Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Reisereporter Gegen Langeweile ist ein Kraut gewachsen
Reisereporter Gegen Langeweile ist ein Kraut gewachsen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:12 15.01.2010
Kinder beim Spielen
Schneller! Der Renner auf diesem Bauernhof ist ohne Zweifel der kleine Trecker. Quelle: Baiersbronn-touristik.de
Anzeige

Lernen und Erleben

Auf diesem Holzweg ist man ganz richtig: Die Bretter unter den Füßen knarzen und schützen den moosbedeckten Waldboden. Zweieinhalb Kilometer ist dieser Naturerlebnispfad quer durch den Forst lang, bei dem es in regelmäßigen Abständen Wissenswertes rund ums Holz zu entdecken gibt: Warum wird Holz im Gegensatz zu Metall nicht warm? Warum klingt es gut? Und warum ist Holz stabiler als Beton, wenn es brennt? Die Antworten finden die Kinder auf Tafeln, die jeweiligen Eigenschaften des Holzes an den dazugehörigen Stationen spielend erleben.

Ungefähr auf der Hälfte der Strecke gibt es einen großzügig angelegten Picknickplatz mit einem Spielplatz, der Eltern wie Kinder zum Klettern und Balancieren auf Holzgerüsten einlädt.

Ab sechs Jahre mit Eltern.

Suchen und Finden

Angelina weiß, wo es langgeht. Das kleine Display ihres GPS-Gerätes zeigt eine Karte. Dort zeigt ein Pfeil genau an, wo sich die Achtjährige im Baiersbronner Wald befindet. Fünf Stationen müssen die Kinder finden. Beantworten sie die dort gestellte Frage richtig, bekommen sie die Koordinaten für den nächsten Teilabschnitt ihrer Schatzsuche rund um den Rinkenkopf.

Auch die Eltern sind gefragt – für Kinder ist das Eintippen der Koordinaten in das GPS-Gerät doch etwas schwer. Aber gemeinsam ist der Weg gut zu schaffen, am Ende finden die Kinder eine Schatztruhe mit Kleinigkeiten. Zielpunkt ist die Satteleihütte, wo es etwas Kühles zu trinken und herzhafte Speisen gibt.

Ab sechs Jahre mit Eltern.

Abenteuer

Allein geht es nicht hinauf: Nur gemeinsam schaffen Angelina und ihr Vater Michael es, die Himmelsleiter hinaufzuklettern. Beide sind mit Seilen gesichert. Diese Aufgabe haben die am Boden Gebliebenen übernommen, während Vater und Tochter mit der überdimensionalen Strickleiter kämpfen. Gar nicht so einfach: Nicht nur, dass die Abstände zwischen den Sprossen variieren, die Himmelsleiter schwankt auch noch, kaum stößt man sich mit einem Fuß ab.

Im Seilgarten von Hartmut Frey in Klosterreichenbach lernen Kinder wie Erwachsene, dass es manchmal im Leben nicht ohne den anderen geht, und haben dabei noch viel Spaß!

Ab acht Jahre mit Eltern, ab zehn allein.

Die Milch macht‘s

Kurbeln, kurbeln, kurbeln – wer sich frische Butter aufs Brot schmieren will, der muss ordentlich an der Kurbel drehen, sonst gibt es keine. Auf dem Seidtenhof von Doris und Bernhard Seidt lernen Kinder nicht nur die Tiere eines Bauernhofs wie Kühe, Gänse oder Hasen kennen, sondern erfahren auch gleich, wie die Milch von den Kühen zur Butter wird. Besonders die Kleinen haben ihren Spaß. Zumal sie auch den Fuhrpark nutzen und mit Bobbycars oder Dreirad über den Hof flitzen dürfen.

Zwischendurch gibt es selbst gebackenen Kuchen, bevor dann der große Moment kommt, Bernhard Seidt die selbst gekurbelte Butter aus der Kühle holt und auf Brezeln schmiert – lecker! Unbedingt probieren sollte man aber auch das Eis, das die Familie selbst herstellt und das im ganzen Tal berühmt ist.

Ab drei Jahre mit Eltern. Geöffnet: täglich von 12 bis 23 Uhr, Mittwoch ist Ruhetag.

Märchenhaftes

Jaja, die liebe Familie. Wer könnte nicht Geschichten über sie erzählen. Wilhelm Hauff war da keine Ausnahme. In Schwarzenbronn, einem Ortsteil von Baiersbronn, lebte einst ein Pfarrer namens Johann Gottlieb Hauff, wohl ein entfernter Onkel Wilhelms. Dieser Pfarrer wiederum war mit einer Tochter des reichsten Holzhändlers, dem „reichen Jorge“ – wie Johann Georg Klumpp genannt wurde – verheiratet. Und genau dieser Holzhändler soll als Vorbild für den „Holländer Michel“ im der Geschichte „Das kalte Herz“ gedient haben. Sicher belegt ist das nicht. Aber es handelt sich ja auch schließlich um ein Märchen.

Ein kleines Museum neben der Kirche im Oberdorf von Baiersbronn weist darauf hin. Man sollte allerdings eine Führung durchs Museum einplanen. Die Tafeln allein sind wenig spektakulär. Hier gilt umso mehr: Das Märchen lebt von der Erzählung oder vom Vorlesen.

Ab drei Jahre mit Eltern. Hauffs Märchen-Museum, Alte Reichen-bacher Straße, 72270 Baiersbronn, Tel. (0 74 42) 8 42 12 10, geöffnet: Mittwoch, Sonnabend, Sonntag, 14 bis 17 Uhr.

Murgelspielhaus

Manchmal brauchen Kinder eine Auszeit von den Eltern und wollen unter sich sein. Dann lohnt sich ein Abstecher ins Murgelspielhaus. Das ehemalige Kurhaus neben dem Rosenplatz ist zum Spielhaus umgewidmet worden, in dem Jungen und Mädchen ab drei Jahren nach Herzenslust malen, basteln oder auch nur toben können. Zwei Erzieherinnen passen nicht nur auf sie auf, sondern sorgen auch dafür, dass es nicht langweilig wird.

Im „Murgelmagazin“, das schon fast Taschenbuchausmaße hat, sind die täglichen Aktivitäten vom Minigolfturnier bis zum Pizzabacken aufgeführt. Für Kinder, die als Gast in Baiersbronn sind, ist die Betreuung kostenfrei. Sonderaktionen wie dem „Gleitschirm-Schnupperkursus“ kosten extra.

Ab drei Jahre – ohne Eltern. Murgel Spielhaus, Bildstöckleweg 32, Baiersbronn, geöffnet: Montag bis Freitag 10 bis 12 und 14.30 bis 17, Sonnabend 10 bis 12 Uhr.

Spitze, diese Hotels

Nicht nur Kinder brauchen manchmal eine Auszeit von den Eltern, auch Eltern brauchen manchmal ein wenig Ruhe vor ihrem Nachwuchs – beispielsweise, wenn sie sich einen schönen Abend (oder Mittag) mit einem Luxusmenü leisten wollen.

Während viele Gourmetrestaurants in Deutschland noch nicht einmal einen Wickeltisch haben, gehen zwei Spitzenhotels in Baiersbronn genau den umgekehrten Weg: Das Hotel Traube Tonbach hat eine ehemalige Tennishalle zum „Kids-Court“ umgewidmet. Dort können die Kinder ungestört toben, während sich die Eltern von Spitzenkoch Harald Wohlfahrt mit Drei-Michelin-Stern-gekrönten Speisen verwöhnen lassen.

Gleich zwei extra Häuser – eins für Jugendliche, ein zweites, die Villa Kunterbunt, für kleinere Kinder ab drei Jahren – hat die Familie Bareiss vom gleichnamigen Hotel eingerichtet. Dort kann der Nachwuchs aber nicht nur toben und spielen (Erzieherinnen sind jeweils dabei), sondern auch lernen, wie man den Tisch richtig deckt oder sich selbst einmal am Kochen probieren. Und wenn das nicht klappt? Dann gibt es selbstverständlich auch für die Kinder etwas Gutes aus der Küche.

Ganz Familiär

Familiärer als im „Goldenen Hahn“ geht es kaum: Kathrin Gruber hat selbst zwei Kinder und weiß, worauf es ankommt. Das Spielzimmer für alle Kinder – die eigenen wie die Gastkinder – ist gleich neben dem Frühstücksraum, sodass der Nachwuchs sofort zum Spielen kann, wenn das Müsli gegessen ist, während sich die Eltern noch einen Kaffee in Ruhe gönnen können. In den 18 Ferienwohnungen, die einen Standard bis zu fünf Sternen haben, sind Wickelauflagen, Windeleimer und Reisebettchen Standard.

Tragekiepen, in die man die Kleinsten während Wanderungen setzen kann, kann man sich an der Rezeption genauso ausleihen wie ein Babyfon. Und wenn nichts mehr hilft: Der Vater von Kathrin Gruber, Franz, lässt sich liebevoll auch von anderen Kindern „Opa“ nennen, trocknet Tränen und spielt ausdauernd.

„Goldener Hahn“, Oberdorfstraße 72, 72270 Baiersbronn, Tel. (0 74 42) 8 40 60

Kräuter und Korn

Gegen Langeweile ist ein Kraut gewachsen: Wenn die Kinder mit Lotte Treiber-Beuttler rund um den Rosengarten unterwegs sind, können sie kaum glauben, was alles am Rand des Parkplatzes wächst: Frauenmantel, der tatsächlich aussieht wie ein Zwergenmäntelchen, Zinnkraut, mit dem die Frauen früher ihre Töpfe sauber geschrubbt haben, duftiger Thymian oder auch kleiner Sauerampfer, der tatsächlich sauer schmeckt. Das alles kommt zum Schluss auf ein Brot, das nicht nur toll aussieht, sondern auch gut schmeckt.

Die meisten Kinder mögen auch Müsli – aber wo kommt es her, wie wird es hergestellt? Das erklärt Rainer Gaiser in seiner Wassermühle im Ort. Gemeinsam mit den Kindern bestimmt er Getreidesorten und mahlt mit ihnen Korn. Und zum Schluss gibt es ein selbst gebackenes Brötchen aus Gaisers Mühlenkorn.

Ab drei Jahre mit Eltern. Weitere Informationen: Baiersbronn Touristik, Rosenplatz 3, 72270 Baiersbronn, Tel. (07442) 84140

von Heike Schmidt

15.01.2010
29.08.2009