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Reisereporter Bei Unholden und Huskys
Reisereporter Bei Unholden und Huskys
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16:05 27.02.2009
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Ein bisschen Schnee, bitte. Von wegen. Fünf Kilometer hinter Freiburg ist der Schwarzwald ein graues Nichts. Nebel, Matsch und Nieselregen statt Weitblick auf puderweiße Landschaft. Gut, bis zum 1493 Meter hohen Feldberg, dem „Höchsten“ im Schwarzwald, sind noch gut 30 Minuten zu fahren. Sollten die vielen mit Winterausrüstung bepackten Kombis Vorboten einer ungetrübten Winterpracht sein? Plötzlich setzt heftiges Schneetreiben ein. Die B 317 scheint geradewegs durch die Wolken zu führen. Vorsicht, Rutschgefahr!

„Null Grad heute, morgen soll es auf dem Feldberg zwei Grad kälter werden“, gibt Tourismuschef Volker Haselbacher am Abend den Wetterbericht bekannt. Waren die Aussichten auf weiße Pisten im höchstgelegenen Wintersportgebiet Baden-Württembergs bisher nahezu 100 Prozent, lag die Wahrscheinlichkeit für diesen Winter bei immerhin noch 90 Prozent. Das macht Eltern heiß auf Ski, nur die Kinder lässt es kalt. Sie tummeln sich im hoteleigenen betreuten Kindergarten „Villa Wuschel“, hängen als „Bergsteiger“ an einer Kletterwand oder proben ein Kindermusical.

„Familienoffensive“ nennt Haselbacher den touristischen Angebotmix, mit dem er Generationen zusammenführen, gemeinsamen und getrennten Winterspaß unmittelbar am Fuße des Feldbergs ermöglichen will. Da kommen auch Opa und Oma ohne viele Umwege auf die Piste. Kinderlifte, gemütliche Familienabfahrten und Kinderparcours sind die eisigen „Outdoor“-Alternativen, wenn die Kindervilla „Wuschel“ zu oder im Schwimmbad mal nichts los ist.

Es schneit – nichts wie raus. Die Kinder zieht es zur Talstation der Feldbergbahn, wo sechs Huskys mit lautem Gebell auf eine Schneewanderung mit Wintermärchen aufmerksam machen. „Miryam“, stellt sich eine junge Frau vor und gibt jedem Kind einen vierbeinigen Partner an die Leine. Dann zeigt sie zu einem schmalen Pfad, der wie ein Strich in die weiße Pracht des Waldes sticht. Kuschelig und warm eingepackt machen sich die Wanderer auf den Weg.

Miryam Husain hat die Hunde aus Spanien mitgebracht und ihnen auf ihrem Pferdehof eine neue Heimat gegeben. Dieser dort, sie zeigt auf Smilla, den buschigen Samojeden, sei von einem Felsen gestürzt worden. Ein anderes Tier sei in einer Kammer eingesperrt gewesen und musste erst wieder an Menschen und an die Freiheit gewöhnt werden. Auf einer kleinen Lichtung macht die Gruppe halt. Während die Huskys ihre Schnauzen in den Schnee stecken, erzählt Miryam heitere Wintergeschichten von Menschen und Tieren und gruselige Märchen von Dämonen und Waldgeistern.

Davon weiß auch Hubertus Knoblauch eine Menge zu erzählen. Im Haus der Natur berichtet er von ökologischen Geheimnissen und Besonderheiten des Wintersportzentrums. Schon 1891, als noch niemand an Skilifte dachte, sei der Feldberg auf abenteuerliche Weise von den ersten Skipionieren erobert worden. Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts hätten sich nur wenige Mutige auf den Feldberg gewagt. Die Wälder, die die kahlen Gipfel noch im 17. Jahrhundert wie mit einem Riesenmantel umgaben, die tiefen Felsstürze am Feldsee und das Spiel der Naturgewalten ließen den Feldberg in der Legende zur Heimat und zum Verbannungsort schlimmer Geister werden. Selbst Hexen sollen ihn gemieden und stattdessen den Berg Kandel zu ihrem Tanzplatz auserwählt haben, zitiert der Gästeführer aus uralten Erzählungen.

Lara und Jörg haben sich entschlossen, ein Trapperabzeichen zu erwerben Auf Schneeschuhen geht es bei eisigen Temperaturen auf große Tour. Wer ein richtiger Feldberg-Trapper werden will, muss sich in der Winternatur gut bewegen und Spuren lesen können, über Baumarten und Überlebensstrategien der Tiere im Winter Bescheid wissen und zum Schluss eine Prüfung bestehen.

Damit Groß und Klein anschließend Erfahrungen austauschen können, sind auch die Erwachsenen mit Stöcken und Schneeschuhen auf einer drei Kilometer langen Rundtour um den Seebuck-Gipfel unterwegs: Vorbei an gebeugten Fichten, die seit Jahrhunderten den klimatischen Extremen trotzen, sowie gemütlichen Hütten, von denen aus früher Kühe auf den Feldberg getrieben wurden.

Ist der Gipfel erreicht, geht es nur noch bergab. Mit herrlichen Ausblicken: Natur, so weit das Auge reicht. Gerade eben stand alles noch unter blauem Himmel, nun wirkt es plötzlich düster und gespenstisch. Kein Wunder, dass frühere Bewohner an Poltergeister und Grenzsteinverrücker glaubten. Zum Beispiel an den Dengelegeist. Also Vorsicht, warnt der Bergführer seine Wanderschar. Noch heute erzähle man sich, der schwarze Unhold führe bei Nebel Wanderer im Kreise herum, wahrscheinlicher aber in die Irre zu Sümpfen und in Abgründe.

von Manfred Lädtke

Anreise
Mit dem Zug bis Freiburg Hbf. Weiter mit dem Nahverkehrszug oder Bus nach Feldberg-Bärental. Fahrzeit zum Feldberg rund eine Stunde.

Unterkunft
Familienpauschale: Ferienwohnung für zwei Erwachsene und ein Kind ab 749 Euro für sieben Tage. Im Hotel ab 950 Euro. Gültig vom 2. März bis 19. April. Im Paket enthalten: Übernachtungen, fünf Tagestickets für Skipass, Skikurs für Kinder, Schneeschuhverleih, Führung im Haus der Natur, Eintritt ins Hallenbad.

Ausflüge
Mit der Feldbergbahn auf den Gipfel und zum Feldbergturm mit Ausblick bis zur Zugspitze und dem Mont-Blanc-Massiv.

Weitere Informationen
Feldberg Touristik, Kirchgasse 1,
79868 Feldberg. Tel. (0 76 55) 80 19.
www.feldberg-schwarzwald.de