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Nachrichten Jäger: Wölfe gehören ins Jagdrecht
Region Wunstorf Nachrichten Jäger: Wölfe gehören ins Jagdrecht
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15:13 25.11.2018
Hegeringsleiter Knuth Peters (von links), Wolfsbeauftragter Helge Stummeyer und Bezirkslandwirt Torben Wegener sind zu Gast beim Heimatverein. Quelle: Albert Tugendheim
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Wunstorf

Wölfe könnten demnächst vermehrt im Bereich Wunstorf zu sehen sein. Das Gebiet rund um das Steinhuder Meer ist unter Punkt Territorium 21 (Loccum/Steinhuder Meer) bereits in der Kartierung der Wolfsvorkommen in Niedersachsen vermerkt. Das berichtete der Neustädter Wolfsberater Helge Stummeyer als einer von drei Gästen bei einer Veranstaltung des Heimatvereins Wunstorf. Das Gebiet Wunstorf wird durchaus von Wölfen durchlaufen, auch wenn sie noch nicht ansässig sind – kein Territorium haben, wie es die Fachleute ausdrücken.

Ob die in Niedersachsen inzwischen vermehrt auftretenden Tiere nun gleich das Hohe Holz durchstreifen – das war die provokante Frage in der Einladung des Vereins – wurde so konkret nicht diskutiert, wäre auch nur Spekulation. Tatsache hingegen ist ein im März bekannt gewordener Zwischenfall beim Großenheidorner Bio-Landwirt Knuth Peters, ebenfalls Gast des Heimatvereins. Es war nachweislich ein Wolf, der ein Kalb auf seiner Weise bei Großenheidorn gerissen hat.

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Landesweit hat die Zahl der nachweislich gesichteten Wölfe deutlich zugenommen, so berichtete Stummeyer. 2011 habe es gerade mal ein einzelnes Tier gegeben, in diesem Jahr sind in Niedersachsen 20 Rudel, zwei Wolfspaare und ein Einzeltier vermerkt.

Wolf bald auch im Raum Wunstorf möglich

„Der Wolf kommt, die Politik reagiert zu langsam“, so fasste der dritte im Bunde der Referenten beim Heimatverein, der Liether Bezirkslandwirt Torben Wegener die Situation aus seiner Sicht zusammen. Ein Problem, dass zum Beispiel Landwirte haben, die um ihre Nutztiere fürchten. 16 Risse von Nutztieren habe es in der Region Hannover gegeben, mehr als 400 im vergangenen Jahr in Niedersachsen, so nannte Stummeyer Zahlen.

Die Fördertöpfe für die Nutztierhalter griffen in vielen Fällen nicht, weil zuerst ein Gebiet zum Wolfsterritorium erklärt werden müssen, bevor Zuschüsse zu Schutzprojekten kämen. Apropos Schutz: Die Referenten im Heimatinfo waren sich einig, dass die vieldiskutierten Schutzzäune nicht unbedingt die Lösung des Problems seien. Einmal lernten die Wölfe schnell, wo sie doch einen Zugang zu einer Herde hinterm Zaun finden. Zum anderen hinderten die massiven Zäune auch andere Wildtiere daran, ihrer Wege zu gehen.

Einig waren sich letztlich die drei Vortragenden – alle auch Jagdpächter - mit der Mehrheit im (überschaubaren) Publikum: Das Jagdrecht sollte auf Wölfe ausgedehnt werden. Das hieße ja eben nicht, dass munter drauf los geschossen würde. Es sei auch zu überlegen, ob Wölfe nur in bestimmten großen Gebieten wie den früheren Truppen-Übungsplätzen etwa im Heide-Bereich geduldet werden sollten und nicht dort, wo viel Landwirtschaft betrieben wird.

Ein weiteres Problem wurde deutlich: Die öffentliche Meinung ist für den Wolf und das nach Meinung der Referenten sei eher unreflektiert. Viele Tierschützer wüssten in ihren Stadtwohnungen kaum noch, wie die Situation bei den Lebensmittelproduzenten auf dem Lande aussehe, so der Tenor.

Von Albert Tugendheim