Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Reisereporter Kreuzfahrt durchs Mittelmeer
Reisereporter Kreuzfahrt durchs Mittelmeer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:41 12.11.2012
Von Heike Schmidt
Die alte mediterrane Hafenstadt Kotor ist ein Ziel des Luxusliners. Quelle: Schmidt
Anzeige
Athen

Die Einfahrt ist spektakulär: Bis zu 1894 Meter hohe Bergketten umrahmen die Bucht, an deren Ende eine der ältesten Handels- und Hafenstädte Montenegros liegt: Kotor. Es ist die dritte Station der Schiffsreise mit dem Luxusliner „Silver Spirit“, die von Athen über Monemvasia, Korfu, Kotor und Split nach Venedig führt. 945 nautische Meilen wird das Schiff der Londoner Silversea-Gruppe dann hinter sich gebracht haben.

340 Personen sind an Bord. Fast die gleiche Anzahl an Mitarbeitern kümmert sich um das Wohl der Gäste, die nicht nur einen persönlichen Butler während der Reise haben, sondern auch die zahlreichen anderen angenehmen Dinge wie beispielsweise das Spa oder den Fitnessraum, das Schwimmbecken und die Whirlpools an Deck nutzen können. Zudem gibt es fünf verschiedene Restaurants wie das italienische La Terrazza, The Restaurant, das Stars, das japanische Seishin oder das Le Champagne, das unter dem exklusiven Banner „Relais & Chateau“ geführt wird, für das man allerdings extra zahlen muss. Alles andere - selbst die Trinkgelder - ist inbegriffen. Doch dieser Luxus hat natürlich seinen Preis: Rund 6000 US-Dollar kostet eine einwöchige Reise pro Person.

Anzeige

Kotor. Meterdick ist die Stadtmauer, hinter der prächtige Renaissancebauten vom Stolz der einst so mächtigen Handelsstadt erzählen. Im 14. Jahrhundert war die Bedeutung Kotors so groß, dass es sogar Venedig Konkurrenz machte. Doch die mächtigen Italiener ließen sich das nicht lange bieten: Sie griffen die Stadt 1369 an, eroberten und zerstörten sie. Ein beeindruckendes Zeugnis davon ist noch heute in einer der kleinsten und ältesten Kirchen im Stadtkern zu sehen: Bis auf ein Fresko haben die Venezianer alle Malereien in der romanischen St.-Lukas-Kirche von 1195 herausgehauen.

Nachdem Kotor kurz unter ungarische und bosnische Herrschaft gelangte, stellte sich die Stadt 1420 freiwillig unter den Schutz Venedigs - und sie profitierte von den mächtigen Kaufleuten und auch von den Glasbläsern der Murano-Inseln: Die Bewohner erlernten, wie man farbiges, mit Gold oder Silber durchsetztes Glas herstellte. Touristen können noch heute davon profitieren: Sie können hübsche Mitbringsel aus Murano-Glas wie Ohrringe oder Kettenanhänger in Kotor erstehen.

Wer ein wenig sportlich ist, sollte den Aufstieg hoch über die Stadt nicht scheuen. Gleich hinter der Touristeninformation führen die ersten Stufen hinauf. Drei Euro kostet es, den Weg entlang der einstigen Stadtmauer bis zur Ruine des Forts, das die Stadt einst sicherte, zu erwandern. 40 Minuten dauert es hinauf. Die Aussicht über die Bucht und die Stadt ist grandios. Man sollte sich bloß genügend Wasser mitnehmen.

Das sollte man auch dabeihaben, wenn man die Ruinen von Monemvasia in Griechenland erklettern möchte. Es war der erste Stopp des Schiffes auf seiner Reise nach Italien, und es war der einzige Halt, an dem die Passagiere ausgeschifft werden mussten. Der Hafen des kleinen Fischerdorfes ist viel zu klein für ein Kreuzfahrtschiff. Im Byzantinischen Reich war die Festung, die hoch oben auf einem Felsen lag, ein bedeutender Stützpunkt. Sie galt als uneinnehmbar. Selbst zahlreichen arabischen Belagerungen als auch dem normannischen Eroberungsversuch von 1147 hielt sie stand.

Der Aufstieg ist beschwerlich. Die Steine sind rund geschliffen und so rutschig wie nach einem Regenguss. Doch der Ausblick über die sagenhafte Steilküste hinaus aufs offene Meer entschädigt ebenso wie der warmherzige Empfang auf der „Silver Spirit“ bei der Rückkehr. Dort wartet nicht nur der Butler mit frischem Orangensaft, im La Terrazza ist „Tea Time“, ganz nach englischem Vorbild mit kleinen Petit Fours, in Streifen geschnittenen Sandwiches und selbstverständlich frisch aufgebrühtem losem Tee, den man sich zuvor aussuchen darf. Gesprochen wird nicht nur an diesem Nachmittag Englisch. Deutsch spricht niemand an Bord.

Der nächste Tag ist ein Seetag - Zeit, einmal alles auszuprobieren. Der Zimmerservice bringt das bestellte Frühstück: gegrillte Pfirsiche mit Honig, Couscous mit Datteln, frische Früchte und Cappuccino. Gemächlich pflügt das Schiff entlang der Küste. Mit dem Feldstecher, der in jedem Zimmer bereitliegt, lassen sich hervorragend die kleinen Orte und herannahenden Schiffe oder eben am kommenden Morgen bei Sonnenaufgang die Festung von Korfu beobachten.

Wie auch in Split locken hier neben steinernen Geschichtszeugen vor allen Dingen auch Shoppingerlebnisse. Während es in der Altstadt von Korfu wohl kaum eine Tasche, Sonnenbrille oder Uhr einer Edelmarke gibt, die nicht als nachgemachtes Exemplar angeboten wird, sind es in Split vor allen Dingen die Schuhläden, die in ihrer Vielfaltanziehen. Durch die dicken Mauern des Palastes von Diokletian aus dem3. Jahrhundert vor Christus geht es hinein in die Altstadt, deren Gassen ebenfalls so eng wie die in Kotor sind. Fast kann man mit ausgestreckten Armen von einer Häuserwand zur anderen greifen. Autos gibt es hier nicht. Dafür aber in römische Trachten gekleidete junge Männer, die gern für ein Foto vor den Überresten der römischen Zeit posieren.

Wieder an Bord naht die letzte Etappe und gleichzeitig der Höhepunkt der Reise: Venedig, die wohl stolzeste Stadt des Mittelmeers. Traditioneller als vom Meer aus kann man sich ihr wohl kaum nähern.

Gemütlich zieht der Luxusliner an den ersten Inseln, auf denen das berühmte Murano-Glas verarbeitet wird, vorbei. Die Kellner servieren an Deck Snacks und kühle Erfrischungen. Kaum jemand ist jetzt noch in seiner Kabine. Die meisten Passagiere sind auf dem Sonnendeck und genießen den ersten Blick auf die sagenhafte Stadt.

Am Markusplatz vorbei geht es in Richtung Hafen, wo die Kreuzfahrtschiffe liegen. Von hier aus sind es nur ein paar Schritte, und man ist mitten in einer Stadt, die schon immer auch eine feste Anlaufstation der Seefahrer war. Ein letztes Abendessen, ein letzter Champagner. Dann heißt es Abschied nehmen von Schiff und Stadt - die beide in ihrem Luxus bestens zusammenpassen.

Willkommen an Bord
Umgangssprache an Bord der Silversea-Schiffe ist Englisch. Die Kleidung ist tagsüber sportlich-leger, abends bei speziellen Events auch festlich.

Die Reise von Piräus (Athen) über Monemvasia, Korfu, Kotor, Split bis nach Venedig umfasste sieben Nächte an Bord. Die Reederei Silversea hat in Deutschland ihre Vertretung in Frankfurt/M. und ist dort in der Schillerstrasse 31, 60313 Frankfurt/M., oder unter Telefon (069)13383634, zu erreichen. Die nächste Reise, bei der ein Schiff beispielsweise Kotor und Korfu ansteuert, beginnt am 25. Mai 2013 von Athen aus. Auch andere Reedereien wie MSC Kreuzfahrten laufen Kotor an.

Weitere Informationen finden Sie unter www.silversea.de

Stefan Stosch 29.10.2012