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Reisereporter Auf dem Alpe-Adria-Trail dem Wasser auf der Spur
Reisereporter Auf dem Alpe-Adria-Trail dem Wasser auf der Spur
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09:58 03.06.2013
Von Bernd Haase
Für groß und klein: Die Nockberge über dem Millstätter See sind als Teil des Trail ein Familienwandergebiet. Weit geht der Blick Ricktung Julische Alpen.
Für groß und klein: Die Nockberge über dem Millstätter See sind als Teil des Trail ein Familienwandergebiet. Weit geht der Blick Ricktung Julische Alpen. Quelle: Franz Gerdl_KaerntenWerbung
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Kärnten

Es gibt auch unter Wanderern die Rekordjäger, die sich an Daten, Fakten und Superlativen orientieren. Hier sind welche zum Alpe-Adria-Trail. Er beginnt an der Pasterze (dem größten Gletscher Österreichs) zu Füßen des Großglockners (dem höchsten Berg Österreichs), führt dann durch Kärnten (dem sonnigsten Bundesland Österreichs) über den Wurzenpass (die Passstraße mit den meisten Kehren Europas) nach Slowenien und endet im italienischen Städtchen Muggia südlich der Hafenstadt Triest an der Küste der Adria (dem möglicherweise blauesten Meer Europas). Die 690 Kilometer mit insgesamt 52.000 Höhenmetern (davon die Hälfte bergauf) lassen sich in etwas mehr als einem Monat schaffen. „Einige haben das schon gemacht“, erzählt Sabine Weyrer von Kärnten Marketing, die den im vergangenen Jahr eröffneten Fernwanderweg mit Kollegen und Kartografen konzipiert hat. Sie nennen den Weg „eine Reise durch den Garten Eden“. In einschlägigen Beschreibungen dieses Ortes ist wenig von Eile und Hast die Rede, sondern von Glück verheißender Ruhe. Geht man den in 38 Etappen unterteilten Trail, für den die Planer teilweise uralte Pfade und Wege kartografisch zusammengefügt haben, unter diesem Motto an (und kommt möglicherweise öfters, um sich Abschnitte vorzunehmen), hat man mehr davon. Es ist eine Reise auf den Spuren des Wassers: vom ewigen Eis entlang an Bergbächen, Wasserfällen, Flüssen und Seen bis ans Meer.

Hinab

Der Großglockner zeigt uns seine Fels-pyramide nur sporadisch, Wolken jagen an ihm vorbei. Für das obligatorische Foto am Anfang der Reise müssen wir den richtigen Moment abpassen. Dann können wir aufbrechen, hinab nach Heiligenblut, dem Postkartenstädtchen vor dem Bergpanorama. Die ersten sieben Etappen führen durch das Mölltal im Nationalpark Hohe Tauern mit seinen 3.000-Meter-Gipfeln. Das Flüsschen stürzt sich durch Schluchten wie die am Groppenstein. Wir können folgen, weil Forstarbeiter und Zimmerleute Holzstege an die steilen Bergflanken gesetzt haben. Unter uns schäumt das Wasser zwischen den Felsen. Die Luft ist angenehm frisch. Bald sind wir durch, und die Möll wird ruhiger, bis sie dann bei Möllbrücke in die Drau mündet.

Höhenwege in der Sonnenstube

Frühmorgens gegen sieben Uhr hat sich der Millstätter See noch die Bettdecke übergezogen. Er liegt komplett unter einer wattigen Nebelschicht, obwohl oben auf 1.800 Metern schon die Morgensonne hervorgekommen ist. „Das wird noch. In zwei Stunden ist alles klar“, sagt Ursula Glabischnig, die Wirtin der Alexanderhütte, auf der wir übernachtet haben. Die Szenerie hat sich gewandelt, wir haben die Nockberge erreicht. Sie sind sanfter als die schroffen Tauern, und grüner. Der Blick vom Millstätter Höhensteig über den See ist traumhaft, aber wir gucken trotzdem häufig direkt vor uns zu Boden. Die Millstätter Alpe birgt das größte Granatvorkommen der Alpen, und wer genau hinsieht, kann die rot schimmernden Steine am Weg finden, die auch Karfunkel heißen und die angeblich magische Kräfte ausstrahlen. Durch die Nockberge geht es weiter Richtung Ossiacher See mit der Gerlitzen. Mit seinen knapp 2.000 Metern ist er der Aussichtsberg Kärntens und angeblich der mit den meisten Tagestouristen. In den Schlagzeilen ist die Gerlitzen ohnehin ziemlich häufig, was auch an Hansi Maier liegt. Der umtriebige Wirt der Neugarten-Almseehütte hat eine lebende Speisekarte kreiert, indem er seinen Kühen die Angebote aufs Fell malen lässt. Und in seinem Almsee hat er einen alten Mähdrescher versenkt - damit diejenigen, die meinen, auf 1.620 Metern Seehöhe tauchen zu müssen, auch ein Ziel haben. Wir behalten den Kopf lieber über Wasser. Zwei Etappen bleiben uns noch in Kärnten. Als wir die Burgruine Finkenstein über dem lieblichen Faaker See erreicht haben, werfen wir noch einen letzten Blick zurück in die Sonnenstube Österreichs. Dann geht es über den Berg in ein anderes Land.

Wein und Gesang

Wir sitzen unter einer mit Weinlaub behangenen Pergola vor dem Gasthaus von Janko Stekar in Snezatino. Er hat uns einen leckeren Weißen auf den Tisch gestellt und Gnocchi serviert. Wenn wir den Blick schweifen lassen, sehen wir Dörfer mit markanten Kirchen auf Hügeln, Rebflächen, Obstgärten und sogar Zypressen. Könnte glatt die Toskana sein, ist sie aber nicht. Wir sind in der Goriska Brda angelangt, dem Landstrich im südwestlichen Zipfel Sloweniens, von dem aus man die Adria schon fast riechen kann. Von Kärnten aus sind wir über den Wurzenpass nach Slowenien gelaufen, haben in den dünn besiedelten Julischen Alpen vergeblich nach den versprochenen Steinböcken Ausschau gehalten (dafür standen Gämsen und Adler auf der Habenseite) und uns dann vom Fluss Soca Richtung Süden führen lassen. Das alles liegt nun hinter uns, und weil die Hügel der Goriska Brda für den Wanderer manchmal giftiger sind, als es den Anschein hat, beschließen wir, noch ein wenig faul zu sein. Janko schenkt nach, und dann taucht wie auf Bestellung auch noch ein Akkordeonspieler auf. Sage einer was gegen Folklore.

Auf Meereshöhe

Zwischen uns und der Adria erstreckt sich noch der Karst, eine Hochebene, die sich vor 30 Millionen Jahren gebildet hat. Dann sehen wir das gelbe Kastell von Duino - und das Meer. Reinspringen können wir allerdings noch nicht, denn zwischen uns und dem Wasser liegen 80 Meter Steilküste. Der Weg führt an den Klippen entlang, und weil der Dichter Rainer Maria Rilke, der hier seine Duineser Elegien (Klagegedichte) verfasste, ihn häufig ging, ist er nach ihm benannt. Wir sehen den Schiffen zu, die durch die Triester Bucht Richtung Hafen ziehen, sehen die Körbe der Muschelfischer im Wasser dümpeln, sehen später unseren ersten Sonnenuntergang am Meer und bald auch einen Strand. Unsere letzte Etappe führt aber immer noch nicht ans Meer, sondern im Bogen um Triest herum über das berühmte Gestüt Lipica in das pittoreske Städtchen Muggia. Dort können wir dann tatsächlich die Füße in die Adria halten.

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