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Reisereporter Das große See-Theater
Reisereporter Das große See-Theater
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11:22 17.06.2010
Quelle: Aida Cruises
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Vorhang auf für einen neuen Tag: rechts und links die Gardinen vorm Panoramafenster aufgezogen – und schon sieht alles ganz anders aus. Wo gestern Abend noch weiße Gischt auf Wellenbergen tanzte, ist jetzt Fels zu sehen. Nackter Fels, der langsam vorm schmalen Balkon vorbeizieht, ein paar Bäume, rote Häuser, schneebedeckte Gipfel, Strahlehimmel. Schön. Sehr schön. Großes Theater.

So ist das auf Kreuzfahrtschiffen: Jeden Tag gibt’s ein anderes Spektakel. Wobei sich das mit dem Spektakel bei den Schiffen der Aida-Flotte nicht auf Naturschauspiele beschränkt. Die „Aida Luna“, 2009 bei der Meyer-Werft in Papenburg fertiggestellt (252 Meter lang, 32 Meter breit, 1025 Doppelkabinen für Passagiere, 607 Personen Besatzung), ist auf dem Weg nach Norwegen.

Es ist eine kurze Reise. Hamburg – Ulvik – Eidfjord – Bergen – Hamburg in fünf Tagen. Das Schiff ist gut besucht, der Altersdurchschnitt dürfte bei knapp über 50 liegen. Kinder sind kaum an Bord, was daran liegt, dass gerade kein Bundesland Ferien hat. In den Ferienzeiten, sagen die Leute von der Crew, sei das anders. Der Altersdurschnitt des Publikums, sagen sie, liege bei 42 Jahren.

Wasserfall oder Kraftwerk

Den typischen Gast gibt es hier natürlich nicht. Aber wenn es ihn geben würde, wäre Frank wohl nicht weit davon entfernt. Frank ist ein bisschen über 40, er trägt ein unaufdringlich bedrucktes Sweatshirt unterm Anorak, Jeans, Sonnenbrille auf der Stirn. Sein schwarzes Haar ist fast noch voll. Er hat einen leichten Bauchansatz, leidet aber nicht an Übergewicht. Frank ist freundlich, man kommt schnell mit ihm ins Gespräch. Von Eidfjord aus, einem Dorf mit 907 Einwohnern am Ende des Fjordes, der genauso heißt wie das Dorf, werden Busausflüge angeboten: Wasserfall, Obstplantage oder Kraftwerk. Frank hat sich für „faszinierende Wasserkraft“ entschieden, es geht zu einem Wasserkraftwerk, das in einem Stollen 700 Meter tief in einem Berg liegt.

Später wird man über serpentinenreiche Landstraßen noch zu einem Stausee gefahren, der ganz blau wäre, wenn nicht gerade soviel Schnee auf seiner Eisdecke liegen würde. Frank hat diesen Ausflug auch aus beruflichen Gründen gewählt: Er ist in der Windenergiebranche tätig. Franks Freundin schaut sich derweil in einer anderen Gruppe die Obstgärten an.

Frank verdient gut, aber wiederum auch nicht so viel, dass eine Kreuzfahrt für ihn die selbstverständliche Urlaubsform ist. Dreimal schon war er auf Aida-Schiffen unterwegs. Nächstes Jahr will er mit seiner Freundin wieder eine Kreuzfahrt buchen. „Natürlich muss ich dafür sparen“, sagt er. Als die Besichtigungstour im Kraftwerk zu Ende ist, ist Frank derjenige, der als erster applaudiert.

Über drei Stockwerke

Am Abend zuvor hat er auch applaudiert. Da war Frank im Theater. Zu Hause in Cochem geht er kaum ins Theater. Eigentlich nie. Was auch daran liegt, dass es in Cochem gar kein Theater gibt und Theater für ihn immer mit Fahrerei verbunden ist. Auf diesen Schiffen ist Theater auch mit Fahrerei verbunden, aber hier fährt das ganze Theater. In den Schiffen der ersten Baureihe ist es noch am Bug untergebracht, bei größeren Kreuzfahrtschiffen der neuen Generation befindet es sich in der Mitte. Man kann es von außen gut erkennen; dort, wo das Schiff ein bisschen breiter wird, liegt oben das Sonnendeck, gleich darunter erstreckt sich über drei Stockwerke das Theater.

Von außen sieht es aus, als hätte jemand ein riesiges Sektglas ins Schiff gepresst. Irgendwie passt das auch, denn das Schiffstheater, in das mehr als tausend Zuschauer passen, ist kein Ort der Belehrung, sondern der Unterhaltung. Griechische Trauerspiele finden hier nicht statt, sondern bunte Spektakel wie die vergnügliche „Abba-Show“ oder „Celebration“ mit den Hits der siebziger und achtziger Jahre.

Die Rostocker Reederei, die die mittlerweile sieben Schiffe der Flotte auf Reisen schickt, lässt sich die Showprogramme eine Menge kosten. Die Bühnentechnik ist ausgefuchst: Hubböden, Züge, ein automatisches Kostümmagazin mit eigenem Aufzug und eine gigantische und mehrfach teilbare LED-Wand, die jedes Bühnenbild zu ersetzen vermag– mancher Stadttheaterintendant würde angesichts der Ausstattung dieses See-Theaters vor Neid erblassen.

19 Tänzer, Sänger und Schauspieler gehören zum Ensemble der Luna, drei Techniker fahren die Show an eindrucksvollen Mischpulten im ersten Rang, zwei Ankleiderinnen sind hinter der Bühne aktiv. In Hamburg gibt es eine eigene Schule für den Musicalnachwuchs; dort, bei „See Live Tivoli“ werden die Shows vorbereitet und die aufwändigen Kostüme geschneidert. Jedes Schiff hat seine ganz eigene Tauf-Show, die nur auf ihm zu sehen ist. Selbst für längere Reisen ist man gut gerüstet, jedes Ensemble hat knapp 20 Shows im Angebot.

Warum dieser ganze Aufwand?

Nur damit Frank wiederkommt? Genau darum geht es. Gutes Essen bekommt man auf vielen Kreuzfahrtschiffen, wie auch Gratiswein. Wellnessoasen auf hoher See sind ebenso üblich wie Fitnesstraining aller Art. Und auch die Lockerheit im Umgang, die früher ein Alleinstellungsmerkmal der Aida-Reisen war, hat sich mittlerweile auf vielen anderen Schiffen durchgesetzt. Wer etwas Besonderes bieten will, setzt auf Theater. Eigentlich ganz schön für eine mehrfach totgesagte Kunstform.
Und Frank hat das Theater auch sehr gut gefallen. Die Professionalität, das Verschwenderische, die gute Stimmung, und dass am Ende der „Celebration“-Show auch das Publikum getanzt hat.

Frank ist nicht wegen des Theaters auf das Schiff gekommen. Aber vielleicht wird er wegen des Theaters wiederkommen. Und wieder tanzen, wenn die Show zu Ende ist.

Die Tour mit „Aida Luna“ oder „Aida blue“ nach Norwegen kostet für fünf Tage ab/bis Hamburg im April und Mai 2011 ab 575 Euro pro Person.

Roland Meyer-Arlt

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