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Region Wunstorf Nachrichten Kurt Rehkopf spricht über 50 Jahre im Wunstorfer Rat
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00:15 19.03.2019
Kurt Rehkopf mischt seit mehr 50 Jahren in der Wunstorfer Politik mit. Quelle: Sven Sokoll
Wunstorf

Fünf Stadtdirektoren und neun Bürgermeister hat er erlebt: Mit diesen Zahlen begrüßt uns Kurt Rehkopf (FDP), als wir mit ihm über die mehr als 50 Jahre reden wollen, die er dem Wunstorfer Rat angehört hat. In der Politik hat er aber nicht nur dort mitgemischt.

Herr Rehkopf, wie sind Sie in die Politik gekommen?

Da spielte Familientradition eine Rolle. Mein Großvater war schon Bürgervorsteher und mein Vater saß zwölf Jahre im Rat, auch für die FDP. Er wollte damals aufhören und wünschte sich, dass ich für ihn weitermache. Und ich war folgsam und fing 1968 an, fünf Jahre nach Übernahme des großelterlichen Bäckerei-Konditorei-Café-Betriebs an der Langen Straße.

Schon kurz nach Ihren politischen Anfängen kam die Gebietsreform. Was haben Sie sich damals als gute Lösung vorgestellt, und wie sehen Sie das Ergebnis?

Ich hätte mir noch vorstellen können, Hagenburg mit in die Stadt aufzunehmen. Alternativ hätte es mit Steinhude und Großenheidorn zusammengehen können. Aber die Lösung, die wir jetzt haben, ist hervorragend. Mit den neuen Ortsteilen im größeren Rat, vor allem den Steinhudern, wurde es aber schon erst schwieriger.

Wie hat sich die Politik seitdem verändert?

Die Anfangsjahre waren nicht leicht. Es war viel im Umbruch. Wir mussten über Bäder und Schulen entscheiden, ganz zu schweigen von der Debatte um die Fußgängerzone und die neue Umgehungsstraße Am Stadtgraben. Damals waren die politischen Gegensätze größer, sodass es bei allen Entscheidungen hoch her ging. 99 Prozent Zustimmung für den Haushalt, das war damals undenkbar. Wir hatten viele Originale, die sich an keine Absprachen gehalten haben. Damals haben sich aber auch mehr Leute für die Politik interessiert.

Gemeinsam mit Ihnen wird am 20. März auch Bürgermeister Rolf-Axel Eberhardt geehrt, der schon seit 20 Jahren im Amt ist. Wie hat sich der Übergang zu einem hauptamtlichen Bürgermeister ausgewirkt?

Der Bürgermeister hatte früher nicht so viel Macht in der Verwaltung, aber dafür eine hohe Bindung an den Rat. Die Frage war immer, wie er sich mit dem hauptamtlichen Stadtdirektor abstimmte. Jetzt hat der Bürgermeister als Chef der Verwaltung ein hohes Machtpotenzial. Es gibt Fälle, in denen das ausgenutzt wird, aber das ist mit Eberhardt nie geschehen. Er hat immer versucht, die Fraktionen mitzunehmen. Das hängt immer auch von den Personen ab. In Wunstorf funktioniert es.

Sind Sie zufrieden damit, wie die Stadt sich entwickelt hat? Hätten Sie gern noch mehr erreicht?

Die Fußgängerzone ist uns gelungen, im Ergebnis haben wir mit der Bauleitplanung die Innenstadt gerettet und attraktiv gestaltet, was in Nachbargemeinden oft nicht funktioniert hat. Natürlich wäre es auch schön, wenn die Ortsumgehung jetzt schon fertig wäre. Und ich hätte mir gewünscht, dass wir das Wunstorfer Freibad noch länger hätten erhalten können.

Haben Sie sich während Ihrer langen Zeit im Landtag die Frage gestellt, ob Sie das Ratsmandat aufgeben wollen?

Nein, denn eine idealere Ämterverbindung gibt es nicht. Ein Landtagsabgeordneter ist näher an der Heimat dran als ein Bundestagsabgeordneter, der oft lange unterwegs ist. Ich war zwar öfter an der Grenze, aber es hat immer viel Spaß gemacht, so ein bisschen ist das eine Art von Droge. Wirklich schön war, wenn ich Leuten auf relativ kurzem Weg helfen konnte. Oft sind sie mit ihren Anliegen weiter in die Bäckerei gekommen und haben mit meiner Frau gesprochen, die es weitergegeben hat. Über den Landtag konnten wir zum Beispiel Druck machen, damit Wunstorf die höhengleichen Bahnübergänge verliert, hinter denen sich alles staute.

Wie schafften Sie es, sich dann auch noch für das Handwerk zu engagieren?

Mein Vater war lange Kreishandwerksmeister, von daher habe ich auch hier etwas fortgeführt, was mir sehr am Herzen lag. Als Berufspolitiker und Präsident des niedersächsischen Handwerks mussten wir zur Unterstützung zeitweise einen Geschäftsführer für unseren Betrieb einstellen. Aus der Tätigkeit im Handwerk habe ich vor allem die Wendezeit in der DDR noch in intensiver Erinnerung.

Haben Sie schon einmal überlegt, mit der Politik ganz aufzuhören?

Vor der letzten Ratswahl wollte ich eigentlich nicht noch einmal kandidieren. Die Parteifreunde sagten aber, ich solle noch einmal antreten. Schade ist, dass wir als FDP nur noch zu zweit im Rat sind, das ist eigentlich zu wenig. Wir haben aber insgesamt einen sehr kollegialen und engagierten Rat. In dieser Atmosphäre ist es nach wie vor auch für mich selbstverständlich, sich für Wunstorf und die Menschen in dieser Stadt einzusetzen.

Backen Sie eigentlich zu Hause noch?

Nachdem wir das Geschäft aufgegeben haben, habe ich gelegentlich noch mal Stollen hergestellt. Aber mittlerweile hat meine Frau das Backen übernommen.

Zur Person: Kurt Rehkopf

Am 1. Oktober 1968 ist Kurt Rehkopf Mitglied des alten Wunstorfer Stadtrates geworden und setzte die Tätigkeit nach der Gebietsreform 1974 im Rat für die vergrößerte Stadt fort. Fast durchgängig führte er die FDP-Fraktion und gehörte dem wichtigen Verwaltungsausschuss an. Von 1974 an vertrat er zwölf Jahre lang auch die Bürgermeister. Für die mehr als 50 Jahre in der Kommunalpolitik will die Stadt sich bei ihm am Mittwoch, 20. März, ab 19 Uhr in der Abtei mit einer Feierstunde bedanken. Im Mittelpunkt stehen dann auch Bürgermeister Rolf-Axel Eberhardt, der sein Amt seit 20 Jahren bekleidet, sowie Christiane Schweer, die schon auf 25 Jahre in der Kommunalpolitik kommt.

Rehkopf ist in der Politik aber auch weit über Wunstorf bekannt geworden. Zwischen 1974 und 1994 gehörte er in vier Wahlperioden dem Landtag an, was seitdem keinem Wunstorfer mehr gelungen ist. Acht Jahre durfte der Liberale dort als Vizepräsident Sitzungen leiten.

Der Bäcker- und Konditormeister, der von 1963 bis 2005 ein Geschäft an der Langen Straße betrieb, engagierte sich aber auch in den Spitzenorganisationen des Handwerks und ist heute Ehrenpräsident des Niedersächsischen Handwerkstages. Im Mai feiert er seinen 80. Geburtstag.

Von Sven Sokoll

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