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Reisereporter Ein Frühlingserwachen in malerischem Rosarot
Reisereporter Ein Frühlingserwachen in malerischem Rosarot
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11:07 07.04.2011
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Nach diesem harten Winter werden die ersten Frühlingsboten besonders sehnsüchtig erwartet. Da kann die Pfalz mit ihrer Mandelblüte mächtig auftrumpfen: Während fast überall die kahle Jahreszeit noch auf das Gemüt drückt, zieren von Wachenheim bis Schweigen schon traumhaft schöne Blütenwölkchen die Landschaft. In vielen Nuancen von Weiß bis Dunkelrosa entfaltet sich dann in den Weinbergen und entlang den Alleen die Pracht der Mandelbäume. Der Traum währt aber nur kurze Zeit – meist von Mitte bis Ende März. Je nach Witterung kann es allerdings auch erst im April so weit sein.

Lange vor den Kirsch- und Apfelblüten, die andernorts gefeiert werden, dreht sich in Neustadt an der Weinstraße alles um das Gimmeldinger Mandelblütenfest. Sobald sich die ersten Knospen öffnen, lädt das Winzerdorf, ein Ortsteil von Neustadt, zum frühesten Weinfest der Region ein. Beim Anblick der Landschaft soll hier einst Bayerns König Ludwig I. an einem später nach ihm benannten Pavillon ausgerufen haben: „Der Garten Deutschlands, die blühende Pfalz!“ Zum Verdruss der Pfälzer war die Region 1815 beim Wiener Kongress Bayern zugeschlagen worden.

An diesem Fleck führt auch der seit 2008 ausgewiesene „Pfälzer Mandelpfad“ vorbei und steigt hinunter in den Ortskern. Gimmeldinger Winzer laden zum Verkosten ein, in den Weinstuben können sich Gäste bei Hausmacherkost, Saumagen oder anderen Leckereien stärken. Danach geht es entlang einer herrlich blühenden Mandelbaumallee und durch beste Weinlagen nach Neustadt – immer das weithin als „Deutschlands Wiege der Demokratie“ bekannte Hambacher Schloss im Blick.

Von Neustadt aus schlängelt sich der mit einem Mandelblütensymbol ausgeschilderte Weg durch Weinberge über Diedesfeld nach Maikammer. Teilweise verläuft er direkt an der Weinstraße entlang, ansonsten in ihrer Nähe. Weinlagen wie der „Neustadter Mandelring“ oder die „Maikammerer Mandelhöhe“ erinnern daran, dass bereits um 1300 viele Orts- und Straßennamen nach der Frucht benannt waren.

Das milde Klima an der Weinstraße – durch den Pfälzer Wald vor Kälte geschützt – ließ so manche südländische Pflanze hier heimisch werden. Außer Wein und Mandeln gedeihen auch Feigen, Kiwis und vereinzelt Zitrusfrüchte. Wegen der mediterranen Flora und ihrer Lebensweise vergleichen die Pfälzer ihre Heimat gern mit der Toskana.

Bei der Mandel ist nicht eine wie die andere. Schon die Blütenfarbe offenbart, was zu erwarten ist. Die meisten Essmandeln blühen weiß, Ziermandeln fast immer rosa. Eine schmackhafte Pfälzer Sorte ist die Dürkheimer Krachmandel, deren weiße Blüte ein rötliches Auge ziert. Der Rosaoptik zuliebe werden in der Pfalz größtenteils nur noch Ziersorten neu gepflanzt. Wer an deren Samen knabbert, spuckt sie oft sofort aus – denn Ziermandeln sind meist Bittermandeln, die giftige Blausäure bilden.

Wer Lust auf ein strammes Wanderprogramm hat, kann den pfälzischen Mandeltraum auf insgesamt 78 Kilometern genießen – von Wachenheim im Norden bis an die französisch-elsässische Grenze bei Schweigen. Im südlichen Teil sollte oberhalb von Rhodt ein Besuch im Schloss Villa Ludwigshöhe eingeplant werden. Die ehemalige Sommerresidenz des bayerischen Königs beherbergt eine Gemäldesammlung des lange in der Region heimischen Impressionisten Max Slevogt. Nach dem Kulturabstecher geht es abwechslungsreich weiter – mal durch Winzerdorf-Winkel, mal an Wald oder Weinbergen vorbei. Ein Meer von Mandelblüten betört die Urlauber zwischen Geilsweilerhof und Birkweiler. Nicht weit entfernt lebte Slevogt von 1914 bis zu seinem Tod 1932 auf einem ehemaligen Meierhof der Burg Neukastell oberhalb von Leinsweiler. Wer den Blick von der Terrasse des Slevogthofes auf die Reize der rheinischen Tiefebene kennt, versteht seine Wahl.

Die Pfalz würde nicht als sinnenfroh gelten, wenn sie ihren Besuchern nicht auch andere Mandelgenüsse zu bieten hätte. Einige Winzer verkaufen einen klaren Mandellikör. Ein besonderes Tröpfchen ist eine cremige Variante aus zerstoßenen Samen. Naschkatzen können zwischen Gebäck, Trüffeln und anderen süßen Mandelteilchen wählen. Eine Rarität sind die Pfälzer grünen Mandeln – eine Spezialität der einzigen in Deutschland noch verbliebenen Kandiermanufaktur J. Biffar & Co. in Deidesheim.

dpa