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Reisereporter Knirpse zu Knipsern
Reisereporter Knirpse zu Knipsern
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09:57 14.05.2013
Von Ronald Meyer-Arlt
Schöner spielen: Louis, zwölf Jahre, lernt beim Training in der Fußballschule, wie man mit der richtigen Technik am besten zum Ziel kommt. Quelle: Ronald Meyer-Arlt
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Palma

Am Ende sind die Erwachsenen dran. Aber nur, wenn sie wollen. Die Väter wollen alle. Einige Mütter wollen auch. Die anderen machen Fotos vom Spielfeldrand. Das Spiel „Kinder gegen Erwachsene“ ist immer der Höhepunkt am Trainingsende in der Fußballschule von Bernard Dietz auf Mallorca. Selbstverständlich geben die Eltern hier nicht wirklich alles. Wenn einer der ganz kleinen Knirpse mit dem Ball vorm Fuß glücklich Richtung gegnerisches Tor gestokelt ist, gibt der eine oder andere Abwehrvater auch schon mal die letzten Meter des Weges frei.

Aber wenn die Kinder in Führung gehen - und das tun sie, Schiedsrichter sei Dank, so gut wie immer beim Eltern-Kinder-Kampf -, dann schleicht sich doch eine gewisse Verbissenheit ins Elternspiel ein. Väter, die eigentlich nur mit ihrem schlechteren Bein aufs Tor zielen dürfen (Linksfüße mit rechts, Rechtsfüße mit links), köpfen den Ball dann auch schon mal ins obere Eck - unhaltbar für die zwölfjährige Hella, die ansonsten eine ganz gute Torfrau abgibt.

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Schiedsrichter Markus Kranz (der hier zum Trainerstamm gehört und früher für den 1. FC Kaiserslautern, Bayer Uerdingen und Dynamo Dresden gespielt hat) pfeift ab: Das Tor gilt nicht. Abseits, sagt er. Und dass das ja wohl auch gar keine Frage sei. Und dass die Väter, die jetzt motzen, sich gleich auf ein paar Strafliegestütze einstellen könnten.

Die Elternfreude über den großartigen Kopfballtreffer verebbt. Die Kinder jubeln. Schule im Urlaub ist toll! Jedenfalls solange es sich um eine Fußballschule handelt. Die Lehranstalt von Bernard Dietz liegt in Sa Coma im Osten der Insel. Die Anlage besteht aus einem saftig grünen Rasenplatz mit einer kleinen, schattigen Tribüne und einem Häuschen mit Garderoben und - ganz wichtig - gut gefülltem Getränkelager.

Kinder von fünf bis 14 Jahren können an der Fußballschule an fünf Tagen in der Woche jeweils 90 Minuten unter sachkundiger Anleitung trainieren. Auch Eltern freuen sich manchmal über kinderfreie Stunden, in denen sie sich am Pool entspannen oder an den malerischen Buchten spazieren können - wobei dann mal keiner „Och nö, nicht immer nur rumliegen und lesen“ quakt. Es hat schon was, wenn die Kinder beschäftigt sind. Und wenn sie nach dem Training glücklich ins Hotel kommen, sind auch die Eltern froh.

Die Fußballschule arbeitet eng mit einigen der anliegenden Hotels zusammen. Für den Bustransfer zur Kickschule wird gesorgt, Eltern können mitfahren, müssen aber nicht; das kommt auf das Alter und die Selbstständigkeit der Kinder an.

Schauinsland-Reisen hat dafür gesorgt, dass Bernard Dietz die Fußballschule zu Beginn dieser Reisesaison übernommen hat. Wie so vieles beim Fußball hat auch dieser Kontakt eine Menge mit Romantik und Zugehörigkeitsgefühl zu tun. Der Reiseveranstalter (ein aufstrebendes mittelständisches Unternehmen, das auf Mallorca stark vertreten ist) ist einer der wichtigsten Sponsoren des Zweitligisten MSV Duisburg. Bernard Dietz war in den siebziger und achtziger Jahren einer der wichtigsten Spieler des damaligen Bundesligavereins MSV Duisburg. Dietz stand auch für die deutsche Nationalmannschaft auf dem Platz; als Deutschland 1980 die Europameisterschaft gewann, war er der Kapitän. Und in Bochum hat er die A-Jugend trainiert. Im Ruhrgebiet veranstaltet er zusammen mit seinem Sohn, einem Sportwissenschaftler, Fußballcamps für Kinder und Jugendliche. So lag es für die Leute von Schauinsland nahe, ihn zu bitten, die Fußballschule auf Mallorca zu übernehmen.

Dass Bernard Dietz schon knapp im Rentenalter ist, sieht man ihm nicht an. Er ist braun gebrannt und drahtig, seine Falten kommen vom Lachen. Wenn die Kinder wollen, erzählt er ihnen von seiner Profikarriere. Wie das war, damals 1982, als der MSV Duisburg den Abstiegskampf verlor und die Bundesliga verlassen musste („Die meisten Jungs hatten Tränen in den Augen“). Oder wie er in seinen ersten zehn Spielen beim MSV sensationelle 19 Tore geschossen hatte und ihm dann - nachdem sein Trainer ihm fürs nächste Tor ein besonderes Geschenk in Aussicht gestellt hatte - das 20. partout nicht gelingen wollte. Und wie stolz er war, als ihm an seinem ersten Tag als Nationalspieler Trainingsanzug, Sporttasche und Adiletten gestellt wurden.

Manchmal erzählt er solche Sachen auch den Vätern am Spielfeldrand. Schließlich wollen nicht alle Kinder die Geschichten aus einer Zeit hören, als es den Spielern nicht so sehr ums Geld ging, sondern um die Leidenschaft. Die Kinder wollen kicken, und das geht auf dem sattgrünen Rasen der Fußballschule viel besser als mit dem Gummiball zwischen Handtuchknäulen am Strand.

Zum Spaß gehört bei Bernard Dietz auch ein Andenken: Das Trikot und den Ball dürfen die Fußballschüler nach der Kickwoche behalten. Und wenn es gewünscht wird, schreibt er noch ein Autogramm darauf. Damit die Jungs zu Hause noch ein bisschen neidischer werden.

Michael Pohl 06.05.2013
Gunnar Gerold 04.07.2018
Stefan Stosch 08.04.2013