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Reisereporter Goldene Kuppeln und grüne Entengrütze
Reisereporter Goldene Kuppeln und grüne Entengrütze
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11:06 07.04.2011
Blick auf den Dnjepr: Wegen seiner vielen Kirchen und Klöster wird Kiew seit dem Mittelalter auch als Jerusalem des Ostens bezeichnet.
Blick auf den Dnjepr: Wegen seiner vielen Kirchen und Klöster wird Kiew seit dem Mittelalter auch als Jerusalem des Ostens bezeichnet. Quelle: istpockphoto
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Wer unfromm ist, könnte angesichts der armen Menschen und der prachtvollen vergoldeten Kuppeln spötteln: „Dafür also haben sie Geld!“ Wer zum Neid neigt, könnte sich angesichts der Protzschlitten immerhin davon trösten lassen, dass sie ohnehin sehr oft im Stau stehen.

Und wer seine müden Füße gern mit bequemem Schuhwerk verwöhnt, staunt über diese schönen ukrainischen Mädchen und Frauen, die es schaffen, selbst auf Kopfsteinpflaster mit schwindelerregend hohen Absätzen – meist unstöckelig – zu flanieren. Kirchen und Kathedralen, Angeberautos und Highheels – das sind die ersten Eindrücke, die man von der ukrainischen Hauptstadt Kiew bekommt. Und schon ist man fasziniert.

Aber gemach. Bevor die Reichen-Datschen à la Klein-Neuschwanstein und dahinter die Trabanten-Skyline von Kiew am Ufer des Dnjepr auftauchen, beginnt der Trip ganz bescheiden im Schwarzmeer-Städtchen Odessa. Nun gut, nicht ganz so bescheiden. Immerhin ist Odessa eine alte Zarenstadt, in der Katharina die Große mit ihren Liebhabern (unter anderem Graf Potemkin, nach dem auch die 192-Stufen-Treppe von der Innenstadt hinunter zum Hafen benannt ist) residierte.

Die Briefkästen stehen direkt am Wasser

Auf der Karte ist es nur ein Katzensprung, doch Sewastopol kann sehr weit sein, wenn das Schwarze Meer stürmisch ist. 2,50 Meter hohe Wellen auf dem Meer sind für ein Flusskreuzfahrtschiff schon recht hoch. Wer angekommen ist, ohne seekrank zu werden, ist genau dort, wo sich die ukrainische und russische Schwarzmeerflotte treffen, wo moderne Seefahrt und alte Stalin-Denkmale ein harmonisches Miteinander pflegen.

Doch die Zeit reicht nicht, der Bus Richtung Ruinen von Cherssones wartet. Eine griechische Kolonie aus dem 5. Jahrhundert vor Christus, reich an archäologischen Zeugnissen. Danach die südliche Krim. Die Hügel sind goldgelb vom sonnenverbrannten Gras, die hell gestrichenen Häuser sollen der Hitze trotzen, und abseits der Pappelalleen ragen Zypressen in den Himmel.

Übers Meer geht es in Richtung Dnjepr-Delta. Lagunen, grüne Entengrütze, Schilf, Bötchen mit Anglern, (Sonnen-)Badende auf wackligen Stegen. Hier besuchen sich Nachbarn mit dem Boot, die Briefkästen der Häuser stehen direkt am Wasser. Einsam, schön einsam, ist es am Dnjepr-Ufer. So viel Grün, so viel Licht, so viel Weite. Ab und zu sind Angler in kleinen Booten oder am Ufer zu sehen, sie winken.

Die „MS Watutin“ gleitet durch diese Landschaft, als wäre sie ein Teil davon, die Gäste an Bord sind zufrieden, machen einen der lustigen Sprachkurse „Ukrainisch für Anfänger“, die von engagierten weiblichen Bord-Scouts angeboten werden. Andere lesen einfach ein gutes Buch oder bestaunen die Natur. Wenn es beginnt, in der Nase leicht unangenehm zu riechen, ist eine Industriestadt nahe. Filter in den Schloten Fehlanzeige.

Kiew selbst kündigt sich verträumt, fast niedlich an. Nette kleine und immer größere Häuser am Ufer. Kleine Palästchen, mit und ohne Steg, mit und ohne Boot, manche alte Datschen, renoviert, saniert, ruinös heruntergewohnt, prachtvoll wieder- oder neu aufgebaut.

Hinterm Horizont geht‘s weiter. Sie kommen immer näher, diese Riesenkartons, gegen die die Plattenbauten der damaligen DDR einen Ästhetikwettbewerb gewonnen hätten. Und die neueren aus Stahl und Glas, die sich durchaus dem Wettbewerb mit modernen Skylines stellen können. Schon blinken die Goldkuppeln der Klöster, Kirchen, Kathedralen.

Kiew, wir kommen!

Petra Rückerl

Pauschalreise
Nicko Tours bietet die zehntägige Dnjepr-Flussfahrt von 899 Euro bis 1899 Euro an. Flüge mit LOT oder Malev ab Berlin sind inklusive, ein Linienflug mit Czech Airlines, LOT oder Malev ab Frankfurt am Main, Stuttgart, München, Hamburg, Hannover, Düsseldorf oder Köln mit Aufpreis. Bei individueller Anreise kostet die Reise (ohne Flug und Transfers) 400 Euro weniger.
Beste Reisezeit
Die Ukraine weist ein eher gemäßigtes Kontinentalklima auf. Die Sommer sind relativ warm, die Winter kalt und schneereich. Fast schon mediterran mutet das Klima an den Küstenregionen des Schwarzmeeres und der Krim-Halbinsel an. Optimale Reisezeit: von Mai bis September.

Literaturtipp
Reiseführer „Ukraine – zwischen den Karpaten und dem Schwarzen Meer“, Trescher Verlag, 19,95 Euro, informativ und ausführlich.