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Region Zu wenig Regen: Getreide verbrannt
Region Zu wenig Regen: Getreide verbrannt
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00:17 13.06.2018
GEGENMASSNAHMEN: Auch in der Region Hannover müssen die Landwirte ihre Felder derzeit mit einer Extra-Portion Wasser versorgen.
GEGENMASSNAHMEN: Auch in der Region Hannover müssen die Landwirte ihre Felder derzeit mit einer Extra-Portion Wasser versorgen. Quelle: dpa
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Hannover

Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen bringt die Lage auf den Punkt: „Die Stimmung ist mies. Unsere Pflanzenbauberatung besteht zurzeit mehr aus Trösten und Mut machen.“

Seit Anfang April fehlten bis zu 200 Liter Regen je Quadratmeter. Da nutzten auch die Gewitter der vergangenen 14 Tage nichts bis nicht viel: Die teils sehr ergiebigen Gewitterniederschläge beschränkten sich laut der Kammer in Hannover im Wesentlichen auf die südlichen Regionen Niedersachsens. Und wo es krachte, blieb oft mehr Schaden als Nutzen: „Dort nahmen die Wolkenbrüche teils verheerende Ausmaße an. Der Regen lieferte kaum das ersehnte Nass, sondern führte vielmehr zu Verschlämmungen und Bodenerosionen.“ Im Norden sei extremer Regen „seltener und nur kleinräumig“ aufgetreten. Manchmal lagen zwischen Orten, an denen zur selben Zeit 70 Liter Regen je Quadratmeter fielen und solchen, wo nur fünf Liter runterkamen, nur wenige Kilometer. Manchmal habe gar das eine Feld etwas abbekommen, dass daneben nicht, erklärt Wolfgang Ehrecke, Pressereferent der Landwirtschaftskammer

Was heißt das für die Ernte und die Folgen? Klar scheint: Bei Getreide und Raps wird die Ernte schlecht ausfallen. Allerdings stehe alles noch nicht konkret genug fest, darum sei es „nach Ansicht unserer Marktexperten noch viel zu früh, Aussagen über Preiseffekte zu machen.“ Brotgetreide etwa sei „noch sehr gut bevorratet. Große Mühlen nutzen überdies Warenterminbörsen, um sich gegen Preisschwankungen abzusichern.“ Generell gelte: „Je höher veredelt das Endprodukt ist – also etwa Brot oder Kekse –, desto weniger fallen Rohstoffpreise ins Gewicht.“ Allerdings steige durch die Feldberegnung, die auch in Teilen der Region Hannover nötig sei, der Kostendruck auf die Landwirte, da die Margen ohnehin sehr knapp seien.

In der Region Hannover habe es vor allem im Norden „links und rechts der A 7 praktisch keinen Niederschlag gegeben“. Wo nicht beregnet werden könne, gehen die Experten „von sehr starken Schädigungen im Getreide“ aus. Ehrecke: „In Einzelfällen wird darüber nachgedacht, die Bestände nicht zu dreschen, sondern als Notmaßnahme vorzeitig als Ganz-Pflanzen-Silage zu ernten.“ Blattfrüchte wie Kartoffeln und Rüben würden regelmäßig gewässert, demnächst muss wohl auch der Mai beregnet werden. Doch da die technische Ausstattung dafür nicht für alles reicht, wird das Getreide nun knapper bewässert, mit Ausnahme der Braugerste.

Im Süden und Richtung Braunschweig sei die Wasserversorgung „sehr angespannt und absolut unbefriedigend“. Wintergerste sei auf „schlechten Ecken“ des Ackers schon gelb, also bald reif, der Winterweizen sei teils auf „tonig-flachgründigen“ Böden „verbrannt, also irreversibel beschädigt“.

Abwasser-Kanalisation: Alles gut im Untergrund

Für die Stadtentwässerung ist die Trockenheit kein Problem: Gespült wird nur bei Störungen – die machen sich meist durch Geruchsbelästigung bemerkbar. „In der Vergangenheit seien keine „heftigen“ Ereignisse bekannt, die durch Trockenheit erfolgt wären und die hätten „bekämpft“ werden müssen, teilt Stadtsprecher Dennis Dix auf Anfrage mit.

Tatsächlich gebe es in diesem Jahr „nur sehr wenige Meldungen zu Kanalgerüchen, nur so alle fünf bis sechs Wochen“. In den Vorjahren sei es üblich gewesen, dass besonders im Frühling , besonders im April und Mai „bei aufkommender Wärme mehr Meldungen dazu vorlagen“. Bei großen Kanälen, etwa dem sogenannten Sammler Herrenhausen, fährt ein „Iltis“ genanntes, von Wasserdruck angetriebenes Fahrzeug, durch den Kanal, schiebt den Schlamm und andere Rückstände zusammen. Danach werden die Rückstände mit einem Spezialfahrzeug abgesaugt und so der Kanal gesäubert. Bei kleineren Kanälen (unter etwa 1,5 Meter Durchmesser) wird „mit Wasserdruck gezielt und gründlich gereinigt“. Und „manchmal kommen die Gerüche nicht aus dem Kanal, sondern von der Dachentlüftung einzelner Häuser.

Von Ralph Hübner