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Reisereporter Genua - stolze Stadt am Meer
Reisereporter Genua - stolze Stadt am Meer
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00:35 18.07.2009
Der Palazzo Ducale, früher ein Machtzentrum in der Mitte der Stadt, beherbergt unter anderem Kunstausstellungen. Quelle: srt
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Die einen sind von Genua regelrecht entzückt, andere wiederum nachhaltig abgeschreckt. Wieder andere loben die 600.000-Einwohner-Stadt als authentischste Großstadt Italiens, was vor allem daran liegt, dass hier die Touristen noch nicht in Massen einfallen wie etwa in Florenz, Venedig und Rom. Kurz: Die ligurische Hauptstadt polarisiert und ist alles andere als Mittelmaß.

Nur wenige Städte haben in ihrer Geschichte derart ausgeprägte Höhen und Tiefen erlebt. Einst mächtiges Finanzzentrum im Mittelalter und ein Hort höchster Kunstgenüsse musste die Küstenstadt, die neben Christoph Kolumbus noch viele weitere große Seefahrer hervorgebracht hat, auch immer wieder schwere Rückschläge einstecken.

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In den siebziger und achtziger Jahren zum Beispiel. Die mittelalterliche Altstadt, mit rund 400.000 Quadratmetern angeblich die größte Europas, machte damals einen verwahrlosten und der vernachlässigte Hafen mit seinen Schrottbergen und dunklen Ecken einen abstoßenden Eindruck. Kein Wunder, dass Touristen oft einen Bogen um die Hauptstadt Liguriens machten.

Der Schwung der Neunziger

Doch dann kamen die neunziger Jahre und mit ihnen ein neuer Schwung, beflügelt von den Kolumbus-Feiern 1992 und den Vorbereitungen zum Kulturhauptstadtjahr 2004. Und tatsächlich: „La Superba“ – die Stolze – ist wieder eine andere geworden: eine schönere, freundlichere und eben stolzere Stadt.

Das liegt nicht zuletzt daran, dass in das Altstadtgewirr aus Hunderten kleiner Gassen und echt schräger Wege Licht gekommen ist. Im wahrsten Sinne. Schließlich wurden auch abgelegenere Passagen in den vergangenen Jahren mit Laternen ausgestattet, was sie als Standort dunkler Geschäfte automatisch unattraktiver machte.

Große Leuchtkraft geht auch von den seit Jahren nach und nach restaurierten Kirchen, Bürgerhäusern und Palästen aus. Von denen ist die einst so machtvolle Handelsstadt nämlich übervoll, was man aber viele Jahre lang gar nicht mehr wahrnehmen konnte. Doch beim Entstauben alter Fassaden, beim Entrümpeln von Hinterhöfen und beim Restaurieren von Häusern kam der Glanz der Vergangenheit wieder ans Tageslicht.

„Mitunter muss man genau hinsehen, um die Schätze zu entdecken, doch es gibt sie zahlreich. Vor allem wenn man nach oben blickt“, sagt Stadtführerin Daniela begeistert. „Untenrum sehen die Läden oft gewöhnlich aus, doch in den oberen Etagen werden Fresken, Rundbogenfenster und mittelalterliche Strukturen deutlich“, erzählt die seit Jahren in Genua lebende Frau, die die Entwicklung hautnah und mit Freude verfolgt.

Mit Freude zeigt sie Gästen auch weitere Glanzpunkte ihrer Stadt: die schwarz-weiß gestreifte Kathedrale San Lorenzo, die – typisch für Genua – ohne großes Trara mitten in der Altstadt auftaucht, Kunstliebhabern jedoch wegen der interessanten romanisch-gotischen Stilkombination die Freudentränen in die Augen treibt. Dann den Palazzo San Giorgio, an dessen Außenwänden beim Restaurieren die Fassadenfresken von Lazzaro Tavarone wieder zum Vorschein kamen. Und den neoklassizistischen Palazzo Belimbau an der Piazza della Nunziata, der mit seinem opulenten Inneren sicherlich zu den schönsten Palazzi dei Rolli zählt, von denen gleich 42 an der Zahl im Jahr 2006 zum Unesco-Weltkulturerbe gekürt wurden.

Zugleich setzte man in Genua mit Messen und Kongressen auf eine neue Klientel. Die kam auch mit den immer häufiger anlegenden Luxusjachten und Kreuzfahrtschiffen. Was nicht zuletzt am Porto Antico liegt, den der aus Genua stammende Stararchitekt Renzo Piano zur „Piazza am Mittelmeer“ umgestaltete und zugleich zum neuen Aushängeschild der Stadt aufwertete.

Muster für Stadtsanierung

Das Acquario, 1992 zur Expo und den Kolumbusfeiern eingeweiht, ist längst auch international ein Begriff, ebenso das 2004 hinzugekommene Meeresmuseum Galata, das größte seiner Art im Mittelmeerraum. Der vielarmige Hafenkran Bigo, dessen gläserner Panoramaaufzug aufregende Ausblicke ermöglicht, hat sich als neues Wahrzeichen ins Gedächtnis gebrannt. Ebenso das einhellige Lob, einem abgeschnittenen, dunklen Viertel wieder Leben eingehaucht zu haben, mit Restaurants und Museen, dem Jachthafen und der einladenden Fußgängerzone direkt hinüber zur Altstadt.

Seither wird Genua europaweit als Musterbeispiel für eine gelungene Stadtsanierung angeführt. Das liegt nicht zuletzt auch an den kleinen Schätzen: etwa, wenn Cafés an lange geschmähten Plätzen und Seitengassen eröffnen, Geschäftsleute nach langer Schließung die Rollläden wieder hochfahren und neue Blumenläden Farbe in die Häuserschluchten bringen.

Daniela jedenfalls sagt: „Das Leben ist zurückgekehrt“, und das längst nicht nur tagsüber. „Früher ist man abends nicht in die Altstadt gegangen, sondern hat sich eher privat zu Hause getroffen, jetzt fühlen sich die meisten wieder sicher und gehen aus“, so Daniela. Plätze wie die Piazza delle Erbe haben sich zu einem echten Treffpunkt der Movida entwickelt, der abendlichen Partybewegung ausgehfreudiger Genueser. Danach geht es im Pulk in die Klubs und Diskos oder einfach nur durch die Gassen der Altstadt. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch die Urlauber sich in großer Zahl ins aufregende Nachtleben der einst so verruchten Hafenstadt stürzen.

Von Christian Haas

Weitere Informationen

Genova Turismo, Piazza Acquaverde, I-16126 Genova, Tel. (0039/0 10) 2 46 26 33. www.turismoinliguria.it