Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Reisereporter Das Allgäu an der Steckdose
Reisereporter Das Allgäu an der Steckdose
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:13 01.09.2011
Weiter Himmel, hohe Berge, wilde Natur: Das Allgäu erfährt man am besten mit dem Fahrrad – damit der Aufstieg nicht so anstrengend wird, lohnt sich die Tour mit einem E-Bike. Quelle: Greune
Anzeige
Kempten

Der Anstieg zur 960 Meter hoch über dem Hopfensee im Allgäu gelegenen Alpe Beichelstein hätte einem gestandenen Bergspezialisten im Fahrradsattel Respekt abgenötigt. Mit durchschnittlich 15 Prozent Steigung führt der Weg nach oben, in der letzten Kehre sind es sogar noch ein wenig mehr. Mit einem normalen Fahrrad hätten ihn nur die Sportlichsten unserer Gruppe geschafft. Wir sitzen aber auf Elektrorädern, kurz E-Bikes. Die Tretkraftverstärkung lässt uns den Weg zur Alpe ohne Probleme meistern. Wir haben sogar noch die Muße, die umliegende Landschaft zu bewundern.

Es scheint uns, als radelten wir vor einer Fototapete. Mutter Natur hat sich alle Mühe gegeben, uns das Allgäu so zu präsentieren, wie man es sich vorstellt. Auf sattgrünen Wiesen mampfen Kühe und nehmen von uns ebenso wenig Notiz wie ein paar Ziegen auf der Weide nebenan. Über dem Hopfensee liegt noch ein wenig Dunst, aber wenn wir über ihn hinwegblicken, sehen wir die Stadt Füssen und das Ammergebirge mit dem mehr als 2000 Meter hohen Säuling als prägendem Berg konturenscharf.

Anzeige

Auch Bayernkönig Ludwigs Neuschwanstein als Prototyp aller Märchenschlösser und das gegenüber gelegene, weniger verspielte Hohenschwangau sind Teil des fast unwirklich klischeehaften Panoramas. Über dem Ganzen spannt sich ein blauer, nach Landesart mit weißen Wölkchen betupfter Himmel.

Radfahren liegt im Trend...

...und mit den E-Bikes werden auch Strecken machbar, deren Profil früher Hobbyradler abschreckte. Das hat man nicht nur im Allgäu erkannt – es gibt kaum noch eine Gegend in Deutschland mit touristischen Ambitionen, die nicht ausgearbeitete Touren und Leihmöglichkeiten für die Fahrräder mit dem eingebauten Rückenwind anbietet.

Trotzdem hat die Region zwischen Bodensee und Lech allen anderen etwas voraus: Gäste können hier nicht nur Elektrofahrräder ausleihen, sondern auch Elektroautos. Das Allgäu ist Testregion für ein Projekt der Bundesregierung, bei dem die Alltagstauglichkeit von Elektromobilität getestet werden soll. „Wir sind die Einzigen, die das unter touristischen Aspekten machen“, sagt Alfred Bauer von der Fachhochschule Kempten, einem der Partner im Verbund „E-Tours Allgäu“.

Will heißen: Über die Region wurde eine Flotte von 40 Elektroautos unterschiedlicher Hersteller verteilt, die Feriengäste zum Preis von 50 Euro pro Tag mieten können. „Das Angebot kommt an“, sagt Andreas Eggersberger, der an seinem Hotel in Hopfen am See – es war seinerzeit das erste Biohotel Bayerns – drei Elektroautos parat hält. Allerdings scheinen die Leute dem Braten nicht so ganz zu trauen. „Die meisten unternehmen kürzere Fahrten zu den Königsschlössern oder ins Tannheimer Tal. Sie haben bei weiteren Fahrten wohl Angst, dass der Saft nicht reicht“, erzählt der Hotelier.

Die Sorge ist unbegründet

Eine Batteriefüllung reicht für etwa 150 Kilometer, damit kommt man beispielsweise bequem von Kempten nach Neuschwanstein und zurück. Wer nachtanken will, kann dies kostenlos an einer der elf öffentlichen Ladestationen tun. So ist denn bisher auch nur ein Nutzer registriert worden, der liegen blieb. „Ein Mann aus Berlin wollte die maximale Reichweite testen und hat herausgefunden, dass sie noch um 20 Kilometer über dem angegebenen Wert lag. Dann hat er mich angerufen“, berichtet Eggersberger. Der Hopfener hat den experimentierfreudigen Gast abgeschleppt.

Längst haben die Allgäuer die umweltfreundlichen Fahrzeuge lieb gewonnen. „Wir werden einen Teil der Autos nach Auslaufen des Projektes weiter anbieten“, sagt Simone Zehnpfennig vom Tourismus-Dachverband. Der Wirtin auf der Alpe Beichelstein kann das egal sein. Hier fährt kein Auto hoch, egal ob leise oder laut. Wer das Panorama haben will, muss sich abstrampeln – aber nur ein wenig.

Bernd Haase

Weitere Informationen
Touristinformation Allgäu, Prospektservice Allgäu, Allgäuer Straße 1, 87435 Kempten, Tel. 08 00 – 2 57 36 78 (kostenfrei innerhalb Deutschlands). www.allgaeu.info