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Reisereporter Bahamas - ein Paradies lädt zum Nichtstun ein
Reisereporter Bahamas - ein Paradies lädt zum Nichtstun ein
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00:17 24.11.2012
Mit diesem Anblick rechnet wohl kein Tourist auf den Bahamas. Quelle: bahamas.de/Jungke
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Nassau

Kein Hauch von Schatten, nirgends. Unbarmherzig knallt die Sonne vom strahlend blauen Himmel. Macht nichts: Auf dem Boot lässt es sich bestens aushalten. Der Fahrtwind sorgt für angenehme Frische, Getränke sind genug an Bord, und ein Sprung in die Fluten schafft jederzeit Abkühlung. Glasklar ist das Meer, das sich in den Farben einer Kitschpostkarte zeigt: Von hellem Türkis bis ins tiefdunkle Blau schimmert das Wasser, die Strände in der Ferne sind endlos und weiß - eine Kulisse wie aus der Rum-Werbung. Zu hören ist nur das sanfte Plätschern der Wellen sowie das Kreischen der Möwen. Und ein leises Grunzen, das zunehmend lauter wird. Seit wann können Möwen grunzen?

Was sich anhört wie eine Horde Schweine, sind - Schweine! Es ist nicht zu fassen. Ein halbes Dutzend der Borstenviecher hat sich auf den Weg vom palmengesäumten Strand gemacht und paddelt erstaunlich schnell dem Boot entgegen. Die rosa Schnauzen in die Luft gestreckt, machen sie sich daran, das Schiff zu kapern. Hier muss es doch etwas zu fressen geben! Gierig schnappen die Tiere nach dem Brot, das ihnen an der Reling entgegengehalten wird. Und wenig später zieht die gefräßige Meute wieder von dannen - das Ringelschwänzchen in die Höhe gestreckt, geht’s wieder an Land.

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Skipper David freut sich über den Coup, gibt sich aber cool: Schwimmende Schweine - die gab’s doch hier auf den Exumas schon immer! Jedenfalls seitdem irgendjemand die kleine Horde auf dem menschenleeren Big Major Cay ausgesetzt hat.

Mit ihren Riffen, Höhlen und Stränden sind die Exumas ein beliebtes Revier für Segler, Taucher und Schnorchler. Im glasklaren Wasser lassen sich bunte Clownfische und Barrakudas, Snapper und Grouper beobachten. Und Haie. In Compass Point kann man sogar mit ihnen schwimmen: Dutzende von schwarzen Ammenhaien tummeln sich hier in der Marina. Von Land aus betrachtet sehen sie nicht gerade vertrauenserweckend aus. Wer zu ihnen ins Wasser steigt, hat aber nichts zu befürchten - die knapp meterlangen Tiere sind zahm, und wen sie berühren, der spürt höchstens ein leichtes Kitzeln.

365 Inselchen gehören zu den Exumas, die meisten von ihnen sind unbewohnt. Auf manchen ist, versteckt hinter Palmen, eine einsame Hütte auszumachen. Wie gerne würde man doch selbst in dieser Traumkulisse ein - wenigstens winziges - Inselchen besitzen. „Kannst du haben“, ruft Joel aus dem Cockpit und zeigt mit der Hand auf ein mittelgroßes Eiland: „Das ist Cave Cay - die Insel steht gerade zum Verkauf. Für 110 Millionen Dollar.“ Der Pilot fliegt Touristen und Einheimische mit einer kleinen Propellermaschine, in der gerade mal sechs Passagiere Platz finden, von Insel zu Insel. Auf Long Island betreibt der gebürtige Deutsche mit seiner Familie das „Stella Maris Resort“. Die weitläufige Anlage inmitten der Natur ist vor allem bei Tauchern beliebt, die Tauchbasis des Hotels gehört zu den etabliertesten der Bahamas.

Eine kleine Bucht westlich von Clarence Town auf Long Island ist das Ziel von Apnoetauchern - Tauchern, die ohne Sauerstoffgeräte in die Tiefe gehen. Hier liegt Dean’s Blue Hole, die zweitgrößte Unterwasserhöhle der Welt. Zeigt sich das Wasser am Ufer in leuchtend hellem Türkis, schimmert es nur wenige Schritte weiter meereinwärts tiefschwarz. Kein Wunder, denn hier geht es in einem Trichter über 200 Meter steil in die Tiefe. Da erfordert selbst bei manchem Schwimmer das Überqueren des kreisförmigen, rund 30 Meter breiten Lochs Mut. Wer weiß, vielleicht wartet ja ein Ungeheuer nur darauf, den Schwimmer in die Tiefe zu ziehen? Für Apnoetaucher dagegen ist das Dean’s Blue Hole ein Dorado, sie messen sich bei den jährlich stattfindenden „Vertical Blue“-Wettbewerben im Tauchen ohne Sauerstoffflaschen. Mit 124 Metern Tiefe stellte zuletzt im Jahr 2010 der Österreicher Herbert Nitsch hier einen neuen Weltrekord auf.

16 Hotels und Gästehäuser gibt es auf Long Island - und eine Handvoll Restaurants. Das bekannteste ist eine kleine Open-Air-Bretterbude: „Max’s Conch Bar“ steht direkt an der Durchgangsstraße der Insel. Die schlichte Holzhütte mit Strohdach, in der jeder erdenkliche Kitsch von der Decke hängt, ist bekannt für das Nationalgericht: Conch. Das Fleisch der großen Meeresschnecke kommt auf den Bahamas zu jeder Tageszeit und in allen erdenklichen Variationen auf den Tisch: zum Frühstück in der Suppe, ansonsten gebraten, frittiert, als Gulasch oder roh im Salat. Letzteres ist Max’ Spezialität.

Echtes Robinson-Feeling kommt auf Cat Island auf. Die Insel, die rund 150 Kilometer südöstlich von Nassau liegt, gehört zu den am dünnsten besiedelten Eiländern der Bahamas. Große Hotels gibt es hier keine, dafür eine Handvoll gemütlicher, familiär geführter Strandresorts. Die kleine Insel ist wohl die konstrastreichste der Bahamas. Die kilometerlangen unberührten Strände und die sanfte Hügellandschaft stehen im Gegensatz zur rauen Nordküste der Insel mit ihren steinigen Klippen. Sogar einen „Berg“ gibt es hier: Der „Mount Alvernia“, auf dessen Kuppe sich die Einsiedelei von Farther Jerome befindet, ist mit seinen 63 Metern die höchste Erhebung der Inselgruppe.

Auf Cat Island können Besucher afrikanisch-bahamaische Kultur erleben - wie abends beim Rake-’n’-Scrape-Festival in Arthurs Town. Auf einer Holzbühne auf dem Sportplatz spielen Musiker auf alten Ölfässern und einem Sägeblatt, das mit einer Feile bearbeitet wird. Was schräg anmutet, klingt durchaus melodisch. Schnell ist die kleine Tanzfläche auf der Bühne gefüllt. Das jährliche Festival ist ein Highlight auf den Bahamas - und viele Besucher von anderen Inseln kommen extra dafür nach Cat Island. Auch Max ist dabei. Bei ihm stehen die Besucher Schlange - sein Conch-Salat ist eben doch der beste.

Hin und weg

Anreise
Die reine Flugdauer von Frankfurt/M. beträgt etwa elf Stunden. Zum Beispiel direkt mit Condor von Frankfurt/M. über Fort Lauderdale nach Nassau oder mit Britisch Airways über London nach Nassau.

Lage
Die Bahamas befinden sich 80 Kilometer südöstlich von Florida und 100 Kilometer nördlich von Kuba. Sie sind Mitglied im Commonwealth. 700 Inseln gibt es auf den Bahamas, 16 davon sind touristisch erschlossen. 30 Inseln sind ständig bewohnt. Während sich die Hauptinseln Grand Bahama und New Providence als lebhaftes, amerikanisch geprägtes Urlaubsdomizil zeigen, haben sich die 13 umliegenden Inseln, die „Out Islands“, ihre Ursprünglichkeit bewahrt.

Weitere Informationen
 www.bahamas.de

Birgit Jungke und Katrin Schreiter

Felix Harbart 19.11.2012
Heike Schmidt 12.11.2012