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Reisereporter Auf Stollenreifen einmal um die Zugspitze
Reisereporter Auf Stollenreifen einmal um die Zugspitze
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00:49 08.08.2009
Im Sattel durch die Berge: Rund um die Zugspitze findet jeder eine Herausforderung.
Im Sattel durch die Berge: Rund um die Zugspitze findet jeder eine Herausforderung. Quelle: srt
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Die Region zu Füßen von Deutschlands höchstem Berg gilt als eine Hochburg der Radfahrer. Kein Wunder, bei dieser alpinen Postkarten-Landschaft und den immensen Möglichkeiten. Sowohl Anfänger als auch erprobte Mountainbiker finden hier ihr Terrain. Und fast überall warten aussichtsreich gelegene Hütten und Almen für eine stärkende Rast bei Kaiserschmarrn und Apfelschorle.

Die Runde um die Zugspitze, besser gesagt um das gesamte Wettersteinmassiv, gilt als die „Königin der Touren“. Sie ist allerdings auch keine leichte Strecke: fast 90 Kilometer und je nach Streckenführung zwischen 1700 und 2200 Höhenmeter sind zu bewältigen – anstrengend, aber ohne große fahrtechnische Schwierigkeiten. Da heißt es früh aufstehen, wer nicht unterwegs einen Übernachtungsstopp einlegen will.
Los geht’s am Olympia-Skistadion Garmisch. Die ersten flachen Kilometer sind ideal zum gemütlichen Eintreten. Durch saftige Wiesen geht es Richtung Hammersbach und Grainau. Oberbayern wie aus dem Bilderbuch. Linker Hand bilden die senkrechten Wände des Waxensteins und die Zugspitze die Kulisse.

Beim steilen Schotterweg-Anstieg zum Eibsee genießt man erstmals die Vorzüge von 27 Gängen und Stollenreifen. Auf eine Umrundung des flaschengrün schimmernden Bergsees lässt sich leicht verzichten. Es würde nur Slalom um die vielen Spaziergänger bedeuten, vor allem am Wochenende.
Dafür geht es stetig bergauf durch kühlenden Wald. Unterwegs warten immer wieder herrliche Tiefblicke auf den See und Garmisch. Überhaupt begleitet diese faszinierende Bergwelt von Wetterstein, Mieminger Berge und Karwendel die gesamte Tour wie eine überdimensionale Fototapete.

Für die erste ausgiebige Pause bietet sich die Hochthörlehütte (1465 Meter) an. Brotzeit mit Blick auf mächtige Felswände und die Tiroler Zugspitzbahn. Da man sich mit vollem Bauch ja nicht so anstrengen soll, geht es danach zum Glück erst mal auf einer langen Fahrt hinunter ins tirolerische Ehrwald.
Dort stellt sich die sportliche Gewissensfrage: per Bike oder per Seilbahn hinauf zur Ehrwalder Alm? Puristen wählen natürlich die Serpentinen, Genießer freuen sich beim Hochschweben auf die fast 15 Kilometer lange Abfahrt durchs Gaistal Richtung Mittenwald zurück nach Deutschland: ein sanfter Downhill zwischen den Gipfeln des Wettersteins und der Mieminger Kette.

In dieser kitschig-schönen Bergwelt liegt auch der zwingende Kulturstopp: das Ganghofer-Haus Hubertus, wo der Meister der Bergliteratur rund 20 Jahre seines Lebens verbrachte und sich um 1900 viel Künstlerprominenz von Johannes Brahms bis Thomas Mann versammelte. Meist abseits der Fahrstraßen führt die Tour anschließend durchs weite Leutascher Tal direkt auf die mächtigen Karwendelwände zu.

Ab Mittenwald heißt es dann wieder kräftiger in die Pedale treten. Am Fuße der mächtigen, fast bedrohlich wirkenden Felswände der Wettersteinspitzen führt die Tour wieder bergauf Richtung Ferchensee. Ein lauschiges Plätzchen für einen erfrischenden Badestopp, falls es der Zeitplan erlaubt. Nächster Höhepunkt ist Schloss Ellmau, ein Luxushotel vor atemberaubender Bergkulisse.

Nach einem letzten schweißtreibenden Anstieg zum Eckbauer (1220 Meter) fordert das Tourfinale gute Bremsen und etwas Fahrtechnik. Ein steiler Bergweg führt hinunter zu Deutschlands höchst gelegenem Kirchdorf Wamberg mit 996 Meter und geht über in eine extreme Holperstrecke, die schließlich wieder am Skistadion in Garmisch endet. Nach rund acht bis zehn Stunden im Sattel sind die meisten Mountainbiker geschafft, aber glücklich. Eine Supertour!

Von Armin Herb

Weitere Informationen:

Kurverwaltung Garmisch-Partenkirchen, Richard-Strauss-Platz 1a, 82467 Garmisch- Partenkirchen, Tel. (0 88 21) 18 07 00. www.garmisch-partenkirchen.de