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Reisereporter Abenteuer Island
Reisereporter Abenteuer Island
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10:58 28.01.2013
Island auf dem Pferd erkunden
Alternative zum Auto: Auf den weltweit bekannten Islandpferden lässt sich die raue Landschaft hautnah erkunden. Da die Tiere ein sanftmütiges Wesen haben, sind sie auch für Reitanfänger geeignet. Quelle: istock.com
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Stell dir vor, es gibt ein Land, in dem es kein McDonald?s gibt. Stell dir weiter vor, es gibt ein Land, in dem selbst gestrickte Pullover aus der Region das beliebteste Kleidungsstück sind. Das gibt es nicht? Gibt es doch. Island liegt nicht nur abseits von Europa, Island ist irgendwie abseitig, aber nett abseitig. Island, das ist da, wo die Leute stundenlang mit Geländewagen über unbefestigte Straßen rumpeln, um in völliger Einsamkeit ein Konzert zu hören. Ein Land, in dem in manchen Orten mehr Elfen zu wohnen scheinen als irdische Einwohner.

Ausgetretene Pfade gibt es bei so viel Einsamkeit natürlich fast gar nicht. Abseits der Wege wandern, fahren, reiten, gleiten ist Programm in Island. Im Fensterputzerkorb, auf dem Schiff, auf dem Pferderücken und im Bigfoot-Auto, dem Supergeländewagen mit den Megarädern: Wer Island erkundet, muss sich einfach abseits ausgetretener Pfade bewegen. Nirgends ist der Spruch vom Weg, der das Ziel ist, so wahr wie in den Weiten zwischen Gletschern und Geysiren. Das Abenteuer Island beginnt schon auf dem Weg zu den Sehenswürdigkeiten.

Die blauen Berge sind grün. Flache Mose bedecken kugelige Lavabrocken, die über die Weite verstreut sind wie ein sich beulender Teppichboden. „Aus der Ferne sehen sie blau aus, aus der Nähe grün“, erklärt der Direktor des Fremdenverkehrsamts, David Johansson, die Namensgebung der Berge. Die sind eher sanfte Hügel, dazwischen einer in Kegelform. Das ist der Thrihnukagigur, der Drei-Gipfel-Vulkan, der vor 4000 Jahren zuletzt ausgebrochen ist und die kugeligen Lavabrocken ausgespuckt hat. Weil die jetzt draußen liegen, ist drinnen im Berg ein riesiger Lavadom entstanden. Entdeckt hat ihn der Augenarzt und Hobbyvulkanologe Arni B. Stefansson, und seit dem vergangenen Sommer nimmt Arni Besucher mit in den Vulkan. 1500 waren es bisher, und die Reise in die Lavakammer ist das größte Abenteuer, das man in Island zurzeit erleben kann.

Nach einer Stunde leichter Wanderung erreicht der Besucher das Ziel, den Fuß des Thrihnukagigur. Die letzten Meter zum Gipfel geht es steil bergauf, und dann öffnet sich vor den Besuchern ein kleiner Krater. Quer darüber liegt eine Art Sprungbrett wie im Schwimmbad, und an dessen Ende hängt er, der Fensterputzerkorb, eine lange, schmale Plattform mit taillenhohem Gitter und Rädern an einer Seite. Ganz sanft gleitet der Korb die 20 Meter nach unten in die Magmakammer. Die strahlt in allen Farben. Ein Dom in Rot, Orange, Schwarz.

In den nächsten Jahren will Arni B. Stefansson den Krater für mehr Besucher öffnen, mittels eines Tunnels, der vom Fuß des Kegels in die Lavakammer führt. Nur so glaubt er, auf Dauer das Wunder der Lavakammer erhalten zu können. Ob sein Wunsch nach einem Tunnel Wirklichkeit wird, müssen die Zukunft und die Behörden zeigen. Kommt es so, ist das Abenteuer Vulkanbesuch allerdings nur noch halb so aufregend. Wäre aber auch nicht so schlimm, Island hat genug Aufregungen zu bieten. Man stelle sich mal vor, da gibt jemand ein Popkonzert mitten im Niemandsland. Der abgedroschene Spruch vom „irgendwo im Nirgendwo“, nirgends ist er so wahr wie auf Island. Dass dann dort auch noch ein Popkonzert stattfindet und die Leute in Scharen kommen, obwohl sie dafür eineinhalb oder sogar zwei Stunden mit einem Offroader über Schotterserpentinen fahren müssen, die am Hang kleben wie eine Seilbahn, das gibt es wohl nur auf Island. Teufelspass heißt einer der Übergänge vom 130-Seelen-Ort Borgarfjörður Eystri zu der verlassenen Siedlung Loðmundarfjörður, zwei Fjorde weiter.

Kein Mensch wohnt dort mehr, geblieben ist nur eine mit Metallstangen im Boden verankerte kleine weiße Kirche und das grün angestrichene Gemeinschaftshaus des ehemaligen Ortes. Und dort steht das Duo „Hundur í óskilum“ (heißt: Gefunden wurde ein Hund) an einem sonnigen Nachmittag, singen ihre Lieder in die dank Solarstrom vorhandene Lautsprecheranlage und begeistern ein Publikum, das seine Offroader auf einer nahen Wiese geparkt hat.

Überhaupt, die Bigfoots sind der Stolz jedes isländischen Mannes. Arngrimur Asgeirsson, Gästehausbetreiber, Festivalorganisator, Stadtführer, der Tausendsassa von Borgarfjörður Eystri, zeigt beim Gang durch den Ort das Prachtstück seines Nachbarn, einen E-350 Super Duty, weist mit einem Augenzwinkern darauf hin, dass der Wagen gerade „nur“ die Sommerreifen drauf habe, und berichtet, ein solches Auto sei eines der „Top-Twenty-Cars“ im Lande.

Wer kein Auto hat, um durch unwegsames Gelände zu kommen, nimmt eben ein Pferd. Daran herrscht in Island kein Mangel, die Tiere sind mindestens so weltberühmt wie die Islandpullover. Die Pferdchen sind sanftmütig, auch von ungeübten Reitern gut zu beherrschen und außerdem überaus trittsicher. Einfach laufen lassen, lautet die Devise, wenn das Gelände schwierig wird. Die kleinen Pferde wandern im Gegensatz zu den Besuchern der Insel auf ausgetretenen Pfaden – die aber haben sie selbst ausgetreten.

HIN UND WEG

Anreise

Icelandair fliegt Reykjavík von Hamburg und München aus an – allerdings nur im Sommer. Ganzjährig wird die Verbindung Frankfurt–Reykjavík angeboten. Iceland-Express fliegt ganzjährig von Berlin, im Sommer auch von Frankfurt-Hahn. Air Berlin bietet ganzjährig Flüge von Berlin, Düsseldorf, München, Hamburg und Stuttgart nach Reykjavík an. Wer nicht fliegen will oder das Auto mitnehmen möchte, kann die Smyrriline-Fähre von Hanstholm in Dänemark nach Seyðisfjörður in Ostisland mit Zwischenstopps in Schottland, Norwegen, den Shetland und den Faröer-Inseln nehmen.

Beste Reisezeit

Hängt ganz davon ab, was man auf Island erleben möchte. Für Wandern, Reiten, Walbeobachtungen liegt die beste Zeit zwischen Juni und September. Skifahrer und Snowmobil-Enthusiasten sind von Februar bis April richtig, wenn noch Schnee liegt, aber die Tage bereits länger werden.

Klima

Dank des Golfstroms liegt die Durchschnittstemperatur auf Island im Winter um den Gefrierpunkt, im Sommer um die elf bis zwölf Grad.

Weitere Informationen

www.visiticeland.com
www.islandprotravel.de
www.icelandair.com
www.smyrilline.de
www.insidethevolcano.com
www.naturreisen.is
www.reisenhamburg.de

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