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Reisereporter Einkaufen zwischen Marke und Tradition
Reisereporter Einkaufen zwischen Marke und Tradition
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15:09 25.08.2009
Vom Kerzenhändler zum Vorzeigewarenhaus: Fortnum and Mason ist bekannt für seine exklusiven Produkte – und für sein aufwendig gestaltetes Gebäude.
Vom Kerzenhändler zum Vorzeigewarenhaus: Fortnum and Mason ist bekannt für seine exklusiven Produkte – und für sein aufwendig gestaltetes Gebäude. Quelle: Pohl
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Die Zeiten wandeln sich: Über Jahre hatte London einen Stammplatz in den Top Ten der teuersten Städte der Welt. Die Mieten? Horrend! Ein Restaurantbesuch? Unerschwinglich! Und erst die Hotelkosten – astronomisch! Die Zeiten sind beileibe nicht vorbei – doch sie haben sich für Europäer aus dem Euro-Raum deutlich gebessert: Das britische Pfund hat in den vergangenen eineinhalb Jahren rund ein Drittel an Wert verloren. Zum Jahreswechsel näherte es sich dem Euro fast zu einem Kurs von 1:1 an. Das macht Reisen nach Großbritannien momentan so erschwinglich, dass sogar Einkaufen eine wahre Freude ist.

Herz der Shoppingfreude ist das West End rund um den bekannten Platz Piccadilly Circus. Ein Einkaufsbummel durch die britischen Hauptstadt.

Die Aushängeschilder

Eine Reihe internationaler Marken hat sich rund um die Regent Street mit Vorzeigefilialen niedergelassen. Die vermutlich bestbesuchte ist kaum zu finden: Die amerikanische Modemarke Abercrombie & Fitch betreibt in den Burlington Gardens ihre einzige europäische Filiale – die jedoch von außen nicht im Ansatz erkennbar ist: Weder Schilder noch Schaufenster gibt es in dem ehemaligen Bankgebäude, dennoch stehen die Kunden Schlange, um dort einzukaufen. Die Marken lebt von ihrem Ruf: Für ein T-Shirt mit Werbeaufdruck legen zumeist junge Kunden gern mehr als 30 Pfund (rund 35 Euro) auf den Tisch.

Auch die US-Modemarke Banana Republic hat London für ihre erste und bislang einzige europäische Filiale gewählt. In der Regent Street 224 betreibt Banana Republic auf drei Etagen ein Geschäft, das deutlich pompöser daherkommt als die amerikanischen Geschäfte des Unternehmens.

Die Abenteuerzeitschrift „National Geographic“ setzt ebenfalls auf London als Einstieg in den europäischen Einzelhandelsmarkt: In der Regent Street 83 bis 97 gibt es den bislang einzigen National Geographic Store Europas. Geboten wird alles rund um den Abenteuerurlaub – inklusive einer Allwetterkabine zum Testen von Outdoorbekleidung.

Die britische Möbelkette Habitat (die inzwischen zur schwedischen Ikea-Mutter Ikano gehört) hat ein früheres Kino zu ihrer Londoner Innenstadt-Dependance ausgebaut (Regent Street 121). Im Inneren ist der alte Filmsaal noch zu erkennen.

Die Unikate

Tradition wird großgeschrieben in England. Zahlreiche Einzelhändler verweisen noch heute mit Stolz darauf, Lieferant des britischen Königshauses zu sein. Paxton and Whitfield ist eines dieser Geschäfte: Der kleine, sympathische Käseladen in der Jermyn Street 93 verfügt über bis zu 130 Käsesorten – darunter auch drei aus der Produktion des „Blur“-Gitarristen Alex James. Der Musiker hat in der Grafschaft Gloucestershire die Käseproduktion als Hobby entdeckt.

Herrenparfüm aus eigener Produktion gibt es etwas weiter bei Geo. F. Trumper in der Jermyn Street 20. Im Jahr 1875 gegründet, setzt das klassische Geschäft zudem auf eine Besonderheit aus alten Tagen: Im Keller gibt es einen Friseur, der nach alter Methode arbeitet – was seinen Preis hat: Eine traditionelle Gesichtsrasur mit dem Rasiermesser kostet 30 Pfund.

Der britische Herrenausstatter und Zigarrenhändler Dunhill will in seiner Londoner Residenz (Davies Street 2) alles für den Mann bieten: Nicht nur Schneider, Friseur und Massage gibt es zusätzlich zum eigentlichen Geschäft in dem altehrwürdigen Gebäude, sondern auch eine Bar mit umfangreicher Zigarrenauswahl.

Die Warenhäuser

Touristen verbinden London meist mit dem Kaufhaus Harrods – doch es gibt noch eine Reihe weiterer traditioneller Warenhäuser, allen Wirtschaftskrisen zum Trotz. Das bekannteste im Westend – Selfridges in der Oxford Street – feiert in diesem Jahr 100-jähriges Bestehen. Dabei hat es sich in eine etwas andere Richtung als Harrods entwickelt: Auf 70.000 Quadratmetern bietet zwar auch Selfridges Exklusives wie ein 45.000-Pfund-Mobiltelefon; doch ist der größte Teil des Sechs-Etagen-Mammut-Kaufhauses mit Waren für jedermann gefüllt. Für Fans gibt es zum Jubiläum etwas Besonderes: 100 Unternehmen – von Coca-Cola bis Absolut Wodka – haben exklusive Produktserien im gelben Selfridges-Design aufgelegt.

Noch ein ganzes Stück älter ist das Kaufhaus Fortnum and Mason (181 Piccadilly). Die Geschichte des Unternehmens begann 1707, als die Gründerfamilie Fortnum Kerzenreste der königlichen Familie zu neuen Kerzen aufarbeitete, um diese zu verkaufen. Heute verfügt das exklusive Kaufhaus vor allem über eine große Serie eigener Produkte – unter anderem 62 Sorten Marmelade, 27 Sorten Honig und 120 Sorten Tee.

Liberty of London (Regent Street) ist ein Kaufhaus der besonderen Art: Das Gebäude im Tudor-Stil hat sich auf Designerartikel spezialisiert und erfreut sich mit seinem VIP-Bereich vor allem bei internationalen Stars größter Beliebtheit. Wer das Kaufhaus, das aus alten Schiffsbalken erbaut wurde, durch den Haupteingang betritt, muss sich zudem erst einmal durch einen Blumenstand kämpfen.

Die kleinen Märkte

Es gibt sie noch, die alten Märkte der britischen Hauptstadt – auch wenn sich ihr Angebot mitunter gewandelt hat. Der Covent Garden etwa war ursprünglich ein Ort für Obst- und Gemüsehandel. Heute dominiert britisches Kunsthandwerk den Platz. Geöffnet ist er dienstags bis sonntags, 10 bis 18 Uhr. Aber auch sonst lohnt sich ein Besuch – der Platz rundherum lädt zum Spazierengehen ein.

Der Old Spitalfields Market (montags bis freitags, 11 bis 15 Uhr, sonntags 10 bis 17 Uhr) gilt als Forum für junge britische Kunst aus dem nahe gelegenen Design College.

Der Borough Market (freitags 12 bis 18 Uhr, sonnabends 9 bis 16 Uhr) ist einer der größten Lebensmittelmärkte Londons. Zu finden ist er unter den Eisenbahnpfeilern der London Bridge. Der Markt brüstet sich damit, vor allem hochwertige Produkte aus ganz Europa zu verkaufen. Und der berühmte Portobello Road Market (sonnabends 8 bis 17 Uhr) gilt als größter Antiquitätenmarkt der Welt.

Frischen Fisch gibt es auf dem Billingsgate Fish Market (Trafalgar Way, dienstags bis sonnabends 5 bis 8.30 Uhr, sonntags 6 bis 8 Uhr). Das frühe Aufstehen lohnt sich, selbst wenn man als Reisender vermutlich nur schauen möchte.

Von Michael Pohl

Anreise

Mit British Airways unter anderem von Hamburg nach London-Heathrow. Von dort entweder mit dem Heathrow Express oder der U-Bahn in die Innenstadt. Mit AirBerlin unter anderem ab Hannover nach London-Stansted (von dort per Stansted Express in die Stadt).

Weitere Informationen

Visit Britain (www.visitbritain.de), Visit London (www.visitlondon.com)