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Reisereporter Eine Ferieninsel poliert ihr Image auf
Reisereporter Eine Ferieninsel poliert ihr Image auf
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00:42 10.10.2009
Willkommen auf Samana: Die Halbinsel im Nordosten der Republik ist die Perle, die nun in den Reisekatalogen leuchten soll.
Willkommen auf Samana: Die Halbinsel im Nordosten der Republik ist die Perle, die nun in den Reisekatalogen leuchten soll. Quelle: C&C
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War es das, was er gesucht hatte? Meterhohe Wellen rollen gegen die Steilküste, auf deren Kamm sich Palmen im Wind wiegen. Monatelang war er über den Atlantik gesegelt, doch hier, auf dem eher abweisenden Teil der Halbinsel Samana, konnte er nicht an Land gehen. Zu gefährlich schlägt die Brandung gegen die Klippen. Einfach würde dieses Land nicht zu erobern sein.

So schien es zumindest. Doch dann, nur einen mächtigen Felsvorsprung entfernt, eröffnet sich in einer kleinen Bucht ein menschenleerer, puderzuckerweißer Strand, auf dem die Blätter der Kokusnusspalmen leise wispernd von längst vergangenen Zeiten erzählen. Es war 1492. Christopher Kolumbus ging von Bord der Santa Maria. „Nie sah ich Schöneres!“, soll er ausgerufen haben, als es ihn an die Küste der heutigen Dominikanischen Republik spülte.

Die Strände zählen noch heute zu den schönsten der Welt. Auf der Halbinsel Samana gibt es sie noch, die unberührten Strände wie Playa Madama, die kleinen Buchten mit ihrem larimarblauen Wasser, den Dschungel im Hinterland mit seinen meterhohen Wasserfällen wie dem Cascada El Limón. Das alles will sich die Dominikanische Republik nun zunutze machen, auch, um von dem Klischee, der „Ballermann der Karibik“ zu sein, endlich wegzukommen. Jetzt lockt das Urlaubsziel mit neuen, schicken Hotels, sanftem Ökotourismus und weiten Traumstränden. Individualtourismus statt „alles inklusive“ lautet die neue Devise, die dem Land ein neues Image geben soll.

Seit einem Jahr ist eigens dazu eine Stelle im Ministerium für Tourismus eingerichtet worden. Derzeit ist eine kleine Kommission damit beschäftigt, einen Katalog der Attraktionen aufzustellen, mit denen man im kommenden Jahr die Wahl zur Kulturhauptstadt 2010 Lateinamerikas feiern will – und natürlich wird der berühmteste Europäer von einst, Christopher Columbus, eine der Hauptrollen dabei spielen. Er soll dazu beitragen, dass die Europäer das Land im Karibischen Meer mit seiner Natur und Kultur aus einem neuen Blickwinkel wahrnehmen. Spuren längst vergangener Zeiten gibt es heute noch viele – besonders in der Hauptstadt Santo Domingo ist die Geschichte zum Greifen nah.

Mittendrin im 16. Jahrhundert

Die mächtige Steinfassade des Palastes von Diego Colón, Kolumbus Sohn und Vizekönig der Insel, beherrscht noch heute die Plaza España in Santo Domingo. 1511 bezog er mit seiner Frau Maria seine neu erbaute Residenz. Im Innern ist es angenehm kühl.

Die Küche im Erdgeschoss scheint, als habe die Köchin gerade aufgeräumt und ihr Tagwerk beendet. Im Obergeschoss ist das Himmelbett im Schlafzimmer von Maria Colon frisch gemacht. Die Kiste aus Elefantenhaut im Schlafzimmer ihres Mannes und der Reiseschreibtisch im Arbeitszimmer zeugen von den Reisen, die die Colons noch nach der Entdeckung der „Isla Española“ auf sich genommen haben.

Die großen Ölgemälde von Königin Isabella und ihrem Mann Philipp im repäsentativen Esszimmer verweisen auf die Präsenz der spanischen Krone, die diese Reisen ermöglichte, die Musikinstrumente, Noten und Bücher auf die Kultur, die die Eroberer mit sich brachten. Ein Blick aus dem Fenster im Kinderzimmer die Straße hinauf, und man ist mittendrin im 16. Jahrhundert, in der „Zona Colonial“, der Altstadt Santo Domingos mit seinen steingwordenen Zeugnissen einer längst vergangenen Zeit.

Hier stehen die ältesten Gebäude der Neuen Welt: die Casa del Cordon von 1503, die Casa de Bastidas von 1503, das Hostal Nicolas de Ovando aus dem 16. Jahrhundert, in dem heute ein Hotel untergebracht ist, das erste Krankenhaus der Neuen Welt, das Hospital Nicolas de Bari (1503–1509), und nicht zuletzt die spätgotische Kathedrale Basilica Menor de la Virgen de la Anunciacion von 1540, in der rechts neben dem Altar ein Wappen darauf hinweist, dass Kolumbus hier begraben sein soll.

Ob Vater oder Sohn oder gar beide, ist strittig. Während die Spanier behaupten, Christopher Kolumbus sei in der Kathedrale von Sevilla bestattet, nehmen die Dominikaner ebenfalls für sich in Anspruch, Kolumbus sei bei ihnen begraben. Darüber diskutieren lässt sich vorzüglich bei einer Tasse des einheimischen Kaffees auf der Terrasse des Hotel Conde de Penalba, auf der sich auch die Einheimischen zum Plausch unter dem mächtigen Mahagoniebaum treffen. Die Dominikanische Republik ist aber nicht nur einer der größten Kaffee-, Bananen- und Kakao-, sondern auch der zweitgrößte Tabakexporteur der Welt.

Juan Santana dreht 300 Zigarren am Tag. Er sitzt am Fenster des Tabakgeschäfts gleich neben dem Café. Knapp zwei Euro kostet die günstigste Zigarre, für rund 180 Euro ist die teuerste zu haben. In zwei begehbaren Humidoren im Erdgeschoss sind sie bei konstanten 28Grad Celsius und 78 Prozent Luftfeuchtigkeit gelagert. Im Obergeschoss kennzeichnen Johanny und Gregoria mit Banderolen die unterschiedlichen Marken, bevor sie die Zigarren in duftende Zedernholzkisten verpacken. Danach schlägt Morena sie in Folie ein und schweißt diese mit der Hitze eines Bügeleisens zusammen. Fertig ist der Exportschlager, der besonders gern von Männern als Geschenk mitgenommen wird. Doch auch für Frauen gibt es viel zu entdecken: Kaum ein Geschäft, das keinen Schmuck mit dem himmelblauen Larimarstein anbietet, kaum eins, das nicht gleichzeitig einer Galerie gleicht.

„Sofort in dieses Land verliebt“

Hunderte von Bildern mit naiver Malerei hängen bis unter die Decke, davor stapeln sich Keilrahmen mit den Kunstwerken, die keinen Platz mehr an der Wand gefunden haben. Die Amerikanierin Bettye Marshall hat eine der schönsten Galerien der Stadt. Hier lässt es sich nicht nur wunderbar stöbern, sondern auch schnacken. Sie ist damals mit ihrem Mann, einem Diplomaten, in die Dominikanische Republik gekommen. Nach Jahren in der Dominikanischen Republik zieht es die Amerikanerin wieder heim. „Das Wetter macht mich fertig“, sagt sie.

Wieder heimzugehen? Zurück nach Deutschland? Das kann sich Verena Löffler de Lopez hingegen gar nicht mehr vorstellen. Die gebürtige Recklinghausenerin lebt seit 1996 in der Dominikanischen Republik, ist mit einem Einheimischen verheiratet, hat zwei Kinder und arbeitet an der Rezeption des kleinen Boutiquehotels „Villa Serena“ in Las Galeras auf der Halbinsel Samana. „Ich habe mich sofort in dieses Land verliebt“, sagt sie mit Blick auf den wunderbaren tropischen Garten, der bis zum larimarblauen Meer reicht. Nur zwanzig Zimmer hat das kleine Hotel. Jedes ist anders eingerichtet, jedes hat seinen Charme.

Individualität wird großgeschrieben. Büfetts gibt es weder beim Frühstück noch beim Abendessen. Alles wird à la carte be- und individuell zusammengestellt. Genauso kann man sich auch die Tage gestalten: ob man mit den hoteleigenen Fahrrädern das Hinterland erkunden oder im Kanu bis zur kleinen vorgelagerten Insel paddeln will. Hilfestellungen gibt es bei der Organisation von größeren Ausflügen wie beispielsweise in den Nationalpark „Los Haitises“.

Das kleine Boot schaukelt über die Wellen. Das Meer in der Bucht von Samana, in der von Januar bis März Wale ihre Jungen bekommen, ist aufgewühlt. Wie Pilze ragen bewachsene Felsen auf dem Meer, über dem Pelikane, Fregattvögel und Truthahngeier kreisen. Sie gehören schon zu „Los Haitises“, mit seinen Mangrovenwäldern, dem Dschungel und den kleinen Buchten. Es ist still. Ein kleiner Krebs huscht über eine Mangrovenwurzel. Irgendwo krächzt ein kleiner Papagei. Hier ist die Natur noch so unberührt wie zu Kolumbus’ Zeiten – und das soll auch so bleiben. Sie soll eine neue Touristenklientel anziehen, die ebenfalls alles inklusive bekommen – Natur und Kultur –, und die damit vielleicht auch eine Neue Welt entdecken und finden, was sie gesucht haben.

Von Heike Schmidt

Anreise

Regelmäßige Flüge Frankfurt–Boston bietet unter anderem die Lufthansa an. Wer einen Abstecher über New York machen möchte, kann derzeit günstige Flüge Frankfurt–New York bei Singapore Airlines buchen.

Rundreisen

Rundreisen durch Neuengland hat zum Beispiel der Reiseveranstalter Dertour im Programm. Eine zehntägige Busreise einschließlich Flug kostet ab 1529 Euro (pro Person im Doppelzimmer). Auch ADAC-Reisen bietet Busreisen durch Neuengland an.

Weitere Informationen

Informationsmaterial gibt es beim offiziellen Deutschland-Beauftragten des US-Bundesstaates Massachusetts: Wilfred Buss, c/o Buss Consulting, Postfach 1213, 82302 Starnberg, Tel. (081 51) 73 97 87. www.massvacation.de

15.01.2010
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