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Deutschland Weg der weißen Klappbrücken
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09:54 22.08.2019
Auch auf dem Emsdeich werden Schafe zur Rasenpflege eingesetzt. Foto: Bernd F. Meier
Leer

Montags fahren sie nie, und dienstags auch nicht. "Diese Tage sind unser Wochenende", erklären die beiden Fährmänner Arnold Höger (50) und Oliver Grensemann (54) kurz und bündig.

An den übrigen Tagen sind sie auf der Jümme-Pünte, zuverlässig bei Wind und Regenwetter. Kraftvoll ziehen sie den Fährkahn an Stahltrossen über den etwa 60 Meter breiten Fluss. Mit ihrer Handarbeit stehen sie in der Tradition von Generationen von Fährleuten schon vor ihnen.

Denn die Jümme-Pünte schippert bereits seit 1562 über den strudelnden Strom. Stets mit der Hand gezogen, soll sie heutzutage als Wagenfähre in Europa und darüber hinaus in den USA einmalig sein. Das jedenfalls sagen die findigen Fähr-Fans des

Püntenvereins Leer, die sich um den Erhalt des über 450 Jahre alten schwimmenden Denkmals sorgen.

Fehnroute ist 173 Kilometer lang

Die Jümme-Pünte ist eine der zahlreichen Sehenswürdigkeiten an der 173 Kilometer langen

Deutschen Fehnroute. Als Rundkurs verläuft die Strecke durch den Süden von Ostfriesland, dazu etliche Kilometer durch das benachbarte Emsland und das Oldenburger Land. Der Name erinnert an die Fehnkultur, die das Bild dieses Landstrichs in Deutschland einzigartig macht.

Fehn bedeutet Moor, der Name kommt aus dem Holländischen und bezeichnet die Urbarmachung und Besiedlung der Region ab dem 17. Jahrhundert. Als älteste und mit 40 Kilometer Kanälen auch längste Fehnkolonie gilt

Papenburg. Stadtgründer Droste Dietrich von Velen lockte erstmals ab 1631 Kolonisten in das abgelegene Land: Sie zogen in mühevoller Handarbeit Entwässerungsgräben, legten das Moor trocken und stachen den Torf.

Die harte Arbeit früherer Generationen wird in mehreren Museen an der Fehnroute dokumentiert. Auf der Strecke sind Radtouristen in Tagesetappen von etwa 24 bis 42 Kilometern unterwegs. Viel mehr muss es nicht sein für Genussradler, da der Wind von der nahen Nordsee mitunter kräftig bläst. Oft aus der falschen Richtung - Gegenwind. "Außerdem bleibt so ausreichend Zeit, eines der Museen zur Moorkultivierung und Schifffahrt zu besuchen", so Ulrich Schmunkamp (34), Projektleiter der Deutschen Fehnroute in Leer.

Bagger half beim Abbau

In Elisabethfehn zeigt das

Moor- und Fehnmuseum etliche Großmaschinen für den Torfabbau, etwa den Strenge-Brenntorfbagger aus dem Jahr 1880. 1875 begann Oltmann Wurp Strenge am Elisabethfehnkanal mit dem Abbau und Verkauf von Brenntorf. Dazu entwickelte er einen Bagger, der die Arbeit effizienter machte. Strenges Bagger waren bald europaweit gefragt. Für seine Erfindung wurde Strenge senior 1904 auf der Weltausstellung im amerikanischen St. Louis mit dem "Grande Prize" ausgezeichnet.

Noch beeindruckender als Bagger, Kippkübelraupe, Kettenförderer und Torfsodensammler ist die Botschaft des acht Meter hohen Aussichtsturmes am Rand des musealen Maschinenparks: Genau so hoch wie der Turm war hier einst das Ostermoor. Vor 10.000 bis 12.000 Jahren als Hochmoor entstanden, nach 1862 durch die Besiedlung der Kolonisten in Elisabethfehn trockengelegt, zusammengesackt, in weniger als 100 Jahren abgetorft - und für immer verschwunden.

Hochmoor wächst nur sehr langsam

Nebenan im saterländischen Ramsloh tuckern Touristen mit der kleinen

Moorbahn "Seelter Foonkieker" in die Torfzone des Westermoors, mit 5000 Hektar Fläche eines der größten Hochmoore in Mitteleuropa. Während der Tour erzählt Lok- und Gästeführer Ludger Thedering (62) vom Wachsen und Werden der Moore, vom Torfabbau und der Renaturierung abgetorfter Zonen. Staunend hören die Gäste: Hochmoor wächst im Jahr nur um einen Millimeter.

Im Westermoor können sie noch bis 2035 Torf abbauen. Über 300.000 Kubikmeter werden nach Thederings Worten Jahr für Jahr gewonnen, mit Lorenbahnen auf dem 40 Kilometer langen Gleisnetz zum Torfwerk von Ramsloh angeliefert und dort verarbeitet. Thedering: "Torf ist ein komplexes Naturprodukt, das beispielsweise von Gartenbaubetrieben als Substrat bei der Anzucht von Pflanzen verwendet wird."

Mühlen mahlen heute noch gewerblich

An der Fehnroute recken zwölf Windmühlen ihre Flügel in den Wind, die meisten sind Museumsmühlen und technische Denkmäler. Wer noch eine Windmühle bei der Arbeit sehen will, der steuert Heye Steenblocks Mühle in Spetzerfehn an: "Wir mahlen Futtermischungen für Legehennen, Schweine und Kälber, auf Kundenwunsch auch in kleinen Mengen."

Damit hat Windmüller Steenblock (57) seine Nische gefunden und erzählt Besuchern bei der Führung durch die 1886 erbaute Galerieholländer-Mühle stolz: "Wir sind eine der letzten Windmühlen in Deutschland, die heutzutage noch gewerblich mahlen."

Manches entlang der Fehnroute ist einzigartig, einmalig oder riesig wie die Kreuzfahrtschiffe, die Jahr für Jahr auf der

Meyer-Werft in Papenburg entstehen. Rad- und Autostrecke der Fehnroute führen am Hafenbecken der Schiffsbauer direkt vorüber.

Der Großbetrieb hat viele Krisen überstanden, die anderen Werften sind verschwunden: 24 existierten Mitte des 19. Jahrhunderts in Papenburg. Sie hatten gut zu tun, bauten sie doch die hölzernen Lastkähne für den Torftransport im Land der Fehntjer.

dpa

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