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Reisereporter Ganz nah am Wasser gebaut
Reisereporter Ganz nah am Wasser gebaut
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09:33 19.08.2010
Quelle: Lüers
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Die Rede ist von den Malediven. Übersetzt bedeutet der Name Inselkette. Und die ist 800 Kilometer lang und 150 Kilometer breit. 26 Atolle mit 2000 Inseln, in den unterschiedlichsten Größen, ragen mal majestätisch, mal winzig aus dem türkisblauen Indischen Ozean. 200 von ihnen sind von Einheimischen bewohnt, 90 für Touristen erschlossen. Bis Jahresende sollen weitere 45 hinzukommen. Und immer mehr Luxusresorts entstehen. Der Traum vom weißen Puderzuckerstrand, vom badewannenwarmen Bilderbuchozean und von romantischen Strand- oder Wasservillen hat seinen Preis.

Stillschweigend bestaunt der Neuankömmling die Inselperlen beim Anflug. Es verschlägt ihm die Sprache, er versteht plötzlich, was das Wort Naturwunder bedeutet. Türkis: die Lagunen. Weiß: der Strand. Grün: die Palmen.

Und er lässt das Wort Entspannung ganz neu auf sich wirken. Denn auf den Malediven herrscht vollkommene Muße und eine Unerreichbarkeit, die man fast vergessen hatte. Alltag, Job, Stress – sie alle scheinen hier nicht länger zu existieren. Ans Ohr dringen nur das Rascheln der Palmenblätter, das gellende Lachen der Geckos und zwischendurch immer wieder die stetig wiederkehrende Frage, in brüchig-süßem Englisch: „Miss, do you have another wish?!“ Nein, denkt man, ich bin wunschlos glücklich.

Kontakt mit Einheimischen

Im „Shangri-La’s Villingili Resort“ im Addu-Atoll wird das Verwöhnprogramm auf die Spitze getrieben: Die Anlage ist die erste Luxusunterkunft südlich des Äquators. Highlight ist ein Besuch im knapp 17 000 Quadratmeter großen Wellnessdorf „The Spa“ – das größte der Malediven. „Welcome and relax“ begrüßt die junge Malediva Claudia ihre Gäste. Café-del-mar-Musik säuselt aus dem CD-Spieler, Räucherstäbchen brennen, es duftet nach Zitrus. Mit warmen Cowrie-Muscheln und Kokosnussöl massiert Claudia die verspannten Körper – 90 Minuten nichts denken, nur fühlen. Ein Traum!

Doch es wird nicht nur Luxus geboten, hier können Urlauber auch leicht mit Einheimischen in Kontakt kommen. Das war nicht immer möglich, vor allem nicht gern gesehen. Der Islam solle nicht mit anderen Kulturen vermischt werden, hieß es. Erst 2008, als Mohamed Nasheed seinen Vorgänger Präsident Maumoon Abdul Gayoom beerbte, änderte sich das. Langsam.

„Es ist gut, dass es in vielen Dingen endlich einen Wandel gibt“, sagt Resort-Sprecherin Leslie Garcia-Moica. Mitarbeiter Inaan pflichtet ihr bei: „Undenkbar war das früher.“ Heute führt er die Island-Hopping-Tour. Es geht mit dem Fahrrad vorbei an Schulen, Moscheen, kunterbunten Häusern, Cafés. Unter den lächelnden, interessierten und oft noch skeptischen Blicken der Einheimischen. Bislang gibt es dieses Erlebnis nur auf Villingili. Die Insel ist mit fünf Nachbarinseln durch die längste Straße der Malediven verbunden. 17 Kilometer.

Die Tour lohnt sich – für ein paar Stunden erlebt man die wahren Malediven, und die haben mit Luxus nichts zu tun. Urlauben kann man auf diesen Nachbarinseln nicht. Genau wie auf den Hunderten noch unbewohnten Inselperlen. Doch auch das wird sich wohl bald ändern. Tourismusminister Ahmed Ali Sawad sagt: „Wir wollen Low-Budget-Unterkünfte auf diesen Inseln errichten. Wir haben bereits einen großen Luxussektor. Es ist also noch genügend Platz für eine weitere Touristensparte.“

Sein Konzept wird höchstwahrscheinlich aufgehen. Seit Anfang der Siebziger zählen die Malediven zu den Top-Fernreisezielen. Beliebt bei reichen Deutschen, Russen oder Asiaten und immer stärker bei Individualurlaubern gefragt. Delfine in freier Wildbahn beobachten, schnorcheln und tauchen in traumhaften Riffen direkt vor der Haustür, segeln am Äquator, Abendessen im Dschungel oder auf einer romantischen Sandbank - das gehört auf den Malediven fast selbstverständlich zum Urlaubsprogramm.

Kampf gegen den Untergang

Doch bei so viel Sonne ist auch Schatten. Die Malediven kämpfen im wahrsten Sinne gegen den Untergang. Allein der Flug von Frankfurt nach Malé produziert mehr als 3000 Kilogramm CO2-Emissionen. Die Treibhausgase heizen die Erde auf, die Polkappen schmelzen, der Meeresspiegel steigt an. Die Vereinten Nationen befürchten, dass das Inselparadies in 100 Jahren größtenteils unter Wasser liegen wird. Um auf ihr Problem aufmerksam zu machen, tagte das maledivische Kabinett Ende 2009 unter Wasser.

Ein Teil der Lösung wäre eine Abkehr vom Massentourismus – nur ist dieser neben der Fischerei die Haupteinnahmequelle der Malediven. 650 000 Touristen waren es im vergangenen Jahr, dieses Jahr sollen es 700.000 werden. Sawad: „Und in Zukunft sollen es noch viel mehr werden.“ Sogar ein zweiter internationaler Flughafen im Süden ist geplant. Das Problem wird also nicht schwinden, es wird eher größer werden.

Viele Resorts denken inzwischen zwar bereits ökologisch – statten einige Villen mit Solaralagen aus, bauen Obst und Gemüse an oder pflanzen für jede abgeholzte Palme eine neue. Doch das grüne Bewusstsein ist nur begrenzt. Der Gast ist König, schließlich zahlt er viel Geld für seinen Aufenthalt im Paradies. Mit vielen Extras aus Übersee wie Wasser und Champagner aus Frankreich, deutschem Joghurt, italienischen Schinken.

Künstliche Riffe

Auf Landaa Giraavaru geht das Luxus-Four-Seasons-Resort jedoch einen Schritt weiter. Hier versucht man, den verwöhnten Urlauber aus Übersee für die zerbrechliche Schönheit der Unterwasserwelt zu sensibilisieren. „1998 ließ das Wetterphänomen El Niño hier die Wassertemperatur auf 33 Grad ansteigen, bis zu 90 Prozent der Korallen starben ab“, erklärt der zuständige Meeresbiologe Thomas Le Berre. Ein Großteil habe sich erholt. Mit seinem Team erschafft der Franzose seit 2006 künstliche Riffe. Urlauber können helfen, Korallen zu pflanzen. Auf rechteckigen Eisengittern werden die Korallen mit Kabelbindern befestigt. Die Gitter müssen innerhalb einer Stunde zurück ins Lagunenwasser. Dort wachsen sie weiter. „Mit vollem Erfolg“, freut sich Le Berre. Bislang gibt es schon 600 Korallengitter.

Es ist ein bisschen Balsam für die Natur der Malediven. Und ein bisschen Baldrian für das Touristengewissen.

Britta Lüers

Anreise
Ab Frankfurt/Main kosten Flüge zurzeit ab 749 Euro. Der Flug dauert zwischen acht und zwölf Stunden. Der Reisepass muss noch mindestens sechs Monate gültig sein. Bei der Einreise erhält man automatisch und kostenlos ein 30-tägiges Touristenvisum.

Reisezeit
Das ganze Jahr über herrscht tropisches Klima – mit Tages- und Wassertemperaturen um die 30 Grad. Während des Monsuns von Mai bis Oktober kann es starke Regenfälle und Stürme mit Orkanstärke geben.

Zeit
Die Zeitverschiebung auf den Malediven beträgt während unserer Winterzeit plus vier Stunden und während der Sommerzeit plus drei. Auf einigen Resortinseln, beispielsweise auf Landaa Giraavaru und Kuda Huraa, gehen die Uhren allerdings anders – angepasst an den Rhythmus der Gäste. Dort ist man der Hauptstadt Malé eine Stunde voraus. Wer will schließlich seinen Sundowner nachmittags um halb sechs nehmen? Strom spart die Zeitverschiebung außerdem.

Weitere Informationen
Maldives Government Tourist
Information Office
Aschaffenburger Straße 96g,
63500 Seligenstadt
Tel. (0 61 82) 9 93 48 57
www.visitmaldives.com

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