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Reisereporter Mein Land, das hat sieben Ecken
Reisereporter Mein Land, das hat sieben Ecken
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00:35 15.08.2009
Dreilandenpunkt Niederlande, Belgien, Deutschland. Quelle: srt
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Was ist so Besonderes am östlichsten Punkt des Landes? Warum interessiert man sich bei Bergen immer für den Gipfel? Und wieso stöbern Menschen mit ihren GPS-Geräten nach dem 50. Breitengrad? Geografische Besonderheiten haben einfach einen ganz eigenen Reiz. Und oft findet man dann tatsächlich Spektakuläres: Das gilt auch für jedes Dreiländereck in Deutschland. Wir haben die se sieben deutschen Dreiländerpunkte aufgesucht und dabei ein schönes Stück vereintes Europa kennengelernt.

Gipfelfreuden in den Niederlanden
Deutschland, Niederlande, Belgien: Der Vaalser Berg ist sage und schreibe 321 Meter hoch und damit der höchste Punkt der Niederlande. Wer ihn erklimmt, der kann mit einem Fuß auch gleichzeitig in zwei anderen Ländern stehen: Belgien und Deutschland. Aus 17.000 Buchsbäumen besteht das Grenzlabyrinth am Gipfel – Europas größter Irrgarten. Den Mittelpunkt des Labyrinths bildet ein vom europäischen Sternenbanner geschmückter Pavillon mit einer Aussichtsplattform.

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Erholung am stillgelegten Gleis
Deutschland, Belgien, Luxemburg: In den Eifelwäldern hört man den Specht hämmern, Schmetterlinge hüpfen von Ast zu Ast, golden blüht der Ginster: Der Islek ist ein besonders stilles Mittelgebirge und auch in Zeiten der gesteigerten Wanderlust noch nicht von irgendwelchen Premiumwegen durchschnitten. „Wir freuen uns über jeden Gast“, sagt Manfred Breuer auf Lumpis Ferienbahnhof in Arzfeld. Im stillgelegten Bahnhof hat der rührige Unternehmer aus fünf Waggons ein Ferienparadies geschaffen – mit Abenteuerspielplatz und Reitmöglichkeit. Zum Europadenkmal am Dreiländereck Deutschland-Belgien-Luxemburg startet man auf einer aussichtsreichen Fahrradtour, die jenseits der Grenze auch noch ins malerische Ouren in Belgien führt.

Ein Schluck auf fallende Schlagbäume
Deutschland, Luxemburg, Frankreich: Dieser hübsche kleine Winzerort auf der Luxemburger Seite der Obermosel wurde zum Inbegriff Europas: Schengen. 1985 handelten Helmut Kohl und François Mitterand dort das Abkommen aus, das die Personenkontrollen in der EU abschaffte. Ob sie wohl einen Blick hatten für die entzückende Lage zwischen den Rebhängen von Stromberg und Markusberg? Immerhin speisten sie im Schloss, das in einem schönen Park auf den Resten einer Wasserburg aus dem 13. Jahrhundert errichtet wurde. Tipp: Guten Wein gibt es auch gegenüber in Perl, dem einzigen saarländischen Winzerort an der Mosel. An jedem Wochenende öffnet dort ein anderer Winzer zum Tag der offenen Tür. Spitzenlage ist der Perler Hasenberg.

Willkommen an Bord der weissen Flotte
Deutschland, Frankreich, Schweiz: Es sieht ein bisschen aus wie ein Überschallflugzeug beim Senkrechtstart, das chromblitzende Monument im Rheinhafen von Basel. Dort laufen die Grenzen von Elsass (F), Oberrhein (D) und Kanton Basel (CH) zusammen. Von Bord der Weißen Flotte der Basler Personenschifffahrt winken dem dreispitzigen Denkmal täglich Hunderte von Gästen zu. Kaum jemand denkt bei der zweistündigen Hafenrundfahrt noch dran, dass das Schiff noch im vergangenen Jahr auf der letzte Außengrenze Deutschlands kreuzte. Im Anschluss an die Bootspartie empfiehlt der gemeinsame Tourismusverband der drei Länder eine Weinprobe – oder besser natürlich gleich drei.

Ein Wanderweg übers Wasser
Deutschland, Schweiz, Österreich: Im Rheindelta bei Bregenz kann man buchstäblich zu Fuß übers Wasser gehen. Wo der Rhein in den Bodensee hineinfließt, führt je ein spektakulärer Wanderweg rechts- wie linksrheinisch auf dem Rheindamm in den See hinein. Am Ende des Damms steht man praktisch mitten im Wasser, blickt gegenüber auf Lindau und hat einen gigantischen Blick wie sonst nur vom Schiff aus. Und irgendwo dort vorn im Wasser liegt im See auch das eigentliche Dreiländereck.

Stacheldraht wird Stifterland
Deutschland, Österreich, Tschechien: „Westlich blauet Forst an Forst“. Adalbert Stifters Roman „Hochwald“ ist heute wieder ein geeigneter Reiseführer für die Haidelregion. Ein schlichter Grenzstein markiert den Punkt, wo sich der sagenhafte Dreisesselstein des Bayerischen Walds, das österreichische Mühlviertel und Tschechiens Böhmerwald die Hand reichen. Wo noch vor 20 Jahren Stacheldraht den Eisernen Vorhang markierte, breitet sich heute eine weite Genießerlandschaft aus. Das sicher angenehmste Ausgangsquartier für eine Nordic-Walking-Tour dorthin ist Österreichs Landgasthof des Jahres 2008, der Mühltalhof in Neufelden.

Ein Hoch auf die Oberlausitz
Deutschland, Tschechien, Polen: Krumme Tante und Brütende Henne – so heißen zwei der bizarrsten Felsformationen im Zittauer Gebirge. Der Oberlausitzer Bergweg quert das kleinste Mittelgebirge Deutschlands in sechs Tagesetappen vom Töpferort Neukirch bis nach Zittau, die Stadt am Dreiländereck. Auf halbem Weg zwischen Altstadt und Ortsteil Hartau liegt der Punkt, wo die Grenzen Deutschlands, Polens und Tschechiens aufeinandertreffen. Er liegt im Wasser der Lausitzer Neiße und des Ullersbachs. 2004 fand dort die zentrale Feier zur Osterweiterung der EU statt. Aus den damaligen Plänen, am Dreiländerpunkt eine bewegliche Ringbrücke zu schaffen, die alle drei Ufer verbindet, ist allerdings bis nichts geworden. Im Gegenteil: Die Fußgängerbrücke nach Polen musste wegen Einsturzgefahr gesperrt werden. Nun zieht man bei Niedrigwasser einfach die Schuhe aus und watet durch die Neiße.

Von Hans-Werner Rodrian