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Reisereporter Kap der guten Taten
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15:39 07.04.2012
Freiwillig arbeiten in Südafrika.
Freiwillig arbeiten in Südafrika. Quelle: Endruszeit
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Kapstadt

Sally ist bester Laune. Genüsslich nimmt sie von den Schulkindern Möhren und andere Leckereien entgegen. Und sie hat überhaupt nichts dagegen, wenn eines der neugierigen Kinder ihren Rüssel anfassen will. Die 22 Jahre alte Elefantenkuh ist die unangefochtene Mutter der Herde im Knysna Elephant Park an der südafrikanischen Garden Route. Wenn Sally mit den anderen Dickhäutern auf dem rund 100 Hektar großen Gelände umherstreift oder in direkten Kontakt mit Besuchern kommt, sind ihr immer ein paar junge Leute mit Zettel und Bleistift auf den Fersen. Akribisch notieren sie jeden Schritt: Wie viel frisst sie? Wie reagiert sie auf neugierige Menschen? Wie geht sie mit ihren Artgenossen um? Die Jugendlichen nutzen die Chance, einen ganz besonderen Freiwilligendienst zu absolvieren.

Wer Elefanten ganz nah sein möchte, kann im Knysna Elephant Park unvergessliche Wochen erleben. Auch aus Deutschland zieht es immer wieder junge Tierfreunde in die seit 1994 existierende Forschungseinrichtung. So auch Clara Schönefeld aus Bremen. „Ich wollte vor meinem Studium unbedingt ins Ausland“, sagt die 20-Jährige. Freunde gaben ihr schließlich den Tipp, doch mal einen „tierischen“ Freiwilligendienst zu absolvieren. Und sie hat es nicht bereut. „Es ist einfach toll, die Tiere hautnah zu erleben. Schon nach einer Woche merkt man, dass die einzelnen Elefanten ganz unterschiedliche Charaktere haben.“ Die Beobachtungen der jungen Leute sind wichtig, um den Elefanten im Park optimale Lebensbedingungen zu bieten. Schließlich kommen täglich Besucher, die sogar Ausritte auf dem Rücken der gigantischen Tiere unternehmen können. Und da gilt es, Stress zu vermeiden.

Auch für Annika Vennemann aus Hannover ist die Arbeit mit den Elefanten eine einzigartige Erfahrung. „Ich habe mir die Tiere ganz anders vorgestellt“, verrät die 18-Jährige. Schließlich lerne man sie ganz anders kennen, wenn man ihnen immer auf den Fersen bleibt. Felix Munkuli ist das bereits seit sechs Jahren. Er kümmert sich als hauptamtlicher Elefanten-Guide tagtäglich um die Tiere. „Das ist mein Traumjob.“ Jeden Morgen um 6.30 Uhr führt er die zwölfköpfige Herde ins Freigelände - dort haben die Dickhäuter viel Zeit und Raum nur für sich. „Zwei Tiere sind sogar bei uns im Park geboren“, erzählt Manager Greg Vogt. Ganz besonders stolz ist er auf die hauseigenen Gästezimmer. Die liegen buchstäblich unter demselben Dach wie die Boxen der Elefanten. Wer aus seinem Zimmer tritt, blickt direkt auf die nur wenige Meter entfernten Schlafplätze der Tiere. „Das dürfte weltweit einzigartig sein“, sagt Vogt. Die Parkbetreiber sind auch Gründer der African Elephant Research Unit (AERU), die die Lebensweise der Tiere erforscht. In Knysna finden Fachleute einzigartige Forschungsbedingungen. Die Elefanten sind immer in der Nähe des Menschen, haben aber trotzdem viel Freiraum. „Viel Potenzial für langfristige Studien“, weiß Dr. Debbie Young, wissenschaftliche Leiterin des Parks. Kein Wunder, dass auch Doktoranden die Einrichtung für ihre Arbeit nutzen.

Die Mitarbeit bei Freiwilligenprojekten in Südafrika wird immer beliebter. Und das nicht nur bei jungen Leuten. „Unser bisher ältester Teilnehmer war 67 Jahre alt“, betont Marnie Heim-Stafford von der südafrikanischen Firma Voluntours, die sich um die Vermittlung von Teilnehmern kümmert. „Häufig engagieren sich sogar ganze Familien gemeinsam mit ihren Kindern für lokale Projekte.“ Für so manchen Gast aus Deutschland sei die Mitarbeit an einem Hilfsprogramm der ideale Ausgleich zum stressigen Berufsalltag. Und schließlich komme auch die Erholung nicht zu kurz - zum Kennenlernen von Land und Leuten oder einfach mal zum Ausspannen bleibt immer genug Zeit.

Die Möglichkeiten zur Mitarbeit sind vielfältig - beispielsweise bei Fahrradprojekten. „Fahrräder hatten in Südafrika lange einen schlechten Ruf. Denn nach dem Zweiten Weltkrieg erhielten Weiße ein Stück Land und Schwarze nur ein Fahrrad. Deshalb galten die Zweiräder als ein Symbol der Armut und der Diskriminierung“, weiß Heim-Stafford. Schritt für Schritt ändert sich das - auch mithilfe der Freiwilligenprojekte. In Pretoria konnten auf diese Weise in den Townships Reparaturstellen für Fahrräder und sogar ein Hindernisparcours für Kinder gebaut werden. Das bringe ein Stück Sicherheit. „Alle Jungs spielen Fußball, aber keiner fährt Fahrrad“, beobachtete Heim-Stafford.

Auf zwei Rädern basiert auch „Lebos Backpackers“ in Soweto. Zum einen kommen dort Freiwillige unter, die sich auf vielfältige Weise in dem Johannesburger Township engagieren, zum anderen können Touristen Soweto mit dem Fahrrad entdecken. Zum Beispiel mit Touristenführer Philly Malepa. Eine Chance, die immer mehr Gäste nutzen. Längst hat die von bis zu fünf Millionen Menschen bewohnte Stadt ihren schlechten Ruf abgelegt. Wer mit dem Rad unterwegs ist, wird überall von fröhlichen Menschen begrüßt. Das neue Südafrika ist buchstäblich greifbar - Radtouristen müssen in Soweto am Wegesrand viele Hände schütteln. Ein Beispiel für die neue Zeit ist Simphiwe Maqubela. Ihr Vater betreibt in Soweto gleich neben dem Mandela-Haus das Restaurant Sakhumzi. Oft hilft sie beim Kellnern, doch eigentlich studiert sie an der Universität Ökonomie. „Wir haben viel mehr Chancen als unsere Eltern“, weiß sie.

Wer sich bei Freiwilligenprojekten engagiere, kann viel gewinnen. „Es ist keine touristische Erfahrung, sondern eine fürs ganze Leben. So mancher entdeckt dabei seine soziale Ader und findet so seinen späteren Beruf“, meint Marnie Heim-Stafford. Wer seine Teilnahme von Voluntours organisieren lasse, stelle sicher, dass 100 Prozent des Geldes in Südafrika bleiben. Das sei längst nicht bei allen Projektanbietern so. Apropos Geld: Für einen vierwöchigen Aufenthalt sollten Interessenten etwa 1200 Euro einplanen, hinzu kommen Kosten für Flüge und Versicherungen. Denn freiwillig heißt nicht kostenlos.

Auch wer nicht selbst mit anpacken möchte, kann während seines Südafrika-Aufenthaltes mit gutem Gewissen unterwegs sein. Dafür steht Fair Trade Tou-rism Südafrika (FTTSA), das ein spezielles Fair-Trade-Label an Tourismusanbieter verleiht, die fairen, umwelt-verträglichen und sozial gerechten Urlaub ermöglichen. „Wir stellen zum Beispiel auch sicher, dass bei unseren Partnern Mindestlöhne gezahlt werden“, versichert Projektmanagerin Katarina Mancama aus Pretoria. „Der Tourist soll wissen, dass sein Geld nicht nur bei ein paar Leuten landet, sondern vielen zugutekommt.“ Noch gebe es aber nicht genug geeignete Anbieter. „In diesem Jahr wollen wir weiter expandieren“, so Mancama. Dabei steht Touristen bereits jetzt eine große Auswahl an Angeboten zur Verfügung - von der Unterkunft für Rucksacktouristen bis hin zum vornehmen Hotel.





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