufgang in die erste Etage, eine Kredenz und einen Tischherd in der Küche, auch einen Herrgottswinkel. In Arnolds ehemaligem Schlafzimmer liegt eine Hantel, ebenfalls ein Originalstück. Das selbst zusammengeschweißte Ding wiegt 48 Kilogramm. „Damit hat er 60 Wiederholungen mit dem Arm gemacht“, erzählt Urdl. Allein der Gedanke daran ist so so unglaublich wie die Karriere des Arnold S., einst Panzerfahrer beim österreichischen Bundesheer.

Arnolds größte Erfolge

Die alten Holzdielen knirschen unter den Schritten des Museumsleiters, es geht weiter in den nächsten Raum, eine Huldigung an Arnolds größte Filmerfolge. „Amazing“ - erstaunlich, raunt eine junge Dame beim Anblick eines jener Schwerter, die Schwarzenegger bei „Conan der Barbar“ geschwungen hat. Laura kommt aus New Jersey, sie studiert in Graz, genauso wie Ryan aus New Mexico, ihn hat sie mitgenommen zum Museumstrip. Und sie staunen auch bei den anderen Requisiten und Originalstücken, die der Superstar aus den USA hat einfliegen lassen: Das Roboterskelett aus „Terminator 1“ ist da zu sehen oder eine Harley aus „Terminator 2“. Letztere zu besorgen sei nicht weiter schwer gewesen, sagt Urdl, schließlich habe der Arnold etwa zehn Stück davon zu Hause. Selbst einen Regierungsschreibtisch hat er heranschaffen lassen, gut, es ist eine Kopie, aber dahinter läuft ein echtes Begrüßungsvideo in Endlosschleife, der Held überbringt eine Botschaft: „Griaß euch miteinand“, sagt er da. Und: „Ich habe den Mut gefasst, große Wege einzuschlagen.“ Im Leben sei alles möglich, wenn man nur Wille und Entschlossenheit mitbringe. Besucherin Laura ist fasziniert.

Bewunderung an vielen Orten

Dieser Ruhm spiegelt sich auch im Grazer Café Kaiserfeld wider. Im vorderen Teil des mondänen Lokals im Altwiener Stil hat Besitzer Rudi Lackner einen eigenen „Governor’s Room“ eingerichtet. Schwarzenegger-Porträts zieren die Wände, stolz zeigt der Gastronom eine kalifornische Flagge, die ihm Schwarzenegger geschickt hat. Oder einen Bierkrug. Und Bilder mit persönlicher Widmung: „To Rudi“, steht da. Wie kommt das? „Er mag einfach das Frühstück und den Kaffee hier, und er liebt unser Rührei“, verrät der Cafetier. So oder so ist der Mann mit der erstaunlichen Karriere ein Fan der steirischen Kost, und er genießt sie bei jedem seiner Heimatbesuche. Die Mahlzeit für zwischendurch verspeist er gerne ganz unkompliziert, bei einem Imbiss auf dem Grazer Hauptplatz, dem Stand von Maria Gutmann: eine Käsekrainer Wurst.

Nur ein paar Schritte von den Gutmanns entfernt führt Günter Huber mit Frau Doris den Landhauskeller, ein gutbürgerliches steirisches Gasthaus ohne viel Schnickschnack, untergebracht in einem Renaissance-Gemäuer gleich hinter dem Rathaus. Hier hat er im vergangenen Jahr seinen 65. Geburtstag nachgefeiert. Eine Crew des US-Senders CBS filmte ihn dabei für eine Reportage über sein Leben. In dem spielt auch die „Royal-Oak-Suite“ im vierten Stock des Hotels Wiesler eine Rolle. Hier logiert Schwarzenegger in der Regel bei seinen Graz-Besuchen, besser gesagt: Er residiert. Denn die Unterkunft hat was zu bieten: 70 Quadratmeter, frei stehender Kamin, Fischgrätparkett, King-Size-Bett. 339 Euro kostet die Nacht, ohne Frühstück. Und das, so versichert man im Hotel, bezahlt jeder, auch Mr. Schwarzenegger. Aber der Star genießt auch Privilegien. So darf er sich auch im Nichtraucherbereich eine Zigarre gönnen. „Für ihn machen wir eine Ausnahme“, sagt ein Hotelmanager. Beim Abendessen im hoteleigenen Restaurant lässt er sich gerne mal was Deftiges empfehlen, Schnitzel oder Kaiserschmarr’n etwa. Schwarzenegger sei im Umgang sehr angenehm und herzlich, heißt es im Hotel.

Die Kehrseite

Aber er kann auch anders: Als Gouverneur hätte er einen zum Tode Verurteilten noch begnadigen können – Schwarzenegger tat es nicht, die steirischen Provinzpolitiker rebellierten. Und seitdem trägt das hiesige Fußballstadion nicht mehr den Namen des Schauspielers, auch den Ring der Stadt Graz hat er zurückgeschickt. Ein Happy End sieht anders aus.

Gabriele Schulte 02.09.2013
Wiebke Ramm 19.08.2013
12.08.2013