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Reisereporter Kreuzpeilung unterm Kreuz des Südens
Reisereporter Kreuzpeilung unterm Kreuz des Südens
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00:07 18.04.2009
Ob an Bord oder am Sandstrand: Für den einen ist das Segeln das Ziel – für den anderen der Landgang auf einer der zahlreichen Inseln.
Ob an Bord oder am Sandstrand: Für den einen ist das Segeln das Ziel – für den anderen der Landgang auf einer der zahlreichen Inseln. Quelle: Schacht
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Wer hier gleich früh um sechs mit dem karibischen Sonnenaufgang aus der Koje klettert und sich oben an Deck einmal um die eigene Achse dreht, hat ein atemberaubendes Naturwunder ganz für sich allein: Drei unbewohnte Palmeninseln im weißen Brandungsgürtel eines gigantischen Korallenriffs – das sind die Tobago Cays.

Wer dann zum Morgenbad über Bord springt, sieht nicht nur die bunte Welt von Korallen, Sand und tropischen Fischen, er wird im warmen Wasser bisweilen selbst mit kühlem Blick gemustert, von Schildkröten, die hier mit fast so großer Eleganz schwimmen wie draußen im offenen Meer die Delfinschwärme, die Segler gern begleiten.

Mit einer ordentlichen Brise

Segler ist praktisch jeder, der hier in den Tobagos abends Anker wirft oder tagsüber zu einem Tauchausflug festmacht – voller Faszination, obwohl Seglern sonst eher der Weg als Ziel gilt. An der Karibik schätzen sie stete Wärme und beständige Brise, wichtiger als bestimmte Anlaufpunkte ist den meisten der Kampf mit Wind und Wellen. Doch im Türkisblau dieses Korallenriffs geraten auch erfahrene Skipper bisweilen in Zweifel, ob sie eher die Karibik wegen des Segelns loben sollen – oder das Segeln wegen der Karibik. „Beides passt einfach ideal zusammen“, sagt Hannes Bondesen von der Yachtschule Hannover.

Außer Zweifel steht: Eine Autobahnabfahrt Tobago Cays gibt es nicht. Die nächsten internationalen Flughäfen sind auf Grenada, Saint Lucia und Martinique. Und die kleinen Propellermaschinen, die der kurzen Landebahn auf dem nächstgelegenen Eiland Union Island entgegenschaukeln, sind nicht jedermanns Sache. Den alten Spott, Segeln sei die unbequemste Art, teuer zu reisen, widerlegen die Tobago Cays damit sozusagen nebenbei. Segeln ist die komfortabelste Art, das somit vor Massenandrang geschützte, im Durchmesser bis zu drei Kilometer große Korallenriff zu erreichen, ebenso wie die übrigen der mehr als hundert Inseln in der Traumwelt der Grenadinen, die zu den Kleinen Antillen zählen – der Inselkette zwischen Kuba und der südamerikanischen Küste.

Hannes Bondesen ist schon als Berufsanfänger in der Karibik gewesen – da fuhr der gelernte Kapitän hier auf Handelsschiffen. Seit mehr als dreißig Jahren aber ist der Chef der Yachtschule als Segler in der Karibik unterwegs. Kein Wunder, dass er sie wie nur wenige kennt. Wo andere ins Hafenhandbuch schauen, winkt Bondesen wissend ab. „Castries? Miserable Marina!“, weist er einen Zielhafen zurück. „Marigot? Nur Mücken und Mangroven!“, sagt er zum nächsten. „Sulfrière? Da stinkt’s nach Schwefel!“ Aber obwohl er die Kurse zwischen den Kleinen Antillen auswendig kennt, werden Peilkompass, Seekarte und Kursbesteck regelmäßig zurate gezogen. „Wir sind ja nicht zum Spaß hier“, sagt Bondesen dann und lacht.

Nein, die Yachtschule Hannover gehört zu den wenigen deutschen Segelschulen, die nicht nur auf der Ostsee, im Mittelmeer und an den Kanaren, sondern auch in der Karibik ausbilden. Dafür sprechen Wind, Wetter und Wärme. Dafür spricht auch die Verlässlichkeit des Reviers. Immerhin segelt man hier mit stetem Nordostpassat – jenem Wind, der einst Kolumbus nach Westen getrieben hat. Es gibt nur selten Untiefen, kaum große Schifffahrtslinien und im Winterhalbjahr keine Hurrikans.

Unter solchen Idealbedingungen lässt sich allerhand probieren: Vom Ankerlichten über Motorfahrt und Segelsetzen, Kreuzpeilung und Vorfahrtregeln bis zum Boje-über-Bord-Manöver und dem Ankerwerfen gibt es immer wieder alle Hände voll zu tun. Wenn auf dem schnellen Katamaran das Großsegel gesetzt wird, hängen sich auf dem Vorschiff zwei kräftige Männer ans Großfall, um das 80 Quadratmeter große Tuch hochzubekommen. Und wenn bei sechs Windstärken die 56 Quadratmeter große Genuafock ausrauscht, können die Schläge der Schot der Crew einige Blutergüsse bescheren.

Vor allem bei schwererer See ist das nichts für Landratten – wer bei drei bis fünf Meter hoher Dünung den Horizont aus dem Augen verliert, braucht womöglich den Lifebelt und behält die Reling umso ängstlicher im Blick, weil er sich vielleicht schon im nächsten Moment daran festhalten und darüberbeugen muss. „Das Gute“, sagt Hannes Bondesen dann, „ist, dass dabei was rauskommt.“

Spiel von Wind und Wellen

Keine Frage, solche Törns sind nichts für völlige Segelneulinge. Die meisten, die zu Ausbildungszwecken an Bord gehen, streben denn auch den Sportküstenschifferschein, den Sportseeschifferschein oder den Sporthochseeschifferschein an. Sie berechtigen – in aufsteigender Reihenfolge – zur Yachtführung in Küstengewässern, küstennahen Seegewässern oder auf hoher See. Aber man kann statt zum Schein- oder Meilenerwerb auch einfach spaßeshalber mitsegeln. Wenn nicht gerade Manöver anstehen oder schweres Wetter herrscht, ist Zeit genug zum Lesen, Angeln oder einfach zum Blick auf den Horizont und das Spiel von Wind und Wellen.

Und wem dabei der Weg nicht vollends zum Ziel wird, der kann immer noch die Karibik als Ziel schätzen. Ob bei Ausflügen zu den vulkanischen Pitons von Saint Lucia oder beim Ankern in der Wallilabou Bay von Saint Vincent, die bei den Filmaufnahmen zu „Fluch der Karibik“ als „Port Royal“ dient. Wenn das Beiboot zu Wasser gelassen wird – zum Landgang auf so winzigen Eilanden wie Palm Island, Sandy Island oder auch der nur mit einem Sonnenschirm aus Palmwedeln ausgestatteten Insel Mopion. Oder wenn man beim Blues Festival in Basil’s Bar auf der Prominenteninsel Mustique seine Piña Colada als Sundowner schlürft.

Und wer danach zum Nachthimmel aufblickt, bevor er in die Koje klettert, wird in der Milchstraße vielleicht auch jene vier hellen Sterne ausmachen, die das Kreuz des Südens bilden, unter dem die Crew hier segelt.

Von Daniel Alexander Schacht

Segelschein in der Sonne

Unter den vielen Yachtschulen, die im Verband Deutsche Sportbootschulen zusammengeschlossenen sind, bieten einige eine Segelausbildung in der Karibik an – eine Auswahl:

Karibik, Kanaren und Mittelmeer: Yachtschule Hannover,
Rudolf-von-Bennigsten-Ufer 51, 30173 Hannover,
Tel. (05 11) 88 23 14.
Angebot: Karibik-Törn Februar 2010 zwei Wochen rund 2600 Euro inklusive Flug, zuzüglich Verpflegung.
www.yachtschule-hannover.de

Karibik, Kanaren und Mittelmeer:
Segel-Yacht & Surfschule Altwarmbüchener See, Pappelweg, 30916 Hannover,
Tel. (05 11) 61 35 45.
Angebot: Karibik-Törn zwei Wochen Anfang 2010 rund 3500 Euro inklusive Flug, zuzüglich Verpflegung.
www.sail-surf-hannover.de

Karibik und Mittelmeer:
Yachtschule Michael Weber, Niebuhrstr. 41, 10629 Berlin,
Tel. (0 30) 3 24 07 39.
Angebot: Karibik-Törn Februar 2010 zwei Wochen ab 1600 Euro zuzüglich Flug und Verpflegung.
www.segelschule-weber.de

Karibik, Seychellen und Kapverden:
Segeltraining Berlin-Potsdam, Meerscheidtstr. 7, 14057 Potsdam,
Tel. (0 30) 30 61 29 17.
Angebot: Kuba-Törn März 2010 zwei Wochen ab 3600 Euro inklusive Flug, Verpflegung, Landausflüge und Hotel in Havanna.
www.stberlin.de

Karibik und Kanaren:
Well Sailing, Gaußstr. 15, 22765 Hamburg,
Tel. (0 40) 43 18 90 70.
Angebot: Karibik-Törn Dezember 2009/Januar 2010 ab 890 Euro zuzüglich Flug und Verpflegung.
www.well-sailing.de

15.04.2009