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Reisereporter Auf Safari im Naturschutzgebiet Masai Mara
Reisereporter Auf Safari im Naturschutzgebiet Masai Mara
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11:53 14.12.2010
Im Governor‘s Camp gibt es keine Zäune. Es kann also schon mal vorkommen, dass ein Elefant zur Essenszeit vorbeischaut.
Im Governor‘s Camp gibt es keine Zäune. Es kann also schon mal vorkommen, dass ein Elefant zur Essenszeit vorbeischaut. Quelle: Governor‘s Camp
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Mit dem Zubettgehen wird’s erst mal nichts: Ein Elefant versperrt den Zugang zum Zelt. Und jetzt spaziert der graue Riese auch noch direkt auf die Rezeption zu, als wollte er gleich in dem Luxus-Safari-Zeltlager namens Governor’s Camp einchecken. Keine Panik, sagt Campwächter James: Seine Kollegen seien schon ausgeschwärmt, um den Elefantenbullen sanft abzudrängen. Per Walkie-Talkie fragt James immer wieder nach, ob die Luft auf dem Trampelpfad rein ist.

Der Elefant hat es auf die Früchte der Marula-Bäume abgesehen, die überreif an den Bäumen hängen. Das beruhigt doch sehr, als der Koloss sich gut 20 Meter entfernt aus der Dunkelheit schält. Dennoch musste jeder Gast gleich beim Eintreffen im Camp eine Erklärung unterschreiben, wonach er für sich selbst verantwortlich ist bei der Begegnung mit den wilden Tieren.

Nach ein paar Minuten ist der Weg zum Zelt und zur warmen Dusche frei. Doch noch bevor man ins Bett sinken kann, wird einem ein Gute-Nacht-Tipp mit auf den Weg gegeben: Bitte auf die Nilpferde achten! Die kämen vom Mara-Fluss die Böschung zum Grasen hinaufgeklettert und versteckten sich gerne hinter den Zelten. Mit den leicht reizbaren Schwergewichten sei nicht zu spaßen.

Häufig Niederschläge

So ist das, wenn man in der kenianischen Masai Mara an jenem Platz nächtigt, wo einst auch die Gouverneure der britischen Kolonialmacht auf Safari gingen. Kaum eine Ecke Afrikas ist wildreicher als diese Savanne. Sogar die fürchterliche Dürre im vorigen Jahr konnte dem Westteil, gut zwei Flugstunden im kleinen Propellerflugzeug von der Küstenstadt Mombasa entfernt, wenig anhaben. Dank des nahen Viktoriasees sind hier Niederschläge häufiger. Und der Mara-Fluss trocknet nie ganz aus.

Zusammen mit der Serengeti im Süden bildet die Masai Mara ein einzigartiges Ökosystem. Wird in der Serengeti in Tansania das Gras in der Trockenzeit knapp, suchen riesige Gnu-, Gazellen- und Zebraherden in der Masai Mara neue Weidegründe. Rund zwei Millionen Tiere sind dann auf den Hufen. Zweimal jährlich, im Juli/August und im November/Dezember, müssen sie den Mara-Fluss überqueren. In Todespanik stürzen sie sich in die Fluten – wo schon die Krokodile lauern. Und auf der anderen Seite warten die Löwen auf Frischfleisch.

Das ganze Jahr hindurch ist die Masai Mara dicht bevölkert. Ob schläfriger Löwe oder blinzelnder Gepard, brummiger Elefant oder schnaubendes Nilpferd, elegante Gazelle oder breitschädeliger Büffel, tumber Strauß oder stolzer Kronenkranich, putziges Warzenschwein oder streunende Hyäne: In ein paar Stunden chauffiert uns unser Fahrer Jacob im offenen Landrover von einer Begegnung zur nächsten. Nur mit dem Nashorn will’s partout nicht klappen. „Hakuna Matata“, sagt Jacob, „macht nichts“, und wir stimmen ihm zu.

Dafür bietet der Tag noch einen ganz anderen Höhepunkt: Plötzlich rumpelt Jacob in rasantem Tempo über die ausgefahrene Piste. Von einem befreundeten Fahrer hat er die Nachricht erhalten, dass ein Leopard weiter unten am Fluss auf der Jagd sein soll. Und wirklich: Irgendwo muss die Katze sein. Eine Herde Impala-Antilopen beäugt nervös die Büsche, eine Art Husten lassen die Tiere ertönen. Sie haben den Leoparden bereits erspäht, nur die Touristen halten vergeblich nach ihm Ausschau.„Vielleicht hat er sich sein Frühstück schon geholt“, sagt Jacob und steuert den Wagen näher ans dichte Grün.

Und dann spaziert der gefleckte Jäger plötzlich quer über den Weg, als habe der ganze Auftrieb nichts mit ihm zu tun. Mit dem Frühstück wird es für ihn nichts mehr werden. Aber es läuft ja noch genug andere Leopardenbeute in dem mehr als 1500 Quadratkilometer großen Naturreservat herum.

Wer sich am Anblick der endlosen Grasfläche labt, mag kaum glauben, wie gefährdet dieses einzigartige Naturparadies ist. Die kenianische Bevölkerung wächst, immer mehr Menschen bedrängen die Schutzzone. Und immer neue Touristencamps sind aus dem Boden geschossen. Naturschützer sprechen bereits von mehr als 4000 Betten in der Masai Mara. Die kenianische Regierung scheint nun endlich entschlossen, den Wildwuchs begrenzen – dafür aber droht eine neue Gefahr: Die Regierung im südlichen Nachbarland Tansania plant einen Highway quer durch die Serengeti. Sollte die Schnellstraße tatsächlich kommen, so warnen Wissenschaftler, wäre es mit der Tierwanderung bald vorbei.

Biogas aus Kuhdung und Wasser

Vorerst gibt es auch positive Nachrichten aus der Masai Mara: Im Massai-Dorf eine knappe halbe Autostunde entfernt vom Governor’s Camp weist Carlos, der Sohn des Dorfältesten, stolz auf eine Anlage. Hier wird aus Kuhdung und Wasser Biogas produziert, um den Holzverbrauch beim Kochen zu minimieren.

Mehr als 200 Menschen, darunter 80 Kinder, leben nach Carlos’ Worten in den kreisförmig angeordneten Hütten aus Dung und Lehm. Die Zwischenräume werden abends mit dornigen Ästen versperrt. Doch sind Konflikte zwischen dem Hirtenvolk und wilden Tieren unausweichlich. „Vorige Nacht“, sagt Carlos, „hat ein Löwe wieder zwei Kühe gerissen.“ Die Regierung zahlt für den Verlust der Tiere.

Die Massai sind gezwungen, Traditionen und moderne Zeiten miteinander zu verbinden. Noch immer üben die jungen Männer das Töten von Löwen – obwohl ihnen das bei drastischen Strafen verboten ist. Viele Massai arbeiten heute als Wächter in den Touristenlodges. Besser als sie kennt niemand das Verhalten von Nilpferd und Elefant.

Also lässt man sein Haupt im Governor’s Camp beruhigt aufs Kissen sinken. Die Wärmflasche unter der Bettdecke macht die Nachtruhe umso komfortabler. Und doch wird man bald wieder geweckt: Ein Elefantenbulle hat sich direkt neben dem Zelt zum Schlafen niedergestreckt. Man glaubt gar nicht, wie laut so ein pappsatter Elefant schnarchen kann.

Stefan Stosch

Anreise
Condor fliegt dreimal wöchentlich direkt von Frankfurt nach Mombasa. Air Berlin bedient die Strecke von Berlin.
Für die Einreise ist ein Visum nötig. Das gibt es für 20 Euro nach Ankunft am Flughafen, Kinder unter 16 Jahren sind visafrei.

Masai Mara
Der Eintritt pro Tag und Kopf in der Masai Mara kostet 60 Dollar. Zahlreiche Veranstalter bieten Safari-Reisen ab Mombasa, beispielsweise Thomas Cook. Mehr über das Governor’s Camp unter www.governorscamp.com.

Beste Reisezeit
Kenia bietet ganzjährig warme Temperaturen. Regenzeiten sind im November sowie im April/Mai.

Literaturtipp
Informativ und umfangreich ist Hartmut Fiebigs Kenia-Führer, erschienen im Reise-Know-How-Verlag, 888 Seiten, 24,90 Euro.

Weitere Informationen
Kenya Tourist Board,
c/o Travelmarketing Romberg,
Schwarzbachstraße 32, 40822 Mettmann, Tel. (02104) 83 29 19.
www.magical-kenya.de