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Reisereporter Edle Tropfen, süßer Most
Reisereporter Edle Tropfen, süßer Most
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16:14 15.01.2010
Weinfeste
Reife Weintrauben Quelle: fotolia
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Wein- und Winzerfeste haben in den 13 deutschen Weinanbaugebieten zwar das ganze Jahr über Saison. Doch gerade an den beschaulichen Spätsommer- und Herbst-tagen ist der Genuss besonders groß: Denn zu den edlen Tropfen der vergangenen Jahre gesellen sich jetzt nach der ersten Ernte Anfang September die noch gärenden 2009er-Weine weißer Traubensorten. Dieser süße Traubenmost heißt je nach Region Federweißer, Neuer Wein, Junger Wein, Neuer Süßer, Bitzler, Suser oder Reißer. Wir stellen einige der schönsten Weinfeste vor.

Baden – Von der Sonne verwöhnt

Blauer Spätburgunder und Müller-Thurgau, Ruländer, Riesling und Weißburgunder. Das sind die wichtigsten Rebsorten im südlichsten und drittgrößten Weinanbaugebiet der Republik. Regionen wie das Markgräflerland, der Kaiserstuhl und der Breisgau sind Weinfreunden bestens bekannt. Und natürlich die Ortenau, jene Landschaft, durch die sich die Badische Weinstraße zwischen Baden-Baden und Lahr schlängelt. Hier mischen sich Obstgärten, Wiesen und Rebhänge zwischen Schwarzwaldrand und oberrheinischer Tiefebene.

Dem neuen Wein zu Ehren veranstaltet zum Beispiel die Gemeinde Bühl vom 11. bis zum 14. September ihr traditionelles Zwetschgenfest mit eigens errichtetem Weindorf. Verkostet werden an den Ständen nicht nur der Rebensaft aus dem Jahre 2009, sondern auch andere feine Tropfen aus der Region. Ortenauer Lebensart ist auch das Motto der beschaulichen Weinfeste in Rammersweier (3. bis 4. Oktober) und Fessenbach (24. und 25. Oktober).

Pfalz – Königin Riesling

An der Grenze zum Elsass verbindet die Deutsche Weinstraße mehr als 130 Weinorte. In der Pfalz, einer der wichtigsten Weinbauregionen der Republik, steht der Riesling als „der König der Weißweine“ unbestritten an der Spitze. Neben dem umfangreichen Weißwein-Sortiment werden auch die Roten immer wichtiger, etwa fruchtige Spätburgunder und vor allem der tiefdunkle, südländische Dornfelder.

Dass die Pfälzer Feste feiern können, beweist ihr prall gefüllter Weinfestkalender. Mit dem „Wurstfest“ stellt Bad Dürkheim sogar das angeblich „größte Weinfest der Welt“ auf die Beine. Das bedeutet nicht nur jede Menge guter Tropfen, goutiert in kleinen Weinzelten namens „Schubkärchler“, sondern auch ein Familienvolksfest samt Deutscher Weinkönigin und Höhenfeuerwerk (11. bis 15. September und 18. bis 21. September).

Und auch ansonsten gilt: kein Spätsommer-oder Herbstwochenende ohne Winzerfeste, Weinkerwen und Federweißerfeste. Hoch her geht es zum Beispiel bei dem „Großen Weinfest der Südlichen Weinstraße“ (25. September bis 28. September), einem der schönsten und größten Weinfeste der Pfalz. Um Punkt fünf Uhr auf der Turmuhr erfolgt am 25. September der Anstich des Festweines. Die Schoppen, gefüllt mit Wein oder Federweißen, kreisen, und Kapellen spielen auf.

Im eigens eingerichteten Weindorf auf dem Ludwigsplatz sorgen Vereine und Gastronomen für Essen und Trinken. Dabei kommen auch zahlreiche typische Pfälzer Gerichte aus Großmutters Küche auf den Tisch. Vier Tage lang verwandeln Tausende Besucher die Wein- und Tanzstraße, den Ludwigs- und Schafplatz in eine weinfröhliche Meile.

Franken – im Land des Bocksbeutels

Rhön, Steigerwald, Taubertal und Spessart begrenzen das Rebland, in dem der Silvaner besonders gut gedeiht, der Müller-Thurgau eine Renaissance erlebt und die bauchige Bocksbeutel-Flasche zum Markenzeichen des Anbaugebiets wurde. Der Weißweinanteil liegt hier bei rund 80 Prozent.

Echte „Schoppen-Pfetzer“ kommen zum Beispiel zu Füßen der Vogelsburg beim Escherndorfer Weinherbst zum Zuge. Schon Johann Wolfgang von Goethe wusste den „Escherndorfer Lump“ zu schätzen. Die Weinherbstfeste in Escherndorf starten jeweils um 17 Uhr, und zwar von heute an bis zum 21. November immer sonnabends.

Vom 2. bis zum 4. Oktober wird auch beim Fränkischen Blasmusik-Wochenende richtig gefeiert: absolut urig, ohne Verstärker – und natürlich mit reichlich jungem Wein. Auf die lange Tradition des Silvaners können die Gäste den ganzen Herbst in Obereisenheim anstoßen. Am 5. April 1659 wurde der feine Wein das erste Mal urkundlich erwähnt. Das wird in Obereisenheim gebührend gefeiert, zum Beispiel beim „Kulturherbst“ am 26. und 27. September und am 4. und 5. Oktober sowie beim „Weinherbst“ am 3., 10., 17. und 24. Oktober jeweils ab 18 Uhr.

Mittelrhein – Vor malerischer Kulisse

Von Bingen bis vor die Tore Bonns erstreckt sich am Rhein entlang diesem kleinen Anbaugebiet, in dem in vielen Steillagen vor allem Riesling, Müller-Thurgau, Kerner und Spätburgunder wachsen. Den südlichen Teil dieser romantischen Kulisse aus Rebhängen, Burgen, und Schlössern, dem Loreley-Felsen und mittelalterlichen Orten erklärte die Unesco zum Weltkulturerbe. Und auch der Weinfestkalender kann sich sehen lassen: Da gibt es zum Beispiel ein „Mittelalterliches Schanktreiben“ in Leutesdorf (11. bis 13. September, Weingut Selt).

Zur selben Zeit feiern Oberwesel und Linz ihre Winzerfeste. Ein Wochenende später, vom 18. bis zum 20. September, bietet St. Goar das spektakuläre Großfeuerwerk „Rhein in Flammen“, natürlich eingerahmt von viel Musik, Tanz und allerlei erlesenen Tropfen. Federweißer-Feste stehen im Herbst zum Beispiel in Wehr (17. und 18. Oktober, Weingut Weber) und Bad-Hönningen (6. bis 8. November) auf dem Programm. Einen traditionellen Trachtenumzug können Besucher beim „Winzerfest und Erntedank“ am 4. Oktober in Dattenberg bewundern. Natürlich dreht sich auch hier alles um den feinen Rebensaft.

Saale-Unstrut – fein und klein

Im nördlichsten Weinanbaugebiet Deutschlands wachsen die Reben in den engen Flusstälern und auf den Steilterrassen von Saale und Unstrut. Viel Müller-Thurgau, aber auch Weißburgunder, Silvaner und Riesling gedeihen hier. Beim Rotwein haben Portugieser, Dornfelder, Spätburgunder und Zweigelt die Nase vorn – oftmals Raritäten, die schnell ausverkauft sind. Am 19. und 20. September stehen im Saale-Unstrut-Gebiet diverse Wein-Veranstaltungen auf dem Programm. So feiert zum Beispiel das Landesweingut Kloster Pforta in Bad Kösen dann sein „Herbstweinfest“ und die Naumburger Wein und Sekt Manufaktur ihr „Kellerfest“. Hier werden die besten Weine des Jahrgangs vorgestellt.

Am 19. September feiern auch der Winzerhof Gussek in Naumburg und die Gemeinde Freyburg am Geiseltalsee mit reichlich Ferderweißen ihren jungen Wein. Dazu werden Spezialitäten aus der Region serviert.

Von Elias Elo

Weitere Informationen
Jedes Anbaugebiet verfügt über seinen eigenen Weinfestkalender, der gibt dazu jede Menge Tipps für Ausflüge, Restaurants oder Hotels. Den besten Zugang zu allen Informationen bietet das Deutschen Weininstitut (DWI). Es versendet kostenlos die Broschüre „Winzerfeste 2009“ mit mehr als 1000 gelisteten Weinfesten.
Adresse: Deutsches Weininstitut, Postfach 1764, 55007 Mainz oder www.deutscheweine.de