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Reisereporter Feiner Sandstrand und delikate Fischpralinen
Reisereporter Feiner Sandstrand und delikate Fischpralinen
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00:28 01.08.2009
Ahlbeck: Die 110 Jahre alte Seebrücke ist das Wahrzeichen des Ortes.
Ahlbeck: Die 110 Jahre alte Seebrücke ist das Wahrzeichen des Ortes. Quelle: DZT/Kaster
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Mhhh lecker. Gänseblümchen auf würzigen Gourmetschnittchen, eine unglaublich feine Wildkräutersuppe, Fischpralinen – jawoll, Räucherfischbällchen umrahmt von zarter Schokoladenkruste –, Honigkrebse und zimtig eingelegte Walnüsse – bei diesen Genüssen wähnt man sich doch glatt in einem hochpreisigen Leckerschmecker-Restaurant in Paris. Weit gefehlt. Wir sind auf Usedom, dieser wirklich bezaubernden Ostseeinsel, und verspeist wird das, was man hier unter „neuer pommerscher Küche“ zaubert. Die sich übrigens von der alten pommerschen Küche unter anderem darin unterscheidet, zwar kräftig, aber nicht zu kalorienhaltig, regional und frisch, aber nicht fettig zu sein.

Ältere Leute finden Viecher auf den Tellern, die sie zuletzt vor Jahrzehnten gegessen haben. Wiederbelebt – per Züchtung – wurde etwa der Schnäpel, auch Steinlachs, ein fett- und grätenarmer Fisch, den Spitzenköche wie Jörg Gleißner in seinem „Stellwerk“ am Heringsdorfer Bahnhof mit „schwarzen Nüssen“ (also mit eingelegten Walnüssen) und Wildkräutern serviert. Die neue und (weiter auch alte) pommersche Küche wird mittlerweile in Restaurants und Gaststätten in allen drei Kaiserbädern – Ahlbeck, Heringsdorf, Bansin – angeboten. Und die Fischpraline schmeckt sogar richtig gut.

Zeit, die Leckereien abzuarbeiten. Das geht zu Fuß am Strand – Usedom hat 42 Kilometer strandfeine Küste. Und mit Blick auf die herrliche Bäderarchitektur zu wandeln kann einem schon mal das besonders mondäne Gefühl vermitteln (wenn man nicht sogar in einer der Villen wohnt, was gar nicht so teuer ist). Spätestens die Miturlauber holen einen aber wieder auf den Boden zurück.

Usedom ist Paradies für herzige Familien und fitte Rentner – wer den Harz liebt, fühlt sich auch Usedom wohl. Harz am Meer sozusagen. Das hat übrigens auch Auswirkungen auf die Abendgestaltung. Wer hierherkommt, sucht die Weite, den Sport, die Natur, die Ruhe – und den Schlaf. Ab 22 Uhr sind viele Bürgersteige hochgeklappt, und das kann in unserer hektischen Welt durchaus erholsam sein.

Vorsicht, Otter!

Schließlich gibt es den Tag, der zum Beispiel mit einem wunderschönen Sonnenaufgang auf der 110 Jahre alten Ahl-becker Seebrücke beginnt. Doch was tun, wenn alle Sandburgen gebaut, alle Fischbrötchen probiert, alle Boutiquen beshoppt, alle Wellnessangebote genutzt und alle Promenaden bestaunt sind? Sich sportlich bewegen: etwa 150 Kilometer Radwege sind auf der Insel abzufahren. Die führen auch mal weg von Möwen und Meer durch die Wälder ins Achterland.

Eine schilfbewachsene Wasserlandschaft zum Loslassen – ohne die wilde See, Reetdachhäuschen statt Gründerzeit-Villen, hier warnen große Schilder vor Ottern, die auf die andere Straßenseite wechseln.

Weite Felder, würzig riechende Wälder, offene Dörfer mit süßen kleinen Kirchen wie die in Benz, die der deutsch-amerikanische Künstler Lyonel Feininger (1871–1956) immer wieder zeichnete – und deswegen auch gerade in diesem Frühjahr mit einem 56 Kilometer langem „Feininger“-Radweg geadelt wurde – der Kunstfreund fährt quasi die feiningschen Motive ab. Unnötig zu erwähnen, dass der Maler auch passionierter Radfahrer war. Der wahre Fan nimmt den Zeichenblock gleich mit und versucht sich selbst.

Wer nicht gut zu Fuß ist oder ungern radelt, macht einfach eine Insel-Safari. Mit einem Geländewagen geht’s ab in die Wildnis. Die pommersche Eigenwerbung spricht ein wenig übertrieben vom „Amazonas des Nordens“ oder nur etwas weniger exotisch von den „Deutschen Everglades“ – aber pommersche Schilfgürtel und Haffküsten, Auenlandschaften und wilde Wälder samt seltener Fauna und Flora sind tatsächlich viele Blicke wert. Notfalls pflückt und angelt man sich sein Essen hier selbst: Man will ja auch wissen, was dann an wilden Kräutern und seltenen Fischen – mit oder ohne Schokolade – abends auf den Teller kommt.

von Petra Rückerl

Anreise

Mit dem Flugzeug: Von Mai bis Oktober fliegt eine Kleinmaschine nach Usedom. Zum Beispiel von Bremen (hin und zurück für 179 Euro), Frankfurt/Main (399 Euro), Dortmund (359 Euro) und München (399 Euro).

Mit dem Auto: Über die Ostseeautobahn A20.

Mit der Bahn: Der Zug fährt, egal aus welcher Richtung man kommt, bis Züssow. Dort steigt man in die Usedomer Bäderbahn um, die via Wolgast auf die Insel Usedom (bis Ahlbeck) fährt.


Weitere Informationen

Usedom Tourismus GmbH
Waldstraße 1, 17429 Seebad Bansin
Telefon: (03 83 78) 47 710.
www.usedom.de